Masken beeinflussen Arbeitsfähigkeit nicht; weitere Details zur Testverordnung; Hinweis auf neue Virus-Varianten im Abwasser

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

10. Februar 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 10. Februar 2022

Heute meldet das Robert Koch-Institut 247.862 weitere Infektionen mit SARS-CoV-2 innerhalb der letzten 24 Stunden. Am Donnerstag vor einer Woche waren es 236.120 neue Fälle.

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz steigt weiter 1.465,4 Fälle pro 100.000 Einwohner (Vortag: von 1.450,8). 238 Menschen starben in Zusammenhang mit COVID-19. Damit erhöht sich die bundesweite Gesamtzahl der COVID-19-Toten auf 119.453.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 6,07 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 9. Februar, verglichen mit 5,60 am 8. Februar.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 6. Februar 2.398 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 8 mehr als am Vortag. Aktuell sind 870 Betten im Low-Care- und 2.040 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 409 freie ECMO-Behandlungsplätze. Ab heute will auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) regelmäßig Daten zur Belegung von Kliniken mit COVID-19-Patienten veröffentlichen. Nennenswerte Steigerungen gebe es laut dem Vorstandsvorsitzenden der DKG, Dr. Gerald Gaß, vor allem auf Normalstationen.

  • Corona-Testverordnung: Das plant Lauterbach

  • Allgemeine Impfpflicht: GKVen wollen nicht kontrollieren

  • Mysteriöser Fund im Abwasser: Neue Mutationen ante portas?

  • NYT: Stoppt Johnson & Johnson die Impfstoffproduktion?

  • Masken beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit gesunder Menschen nicht

  • Booster Shots wirken effektiv bei älteren Menschen

  • Forscher entwickeln Risikoabschätzung für schweres COVID-19 oder MIS-C bei Kindern

Corona-Testverordnung: Das plant Lauterbach

Gestern wurden weitere Details zur novellierten Corona-Testverordnung bekannt. „Auf dem Höhepunkt der Pandemie setzen wir PCR-Tests gezielter ein“, sagt Gesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD). „Künftig sollen die Tests nur noch gemacht werden, wenn ein positiver Schnelltest vorliegt.“ Eine rote Warnmeldung auf der App reiche dafür nicht mehr. Das gilt auch für medizinisches Personal oder für Risikopatienten.

Im Entwurf, der mehreren Redaktionen vorliegt, heiß es: Eine PCR-Bestätigung eines positiven Antigen-Tests sei „in der Regel nicht notwendig“. Sie sollte nach klinischen Kriterien abgewogen werden. Um sich nach einer Infektion freizutesten, reichen künftig Antigen-Schnelltests aus.

Allgemeine Impfpflicht: GKVen wollen nicht kontrollieren

Wie Medscape im Blog berichtet hat, planen Abgeordnete der Ampelkoalition, gesetzliche Krankenkassen stark bei der Impfpflicht einzubinden. Ihr Konzeptpapier sieht vor, dass GKVen nicht nur Mitglieder informieren, sondern auch den Impfstatus erfassen – und Ungeimpfte staatlichen Stellen melden.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen erteilte dem Vorstoß jetzt eine klare Absage. Kassen seien bereit, ihrem Auftrag zur Information und Beratung der Versicherten nachzukommen, so ein Sprecher des Verbands. „Die Durchsetzung und Kontrolle einer eventuellen gesetzlichen Impfpflicht wäre dagegen die Aufgabe des Staates.“ Daraufhin entgegnete Dirk Wiese (SPD), einer der Autoren des Entwurfs: „Wir wollen den Weg über die Krankenkassen gehen. Dies ist aus unserer Sicht sinnvoll, rechtlich zulässig und auch durchführbar.“

Mysteriöser Fund im Abwasser: Neue Mutationen ante portas?

Ein wichtiger Baustein zur Pandemiekontrolle ist das Monitoring von Umweltproben. Seit Juni 2020 untersuchen Forscher Abwasser aus 14 Kläranlagen in New York City. Im Januar 2021 begannen sie mit der gezielten Sequenzierung der Proben und konzentrierten sich dabei auf einen Teil des Gens für das Spike-Protein von SARS-CoV-2.

