STIKO-Update zu Impfungen: Frauen in der Schwangerschaft und in der Stillzeit bestmöglich schützen

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

7. Februar 2022

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) hat Impfempfehlungen aktualisiert. Inhaltliche Änderungen und Ergänzungen betreffen vor allem Impfungen zum Schutz der reproduktiven Gesundheit, bei Kinderwunsch, während Schwangerschaft und der Stillzeit. Dazu wurde im neuen Impfkalender erstmals ein separates Kapitel geschaffen.

Bestmöglicher Schutz

Zum Hintergrund: Bestimmte impfpräventable Infektionen vor und während der Schwangerschaft sowie in der Postpartalzeit sind mit erhöhten Risiken für die Gesundheit der Frau, den Schwangerschaftsverlauf und die Gesundheit des neugeborenen Kindes verbunden. Eine zeitgerechte Verabreichung der empfohlenen Standardimpfungen vom Säuglingsalter an und die Vermeidung von Impflücken im gebärfähigen Alter bieten laut STIKO den besten Schutz vor vermeidbaren Infektionen von Mutter und Kind.

Impfungen zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten

Ein Blick auf Details: Die STIKO rät dringend zu Impfungen gegen die sexuell übertragbaren Krankheiten Hepatitis B und HPV. Die Empfehlung einer Impfung gegen Hepatitis B im Säuglingsalter begründet die Kommission damit, dass sich für die selten auftretenden Krankheitsfälle bei Säuglingen und Kleinkindern ein besonders hohes Risiko (90%) für eine chronische Verlaufsform ergibt. Falls die Impfung im Säuglingsalter versäumt wurde, empfiehlt die STIKO eine Nachholimpfung bis zum 18. Geburtstag.

Gegen HPV sollten Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren geimpft werden, noch vor ersten sexuellen Kontakten. Wurden die Impfungen in diesem Alter versäumt, können beide Impfungen bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Impfungen bei Kinderwunsch

Röteln, Varizellen und Masern sind für Schwangere besonders gefährlich. So können Röteln und Varizellen fetale kongenitale Syndrome mit Organ-Beteiligungen zur Folge haben und Masern zu schweren Pneumonien und Frühgeburten oder Spontanaborten führen. Die STIKO empfiehlt daher ungeimpften Frauen oder Frauen mit unklarem Impfstatus im gebärfähigen Alter die zweimalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff. Einfach geimpfte Frauen im gebärfähigen Alter sollten eine 2. MMR-Impfung erhalten. Zudem empfiehlt die STIKO seronegativen Frauen mit Kinderwunsch 2 Impfungen gegen Varizellen.

Gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen stehen nur Lebendimpfstoffe zur Verfügung, welche in der Schwangerschaft kontraindiziert seien, wie die STIKO schreibt. Deshalb sollten bei Frauen im gebärfähigen Alter eventuell bestehende Impflücken rechtzeitig geschlossen werden. Fand eine Impfung mit einem Lebendimpfstoff in der Frühgravidität statt, stellt dies jedoch keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch.

Außerdem sollten fehlende oder unvollständige Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Polio ebenfalls entsprechend den allgemeinen STIKO-Empfehlungen nachgeholt werden.

Bei bestehender Indikation rät die Kommission Frauen im gebärfähigen Alter präkonzeptionell zur Impfung gegen Hepatitis. Denn die vertikale Transmission von der meist chronisch infizierten Mutter auf das Kind sei die Hauptursache der Hepatitis B bei infizierten Kindern. Im Gegensatz zu Lebendimpfungen sei nach erfolgter Impfung mit einem Totimpfstoff kein Zeitabstand zum möglichen Eintritt einer Schwangerschaft zu berücksichtigen, so das Gremium.

Impfungen während der Schwangerschaft

Totimpfstoffe im Sinne der STIKO-Definition gelten als sicher für die Schwangere und den Fetus. Daher stellt die Schwangerschaft keine Kontraindikation für die Gabe von Vakzinen beispielsweise gegen Influenza, Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Hepatitis A und B dar.

Im 1. Drittel der Schwangerschaft sollten laut STIKO allerdings nur dringend notwendige Impfungen durchgeführt werden, um zu vermeiden, dass Spontanaborte mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden. Das Gremium empfiehlt Impfungen gegen saisonale Influenza und gegen Pertussis in jeder Schwangerschaft ausdrücklich.

Impfungen in der Stillzeit

Stillende können laut STIKO alle empfohlenen Impfungen mit Ausnahme der Gelbfieber-Impfung erhalten. Die Mutterschaftsnachsorge-Untersuchung am Ende des Wochenbetts biete sich besonders für die Impfprophylaxe an, rät das Gremium.

Mütter, die keine 2 Impfstoffdosen gegen Röteln erhalten haben oder die während ihrer Schwangerschaft seronegativ auf Röteln getestet wurden, sollten postpartal 2 MMR-Impfstoffdosen im (Mindest-)Abstand von 4 Wochen bekommen.

Der Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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