Kaum Schutz nach Omikron-Infektion; Nun doch wieder: Nach Schnelltest PCR für alle; Krankenhausgesellschaft gibt Entwarnung

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

9. Februar 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 9. Februar 2022

Heute meldet das Robert Koch-Institut 234.250 Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 innerhalb der letzten 24 Stunden. Vor einer Woche waren es 208.498 Fälle. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 1.450,8 Fälle pro 100.000 Einwohner (Vortag: 1.441,0). 272 weitere Menschen starben in Zusammenhang mit COVID-19. Vor einer Woche waren es 196.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 5,60 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 8. Februar, verglichen mit 5,41 am 7. Februar.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 8. Februar 2.390 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 15 mehr als am Vortag. Momentan sind 864 Betten im Low-Care- und 2.123 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 418 freie ECMO-Behandlungsplätze.

„Ich rechne aktuell für die kommenden Wochen nicht mehr mit einer Überlastung des deutschen Gesundheitswesens“, sagt Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Maßnahmen hätten „deutlich dazu beigetragen, dass die befürchtete Welle weniger hoch war als befürchtet“. Der Bundesregierung rät Gaß, „ohne Zweifel schrittweise Lockerungen für die kommenden Wochen ins Auge zu fassen“.

  • Streit um die einrichtungsbezogene Impfpflicht – Bayern schert aus

  • Deutschland: Immer noch viele Ungeimpfte – Omikron-Infektionen schützen kaum

  • Lauterbach: Weiterhin PCR-Tests für alle

  • Neue WHO-Zahlen: 500.000 Tote seit Beginn der Omikron-Welle

  • PIMS-Register: 660 Fälle erfasst – bei vermutlich hoher Dunkelziffer

  • Neue Studie: Wie Kleinkinder von Impfungen der Mutter profitieren

Streit um die einrichtungsbezogene Impfpflicht – Bayern schert aus

Eigentlich ist die institutionenbezogene Impfpflicht beschlossene Sache. Sie soll in knapp 5 Wochen in Kraft treten. Schon vorab wird das Regelwerk aufgeweicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von „großzügigsten Übergangsregelungen“. Sprich: Söder will die Impfpflicht de facto nicht scharf schalten und erklärte, es brauche Zeit, „um das Ganze vernünftig zu gestalten“. Die Maßnahme sei „kein wirksames Mittel mehr, um die jetzige Omikron-Welle zu begleiten oder zu dämpfen oder zu stoppen“. Unterstützung für diese Linie kommt von der Bundes-CDU.

„Ein solches Handeln wäre verfassungswidrig“, kommentiert Prof. Dr. Joachim Wieland, Experte für Staatsrecht an der Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. „Würden die Länder Bundesgesetze je nach ihrer politischen Einschätzung nicht umsetzen, hätten wir praktisch keinen Rechtsstaat mehr.“ Und Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) sprach von einem „sehr gefährlichen Signal“ aus Bayern. Jedoch habe der Bund keine Möglichkeit, den Vollzug der Impfpflicht durchzusetzen; das sei Ländersache.

Deutschland: Immer noch viele Ungeimpfte – Omikron-Infektionen schützen kaum

Bundesweit sind mindestens 62,0 Millionen Einwohner, sprich 74,5 % der Gesamtbevölkerung, vollständig geimpft. Mindestens 45,3 Millionen (54,5%) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten. Die Zahl der Ungeimpften liegt immer noch bei rund 20 Millionen (24,0%). Darunter sind 4,0 Millionen Babys und Kleinkinder bis 4 Jahre (4,8 %), für die es noch kein Vakzin gibt.

Erwachsene Ungeimpfte setzen teilweise auf die natürliche Durchseuchung – eine wenig sinnvolle Strategie, wie Studien belegen. Forscher kommen in einem kürzlich veröffentlichten Preprint zu ähnlichen Ergebnissen. Sie fanden hohe neutralisierende Antikörpertiter gegen alle Varianten bei geimpften Personen nach einer Omikron-Durchbruchinfektion oder bei Personen nach einer Infektion mit einer Variante vor Omikron, gefolgt von einer Omikron-Infektion. Im Gegensatz dazu enthielten Proben von ungeimpften Personen nach Omikron-Infektionen hauptsächlich neutralisierende Antikörper gegen diese Variante, aber nur gelegentlich gegen die anderen Mutationen des Erregers.

