Tadasana, eine Yoga-Übung, kann die Häufigkeit vasovagaler Synkopen verringern – naht ein neuer therapeutischer Standard?

Interessenkonflikte

7. Februar 2022

Bei vasovagale Synkopen kommt es durch eine Überstimulation des Nervus vagus zum Abfall des Blutdrucks und kurzzeitig eventuell zu Bewusstlosigkeit. Tadasana, eine Yoga-Übung, scheint die Anfälligkeit dafür zu verringern, wie Forscher in JACC: Clinical Electrophysiology berichten.

Tadasana, eine Yoga-Übung, welche das orthostatische Ungleichgewicht durch Stärkung der neuromuskulären Reflexe korrigiert, wurde bei vielen Patienten mit dem vollständigen Ausbleiben vasovagaler Synkopen in Verbindung gebracht, wenn Patienten die Übung zweimal täglich 15 Minuten lang ausgeübt hatten.

Einfache, kostengünstige Intervention

Dr. Hygriv Rao

„Diese Übungen sind sehr leicht durchzuführen, kostengünstig und sehr wirksam. Es handelt sich um eine sehr einfache Lösung für einen beängstigenden und potenziell gefährlichen Zustand“, sagte der Hauptautor Dr. Hygriv Rao im Gespräch mit Medscape.

„Wir sind begeistert von diesen Ergebnissen. Wir dachten, dass es funktionieren würde, aber wir haben nicht erwartet, dass es so effektiv sein würde. Sie scheint bei fast allen Patienten zu wirken.“

„Wir fanden heraus, dass mit dem Tadasana-Manöver Episoden einer vollständigen Synkope, bei der Patienten tatsächlich das Bewusstsein verlieren, vollständig verschwanden, und Episoden einer Beinahe-Synkope, bei der Patienten sich ohnmächtig fühlen, aber nicht vollständig ohnmächtig werden, stark reduziert wurden“, fügte Rao hinzu. „Der eigentliche Verlust des Bewusstseins, der der gefährlichste Teil ist, ist praktisch verschwunden. Das gibt den Patienten und ihren Familien viel Zuversicht.“

Rao, Kardiologe am KIMS Hospitals in Hyderabad, Indien, erklärte, die vasovagale Synkope sei ein kurzer Bewusstseinsverlust, der auf einen neurologisch bedingten Blutdruckabfall zurückzuführen sei. Fehlerhafte neuromuskuläre Reflexe seien der Auslöser.

Synkopen würden in der Regel durch emotionalen Stress, langes Stehen oder zu schnelles Aufstehen aus einer sitzenden Position ausgelöst.

Großes Interesse an Yoga

Nur wenige Behandlungsansätze haben sich als wirksam erwiesen, wobei die derzeitigen Strategien darin bestehen, Auslöser zu vermeiden, mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen und, wenn der Betroffene das Gefühl hat, dass sich ein Anfall anbahnt, Maßnahmen zu ergreifen, um ihn zu stoppen, indem er sich hinlegt, die Beine hochlegt oder den Kopf senkt, um den Blutfluss zum Gehirn zu steigern.

„In letzter Zeit gibt es ein großes Interesse an Yoga als präventiver Therapie für vasovagale Synkopen“, so Rao. „Wir haben verschiedene Yogapositionen in Betracht gezogen und uns für das Tadasana-Manöver entschieden, da es Übungen ähnelt, die manchmal Patienten mit vasovagaler Synkope empfohlen werden, jedoch mit einigen Unterschieden, wie z. B. der zusätzlichen synchronisierten Atmung, die zur Stabilisierung des autonomen Tonus beitragen kann.“

Wie funktioniert Tadasana?

Bei der Tadasana-Übung stehen Personen gerade mit den Füßen zusammen, die Arme an der Seite (gegen eine Wand, wenn sie Unterstützung braucht). Sie heben zunächst die Zehen an, wobei ihr Gewicht auf den Fußballen ruht, und heben dann nach einigen Sekunden die Fersen an, wobei ihr Gewicht auf der Vorderseite des Fußes liegt. Nach ein paar weiteren Sekunden heben sie die Arme über die Schultern und strecken sich nach oben, während sie auf den Zehen stehen.

Diese Bewegungen werden mit Atemübungen synchronisiert, wobei die Person beim Anheben der Arme tief einatmet und beim Absenken der Arme wieder ausatmet.

„Jede Bewegung dauert ein paar Sekunden, und jeder Bewegungszyklus dauert etwa 2 Minuten. Wenn dies 8-mal durchgeführt wird, dauert es etwa 15 Minuten. Wir empfehlen diese 15-minütige Übung zweimal täglich“, so Rao.

