STIKO empfiehlt 2. Booster; Long-COVID: Impfen als Vorbeugung; 3 Antigen-Kontakte schützen gegen Omikron

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

3. Februar 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 3. Februar 2022

Heute meldet das Robert Koch-Institut 236.120 weitere Infektionen mit SARS-CoV-2 innerhalb der letzten 24 Stunden. Am Donnerstag vor einer Woche waren es 203.136 Fälle. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz steigt weiter auf 1.283,2 Fälle pro 100.000 Einwohner (Vortag: 1.227,5, Vorwoche: 1.017,4). 164 weitere Menschen starben in Zusammenhang mit COVID-19. Vor einer Woche waren es 188.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 4,77 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 2. Februar, verglichen mit 4,26 am 26. Januar.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 1. Februar 2.307 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 50 mehr als am Vortag. Aktuell sind 862 Betten im Low-Care- und 2.180 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 394 freie ECMO-Behandlungsplätze.

  • STIKO: Empfehlungen zu Novavax und zur 2. Auffrischungsimpfung

  • Deutschland: Neue Debatte um Exit-Strategien

  • Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Bessert die Regierung nach?

  • Schutz vor Long-COVID durch Vakzine: Studie liefert Hinweise

  • Immunität gegen Omikron nach 3 Kontakten mit dem viralen Antigen

  • Impfungen: Sind die Eltern geschützt, profitieren auch die Kinder

  • US-Studie: Lockdowns haben wenig gebracht

STIKO: Empfehlungen zu Novavax und zur 2. Auffrischungsimpfung

Die STIKO hat erneut ihre Empfehlungen zur COVID-19-Impfung aktualisiert. Sie empfiehlt Nuvaxovid® von Novavax zur Grundimmunisierung von Personen ab 18 Jahren. Dabei werden 2 Dosen im Abstand von mindestens 3 Wochen verimpft. Schwangere und Stillende sollten das Vakzin zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekommen. „Nuvaxovid führt häufig zu lokalen und systemischen Impfreaktionen, die über wenige Tage anhalten können und ähnlich stark sind wie nach Impfung mit den anderen COVID-19-Impfstoffen“, schreibt die STIKO. Aussagen zur Wirksamkeit gegen Omikron seien noch nicht möglich.

In ihrer Mitteilung schreibt die STIKO auch, wer die 2. Auffrischungsdosis bekommen sollte: Menschen ab 70 Jahren, Personen in Einrichtungen der Pflege, Patieten mit Immunschwäche ab 5 Jahren sowie Angestellte in medizinischen Einrichtungen oder in der Pflege.

„Die 2. Auffrischimpfung soll bei gesundheitlich gefährdeten Personengruppen frühestens 3 Monate nach der 1. Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen“, so die STIKO. „Personal in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen soll die 2. Auffrischimpfung frühestens nach 6 Monaten erhalten.“ Wer nach dem 1. Booster Shot einen Impfdurchbruch durchgemacht habe, solle keine 2. Auffrischungsimpfung erhalten. Alles in allem sei die Datenlage zur Effektivität und zur Sicherheit einer 2. Auffrischimpfung noch limitiert, so die Kommission weiter.

Deutschland: Neue Debatte um Exit-Strategien

Noch richten sich alle Augenmerke auf Omikron und auf die weitere Pandemie-Lage in Deutschland. Doch der Druck, auch über Exit-Strategien nachzudenken, wird immer stärker.

„Wir sollten konsequente Öffnungsschritte jetzt angehen“, so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Und Bijan Djir-Sarai (FDP) mach sich dafür stark, jetzt über mögliche Szenarien zu sprechen. Diese müssten bereits vorliegen, sollten die Infektionszahlen wie von Experten prognostiziert Ende Februar wieder sinken, so der FDP-Generalsekretär.

Auch Justizminister Marco Buschmann (FDP) bestätigt, man müsse „jetzt mit den Vorarbeiten beginnen und schauen, welche Maßnahmen dann in welcher Reihenfolge aufgehoben werden können, wenn die Gefahrenlage sich entspannt“. Das nächste Bund-Länder-Treffen findet am 16. Februar statt.

Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Bessert die Regierung nach?

Zum 16. März soll die institutionenbezogene Impfpflicht für Alten- und Pflegeheime und für Krankenhäuser gelten. Doch das Gesetz hat Schwächen.

Arbeitgeber sind nur verpflichtet, Ungeimpfte dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden, sie aber nicht freizustellen. Ob – und wie schnell – Gesundheitsämter reagieren, erscheint vielen Politikern in der aktuellen Situation recht unklar. Hinzu kommt, dass es sich generell um Einzelfallentscheidungen handelt, bei denen Ämter auch die Personalsituation der jeweiligen Einrichtung berücksichtigen.

„Wenn der Eindruck entsteht, dass der Ermessensspielraum dazu führt, dass die Durchsetzung der Impfpflicht und damit der Patientenschutz gefährdet ist, müssen wir an das Gesetz noch einmal ran“, so Janosch Dahmen von den Grünen. Er hatte den Gesetzesentwurf federführend für seien Partei vorbereitet.

Schutz vor Long-COVID durch Vakzine: Studie liefert Hinweise

COVID-19-Impfstoffe scheinen vor Long-COVID-Symptomen zu schützen, insbesondere bei älteren Erwachsenen. Darauf deutet eine als Preprint veröffentlichte Studie hin.

Die Forscher schlossen 951 Infizierte, Genesene und 2.437 nicht infizierte Kontrollen ein. Alle Teilnehmer mussten online Fragen beantworten. Von den Infizierten waren 637 (67%) geimpft.

Die häufigsten Symptome nach einer überstandenen SARS-CoV-2-Infektion waren Müdigkeit (22%), Kopfschmerzen (20%), Schwäche (13%) und anhaltende Muskelschmerzen (10%). Nach Berücksichtigung der Nachbeobachtungszeit und der Ausgangssymptome war die Wahrscheinlichkeit, dass Geimpfte eines dieser Symptome angaben, um 64%, 54%, 57% bzw. 68% geringer als bei Ungeimpften (Risikoverhältnisse: 0,36, 0,46, 0,43, 0,32). Teilnehmer, die 2 Impfungen erhalten hatten, berichteten nicht häufiger über eines dieser Symptome als Kontrollen ohne Infektion.

„Die Impfung mit mindestens 2 Dosen … war mit einem erheblichen Rückgang der Meldungen der häufigsten postakuten COVID-19-Symptome verbunden“, so die Autoren. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die COVID-19-Impfung neben der Verringerung des Risikos einer akuten Erkrankung auch eine schützende Wirkung gegen Long-COVID haben kann.“

Immunität gegen Omikron nach 3 Kontakten mit dem viralen Antigen

Doch wie gelingt es, sich gegen Omikron zu schützen? Antworten haben mehrere Virologen aus München gefunden. Sie rekrutierten 171 Mitarbeiter am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München und untersuchten sie seit der 1. Welle regelmäßig. Zuletzt umfasste die Kohorte 98 Genesene und 73 Personen ohne vorherige Infektion. Beide Gruppen waren hinsichtlich ihres Geschlechts, Alters, hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und hinsichtlich weiterer Risikofaktoren vergleichbar.

Im Blut bestimmten die Forscher Antikörper-Titer, die Stärke der Bindung zwischen Virus-Protein und Antikörper sowie die Fähigkeit von Antikörpern, SARS-CoV-2 Varianten in Zellkulturen zu neutralisieren. Die Erkenntnis: Menschen benötigten 3 Kontakte mit dem Spike-Protein, damit es zu einer sehr guten neutralisierenden Aktivität gegen alle Varianten inklusive Omikron kommt.

Für 3 Kontakte zum viralen Antigen gibt es mehrere Möglichkeiten: 3-fach geimpfte Personen ohne vorige SARS-CoV-2-Infektion kamen fast auf gleiche Titer neutralisierender Antikörper gegen Omikron wie geimpfte Genesene oder Personen, die nach Impfungen eine Durchbruchsinfektion mit Delta oder Omikron hatten.