Die jetzt identifizierten Virusfragmente weisen eine einzigartige Konstellation von Mutationen auf, die noch nie zuvor bei menschlichen Patienten nachgewiesen waren – ein potenzielles Zeichen für eine neue, zuvor unentdeckte Variante. Sie waren in keiner Sequenzdatenbank zu finden.

Die Forscher haben 2 Hypothesen. Neue Abstammungslinien könnten entweder von nicht untersuchten menschlichen COVID-19-Infektionen stammen. Oder sie geben Hinweise auf ein tierisches Reservoir. Infrage kämen beispielsweise Ratten oder Mäuse. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass die Linien, die seit mindestens 1 Jahr im Umlauf sind, ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Menschen darstellten, schreiben die Autoren der Studie.

NYT: Stoppt Johnson & Johnson die Impfstoffproduktion?

Ein Bericht der New York Times zu Johnson & Johnson sorgt derzeit für Wirbel. „Das amerikanische Unternehmen hat laut mit der Entscheidung vertrauten Personen Ende letzten Jahres stillschweigend die einzige Anlage geschlossen, die brauchbare Chargen des Impfstoffs herstellt“, heißt es im Artikel. „Die Einrichtung in der niederländischen Stadt Leiden hat stattdessen einen experimentellen, aber potenziell profitableren Impfstoff zum Schutz vor einem nicht verwandten Virus hergestellt.“ Es handele sich um einen zeitlich befristeten Stopp.

Die Thematik mag Europa wenig tangieren. Nach Deutschland wurden bis Ende der 5. Kalenderwoche 136,0 Millionen Dosen des BioNTech/Pfizer-Vakzins, 14,4 Millionen Dosen AstraZeneca, 34,0 Millionen Dosen Moderna, aber nur 5,4 Millionen Dosen Johnson & Johnson geliefert.

Ärmere Länder sind jedoch weiterhin auf den Impfstoff von Johnson & Johnson angewiesen. Als einmalige Injektion ist der Impfstoff kostengünstiger und relativ einfach an schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen zu verabreichen. Noch im vergangenen Sommer habe Johnson & Johnson laut NYT prognostiziert, im Jahr 2021 rund 1 Milliarde Dosen seines COVID-Impfstoffs zu liefern. Das Unternehmen habe dieses Ziel stark verfehlt und rund 400 Millionen Dosen verschickt, wird ein Insider zitiert.

Ein Sprecher des Konzerns erklärt: „Johnson & Johnson stellt allen unseren Abfüll- und Endbearbeitungsstandorten, einschließlich Aspen Pharmacare (Südafrika), weiterhin Wirkstoffe zur Herstellung unseres Impfstoffs COVID-19 zur Verfügung.“ Fragen zur Situation im Leidener Werk beantwortet er ausweichend: „Der Standort wird auch im Jahr 2022 eine Rolle in unserer Impfstoffproduktion spielen.“

Masken beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit gesunder Menschen nicht

In vielen Bereichen des täglichen Lebens, auch am Arbeitsplatz, sind derzeit Masken zu tragen. Forscher haben jetzt untersucht, ob das Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske, einer Filtermaske mit Ausatemventil der Klasse 2 und einer Baumwollmaske (Community Mask) die körperliche Arbeitsfähigkeit beeinflusst.

39 Probanden (20 Männer, 19 Frauen) mit unterschiedlicher kardiorespiratorischer Fitness nahmen an einem standardisierten submaximalen Fahrrad-Ergometer-Test teil. Sie trugen eine der genannten Masken oder als Kontrolle keinen Mund-Nasen-Schutz. An 4 Tagen wurden die Belastung bei Herzfrequenzen von 130 und 150 Schlägen pro Minute, der transkutane Kohlendioxidpartialdruck, die Sättigung des peripheren kapillaren Sauerstoffs, die Atemfrequenz, der Blutdruck, die wahrgenommene Atemanstrengung und die körperliche Erschöpfung erfasst.

In keinem Fall traten physiologische Veränderungen auf, die über normale Schwankungen hinausgingen. Die subjektiv empfundene Atemanstrengung war allerdings bei Verwendung von Gesichtsmasken höher als ohne diesen Schutz.

„Die Ergebnisse der vorliegenden Studie geben Anlass zu der Annahme, dass das Tragen von Gesichtsmasken zur Infektionsprävention während der COVID-19-Pandemie keine relevanten zusätzlichen körperlichen Anforderungen an den Benutzer stellt, obwohl eine etwas höhere Atemanstrengung erforderlich ist“, schreiben die Studienautoren als Resümee.