Pilotstudie zeigt Effekte von Tadasana

In der aktuellen Studie wurden 113 Patienten mit wiederkehrenden vasovagalen Störungen dazu angehalten, die üblichen körperlichen Übungen durchzuführen und für eine angemessene Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Die Verschreibung von Medikamenten lag im Ermessen des behandelnden Arztes.

Von diesen wurden 61 Patienten zusätzlich im Tadasana-Manöver geschult und gebeten, die Übung zweimal täglich 15 Minuten lang durchzuführen. Die mittlere Dauer der Symptome und die Nachbeobachtung in den beiden Gruppen waren ähnlich. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug etwa 20 Monate.

In beiden Gruppen ging die Zahl an Beinahe-Synkopen und Synkopen zurück, wobei der Rückgang bei den Patienten, welche das Tadasana-Manöver praktizierten, deutlich größer war.

Vor der Behandlung traten bei den 52 Patienten in der konventionellen Gruppe 163 Synkopen oder Beinahe-Synkopen auf. Während der Nachbeobachtung wurden bei 12 Patienten (23%) 22 Symptom erfasst. Die durchschnittliche Gesamtzahl der Ereignisse pro Patient ging von 3 auf 0,4 zurück.

Vollständige Synkopen gingen in dieser Gruppe von 65 Ereignissen bei 32 Patienten auf 2 bei 2 Patienten zurück (Mittelwert pro Patient 1,3 bis 1), und die Zahl an Beinahe-Synkopen verringerte sich von 98 bei 34 Patienten auf 20 bei 10 Patienten (Mittelwert pro Patient 2,0 bis 0,4).

In der Tadasana-Gruppe hatten 61 Patienten vor der Behandlung 378 Synkopen oder Beinahe-Synkopen. Nach der Trainingsphase waren es 6 Ereignisse bei 5 Patienten (8%). Die Gesamtzahl der Ereignisse pro Patient ging von durchschnittlich 6 auf 0,1 zurück.

Die Zahl der vollständigen Synkopen sank von 108 bei 48 Patienten auf 0 (Mittelwert pro Patient 1,8 bis 0), und die Zahl der Beinahe-Synkopen ging von 269 bei 33 Patienten auf 6 bei 5 Patienten zurück (Mittelwert pro Patient 4,4 bis 0,1).

Wichtige Erkenntnisse für die klinische Praxis

„Diese Kombination aus Bewegung und Atmung beeinflusst die Fehlfunktion des neuromuskulären Reflexes, die bei vasovagalen Synkopen auftritt“, so Rao. „Die Bewegungen konzentrieren sich auf die Stärkung der neuromuskulären Reflexe im Quadrizeps und in der Wadenmuskulatur, was die Blutzirkulation und den venösen Rückfluss erhöhen und so Blutansammlungen im Unterkörper verhindern kann.“

Den Forschern zufolge liefere diese Pilotstudie 3 wichtige Erkenntnisse.

  • Die konventionelle Therapie allein oder in Kombination mit Tadasana konnte die Zahl an Synkopen zu verringern.

  • Tadasana als Zusatzbehandlung war mit weniger Synkopen oder Beinahe-Synkopen assoziiert.

  • Tadasana gut vertragen, ohne dass unerwünschte Ereignisse gemeldet wurden.

„Der Rückgang der Gesamtereignisse (d. h. Synkopen und Beinahe-Synkopen) im Vergleich zu den Zahlen vor der Behandlung war beträchtlich, und die meisten Tadasana-Patienten wurden ohne jegliche Pharmakotherapie behandelt“, berichten die Autoren.

Rao wies darauf hin, dass zu Beginn der Studie fast alle Patienten in beiden Gruppen Medikamente gegen die Erkrankung eingenommen hätten, diese jedoch im Laufe der Studie reduziert hätten, da weniger Episoden aufgetreten seien. Am Ende der Nachbeobachtung benötigten 80% der Patienten in der konventionellen Gruppe immer noch Pharmaka, verglichen mit 14% der Patienten in der Tadasana-Gruppe.

Patienten wurden zunächst persönlich von einem Yogalehrer geschult und erhielten anschließend eine Online-Fortbildung per Video. Rao sagte, die Einhaltungsquote sei sehr hoch gewesen, „fast 100%“.

Er berichtet, dass in seinem Krankenhaus inzwischen insgesamt 200 Patienten mit diesem Ansatz behandelt würden, mit sehr ähnlichen Ergebnissen wie in der ersten Studie.

Der Beitrag wurde von Michael van den Heuvel aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....