Impfungen: Sind die Eltern geschützt, profitieren auch die Kinder

Israelische Wissenschaftler haben ebenfalls neue Daten zu Impfungen veröffentlicht. Das Clalit Research Institute analysierte eine der weltweit größten Gesundheitsdatenbanken, um den indirekten Schutz zu untersuchen, der ungeimpften Kindern durch die elterliche Impfung mit BioNTech/Pfizer geboten wird. Speziell für Kleinkinder ist noch kein Vakzin gegen SARS-CoV-2 zugelassen worden.           

Zwischen Juni 2021 und Oktober 2021 prägte eine von der Delta-Variante dominierte Infektionswelle das Geschehen in Israel. Während dieses Zeitraums untersuchten die Autoren 181.307 ungeimpfte Kinder aus 76.621 Haushalten. Sie verglichen Eltern, die mit einer 3. Dosis geimpft worden waren, mit Eltern, die mindestens 5 Monate zuvor nur 2 Dosen erhalten hatten.

Die Studie dam zu dem geschätzten Resultat, dass ein einzelnes geboostertes Elternteil das Infektionsrisiko um 20,8% senkte (95%-Konfidenzintervall: 11,4-29,1%), während 2 geboosterte Elternteile das Infektionsrisiko um 58,1% verringern (95%-KI: 53,1-62,6%).

„Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass die elterliche Impfung Kindern, die im selben Haushalt leben, einen erheblichen Schutz bietet“, heißt es im Artikel. „Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, die Impfquote in der Bevölkerung zu erhöhen, um die Ausbreitung der SARS-CoV-2-Pandemie einzudämmen und diejenigen zu schützen, die nicht geimpft werden können.“

US-Studie: Lockdowns haben wenig gebracht

Die Effektivität von Impfungen steht außer Frage. Deutlich umstrittener ist, welchen Effekt Lockdowns während der ersten Pandemie-Wellen gebracht haben. Anhand einer Metaanalyse haben US-Forscher versucht, für mehr Klarheit zu sorgen.

Beim systematischen Screening der Literatur identifizierten sie 34 Studien, von denen 24 alle Einschlusskriterien hinsichtlich der Qualität erfüllten. Die Arbeiten wurden in 3 Gruppen eingeteilt:

  • Studien zum Lockdown Stringency Index; er basiert auf 9 Indikatoren (u.a.  Schulschließungen, Firmenschließungen und Reiseverboten),

  • Studien zur Shelter-in-Place-Order (SIPO), sprich zu Geschäftsschließungen und Ausgangssperren,

  • Studien zu sonstigen nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPI).

„Die Analyse jeder dieser 3 Gruppen stützt die Schlussfolgerung, dass Abriegelungen wenig bis gar keine Auswirkungen auf die COVID-19-Mortalität haben“, heißt es im Artikel. Die Studien zum Lockdown Stringency Index zeigen, dass die COVID-19-Sterblichkeit in Europa und den Vereinigten Staaten im Durchschnitt nur um 0,2% gesenkt werden konnte. SIPOs waren ebenfalls unwirksam. Sie verringerten die COVID-19-Sterblichkeit im Durchschnitt nur um 2,9 %. In Spezifischen NPI-Studien fanden die Autoren ebenfalls keine aussagekräftigen Belege für spürbare Effekte auf die COVID-19-Mortalität.

„Während diese Metaanalyse zu dem Schluss kommt, dass Abriegelungen wenig bis gar keine Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben, haben sie dort, wo sie eingeführt wurden, enorme wirtschaftliche und soziale Kosten verursacht“, geben die Wissenschaftler zu bedenken. „Infolgedessen sind Abriegelungsmaßnahmen unbegründet und sollten als pandemiepolitisches Instrument abgelehnt werden.“

Auf Twitter schreibt der Virologe und Epidemiologe Prof. Dr. Klaus Stöhr: „Auch wenn sicherlich allgemeingültige Schlussfolgerungen schwierig sind: Metaanalyse aus sorgfältig ausgewählten Studien schlussfolgert: Lockdowns hatten wenig oder keine Wirkung auf Mortalität.“

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....