„Kann die Omikron-Welle die Immunitätslücke schließen? Nein!“, schreibt der Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl auf Twitter. „Nach Omikron-Infektion haben Ungeimpfte deutlich weniger neutralisierende Antikörper gegen Omikron als Geimpfte/Genesene und kaum Schutz gegen andere Varianten. Weitere Impfung notwendig!“

Lauterbach: Weiterhin PCR-Tests für alle

Auch in der 5. Kalenderwoche war der Ansturm auf PCR-Tests enorm. Wie die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) berichten, seien vom 31. Januar bis 6. Februar in 182 fachärztlichen Laboren insgesamt 2.477.154 PCR-Untersuchungen durchgeführt worden. Die Auslastung liege wie schon in der Vorwoche bei 93%.

Vor der Bundespressekonferenz erklärte Lauterbach, eine Aktualisierung der geltenden Coronavirus-Testverordnung solle bald in Kraft treten. Anders als vorher geplant haben weiterhin alle Personen Anspruch auf PCR-Tests – allerdings nur bei einem positiven Antigen-Schnelltest. Lauterbach sagt, bei der Entscheidung habe er Prognosen und Modellrechnungen des künftigen Pandemie-Geschehens sowie die Kapazität an PCR-Tests mit ins Kalkül gezogen.

Neue WHO-Zahlen: 500.000 Tote seit Beginn der Omikron-Welle

Abdi Mahamud von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet über neue Zahlen zur Pandemie. Demnach seien seit Auftreten von Omikron Ende Oktober 2021 rund 500.000 Personen an COVID-19 gestorben. „Im Zeitalter wirksamer Impfstoffe ist der Tod einer halben Million Menschen wirklich etwas Besonderes“, so Mahamud; dies sei „mehr als tragisch“.

Laut WHO-Angaben hat SARS-CoV-2 damit seit Ende 2019 mehr als 5,7 Millionen Todesopfer gefordert und 392 Millionen Menschen infiziert. Insgesamt seien bislang 10,25 Milliarden Dosen an COVID-19-Vakzinen verimpft worden, so die Weltgesundheitsorganisation.

PIMS-Register: 660 Fälle erfasst – bei vermutlich hoher Dunkelziffer

Pädiatrische Fachgesellschaften hatten Ende Mai 2020 ein Register etabliert, um Kinder mit PIMS (Paediatric inflammatory multisystem syndrome) zu erfassen. Die Erkrankung ist Folge einer Überaktivierung des Immunsystems nach der SARS-CoV-2-Infektion bei Kindern und tritt selten auf. Bis Woche 5/2022 wurden Daten von 661 Kindern und Jugendlichen mit PIMS erfasst.

„Mit der Dunkelziffer dürften es insgesamt in etwa 1.000 PIMS-Betroffene sein“, sagt Dr. Jakob Armann, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin an der Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendmedizin des Uniklinikums Dresden.

PIMS-Patienten hatten seltener Vorerkrankungen als stationär behandelte pädiatrische COVID-19-Patienten; Jungen scheinen eher als Mädchen ein PIMS zu entwickeln. Die Haut, die Schleimhäute, der Gastrointestinaltrakt und das Herz-Kreislauf-System waren bei Patienten des Registers am häufigsten betroffen.

Neue Studie: Wie Kleinkinder von Impfungen der Mutter profitieren

COVID-19-Impfungen während der Schwangerschaft erzeugen im mütterlichen Blutkreislauf Anti-S-IgG-Antikörper. Sie sind bei der Geburt im Nabelschnurblut nachweisbar und schützen Neugeborene vor COVID-19 – nur wie lange? In JAMA haben Forscher neue Daten zu dieser Frage veröffentlicht.

27 geimpfte Schwangere und 12 Frauen mit symptomatischer SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft wurden in die Studie aufgenommen. Geimpfte Mütter hatten zum Zeitpunkt der Geburt signifikant höhere Antikörpertiter gegen das SARS-CoV-2-Spike-Protein im Blut im Vergleich zu Müttern nach einer Infektion.

Eine mütterliche Impfung führte auch bei Säuglingen zu einer deutlich höheren Antikörperpersistenz als eine Infektion. Nach 6 Monaten hatten 57% (16 von 28) der Säuglinge geimpfter Mütter nachweisbare Antikörper, verglichen mit 8% (1 von 12) der Säuglinge infizierter Mütter. Weder der mütterliche Titer noch der Titer aus der Nabelschnur korrelierten signifikant mit dem Anti-S-Titer des Säuglings im Alter von 6 Monaten.

Die Autoren sehen in ihrer Arbeit einen wichtigen Hinweis auf die Bedeutung von COVID-19-Impfungen für Schwangere. Für Säuglinge gebe es noch kein zugelassenes Vakzin, schreiben sie. Insofern sei der Schutz über Antikörper der Mutter besonders wichtig.

 

Kommentar

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