Booster Shots wirken effektiv bei älteren Menschen

Aktualisierte italienische Daten der nationalen Impfüberwachung unterstreichen die Bedeutung von COVID-19-Boosterimpfungen, um den schwindenden Impfschutz wiederherzustellen und ältere Erwachsene vor einem schweren Verlauf zu schützen. Darüber hat Univadis.de berichtet.

Eingeschlossen wurden Erwachsene ab 80 Jahren. In der Kohorte waren 216.424 Ungeimpfte, 335.458 seit < 5 Monaten und 2.385.897 seit ≥ 5 Monaten vollständig primär Geimpfte sowie 1.549.747 Personen mit Auffrischungsimpfung. Als Vakzine kamen BioNTech/Pfizer (70,1%), Moderna (16,9%), AstraZeneca (11,6%) und Janssen (1,4%) zum Einsatz.

Die Wirksamkeit bei Personen mit primärer Impfung innerhalb der letzten 5 Monate betrug im Vergleich zu Ungeimpften:  

  • Hospitalisierungen: OR 0,80; p < 0,001

  • Verlegungen auf die Intensivstation: Odds Ratio 1,41; p = 0,210

  • Todesfälle: OR 0,99; p = 0,958

Personen, die seit mehr als 5 Monaten primär geimpft worden waren und zusätzlich einen Booster Shot erhalten haben, sind besser geschützt:

  • Hospitalisierungen: OR 0,17; p<0,001

  • Verlegungen auf die Intensivstation: OR 0,18; p<0,001

  • Todesfälle: OR 0,19; p<0,001

„Die Verabreichung von Auffrischungsdosen ist ratsam, um das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko bei älteren Menschen zu verringern“, heißt es als Fazit.

Forscher entwickeln Risikoabschätzung für schweres COVID-19 oder MIS-C bei Kindern

Kinder und Jugendliche erkranken selten an schwerem COVID-19, doch seit Beginn der Pandemie wurden etliche Fälle veröffentlicht. Um mehr über Risikofaktoren zu erfahren, haben Forscher eine prospektive Kohortenstudie an 56 N3C-Einrichtungen in den USA durchgeführt. Zu den Teilnehmern gehörten Kinder, die bei der 1. Untersuchung auf SARS-CoV-2 jünger als 19 Jahre waren.

Insgesamt wurden 1.068.410 Kinder auf SARS-CoV-2 getestet; 167.262 Testergebnisse (15,6%) waren positiv. Von 10.245 Kindern (6,1%), die stationär aufgenommen wurden, erfüllten 1.423 (13,9 %) Kriterien für eine schwere Erkrankung: mechanische Beatmung (796 [7,8%]), Einsatz inotroper und vasopressorischer Substanzen (868 [8,5%]), extrakorporale Membranoxygenierung (42 [0,4%]) oder Tod (131 [1,3 %]).

Ein männliches Geschlecht (OR 1,37; 95%-KI 1,21-1,56), eine afroamerikanische bzw. afrikanische Ethnie (OR 1,25; 95%-KI 1,06-1,47), Adipositas (OR 1,19; 95%-KI 1,01-1,41) und mehrere pädiatrische komplexe chronische Erkrankungen waren mit einem höheren Schweregrad von COVID-19 assoziiert.

Zu den Variablen, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das multisystemische Entzündungssyndrom bei Kindern im Vergleich zu akuter COVID-19 assoziiert waren, gehörten ein männliches Geschlecht (OR 1,59; 95%-KI 1,33-1,90), eine afroamerikanische bzw. afrikanische Ethnie (OR 1,44; 95%-KI 1,17-1, 77), ein Alter unter 12 Jahren (OR, 1,81; 95%-KI 1,51-2,18), Adipositas (OR 1,76; 95%-KI 1,40-2,22) sowie das Fehlen pädiatrischer komplexer chronischer Erkrankungen (OR 0,72; 95%-KI 0,65-0,80).

„Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass eine frühzeitige Identifizierung von Kindern, bei denen ein schweres Krankheitsbild zu erwarten ist, mit Hilfe leicht verfügbarer Daten ab dem Tag der Aufnahme möglich ist“, schreiben die Autoren.

 

Kommentar

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