Bald Impfstoffzulassung bei Kindern ab 6 Monaten?; schlechte Immunität nach Omikron; neue Daten zur Myokarditis

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

2. Februar 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 2. Februar 2022

Erneut haben verschiedene Parameter zur Beschreibung der Corona-Pandemie Höchstwerte erreicht, wie das Robert Koch-Institut meldet. Innerhalb der letzten 24 Stunden wurden 208.498 Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 gemeldet, verglichen mit 162.613 Fällen am Vortag und 164.000 Fällen in der Vorwoche.

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz steigt auf 1.227,5 Fälle pro 100.000 Einwohner (Vortag: 1.206,2, Vorwoche: 940,6).

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 4,59 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 1. Februar, verglichen mit 4,64 am 31. Januar.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 1. Februar 2.257 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 43 weniger als am Vortag. Aktuell sind 832 Betten im Low-Care- und 2.271 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 394 freie ECMO-Behandlungsplätze.

  • Omikron ersetzt keine Impfungen

  • Impfzertifikate: Zeit für Booster

  • COVID-19-Vakzin bald für Kleinkinder?

  • Neue Daten zur Myokarditis nach COVID-19-Impfung

  • BA.2: Was Forscher bisher über die Omikron-Unterform wissen

  • US-Selbsttests: Verbraucher reagieren oft falsch

  • USA: Absolut mehr Todesfälle durch Omikron als durch Delta

  • Bessere Immunität durch heterologe Impfschemata

  • Forscher simulieren SARS-CoV-2-Übertragung und -Infektion auf Flugreisen

Omikron ersetzt keine Impfungen

Viel deutet darauf hin, dass es nach Omikron-Infektionen seltener zu schwerem, intensivpflichtigem COVID-19 kommt. Das weckt bei so manchem Bürger die Hoffnung, Omikron könnte vielleicht Impfungen ersetzen – ein Gedanke, dem US-Forscher vehement widersprechen.

Sie haben virusähnliche Partikel (VLP) und Lebendvirustests verwendet, um die neutralisierende Immunität gegen die SARS-CoV-2-Varianten Delta und Omikron zu untersuchen.

Bei nicht infizierten, nicht geboosterten Personen waren die VLP-Neutralisationstiter gegen Delta und Omikron im Vergleich zum Wildtyp 2,7-fach bzw. 15,4-fach reduziert, während geboosterte Personen 18-fach erhöhte Titer aufwiesen. Personen mit Delta-Durchbruchinfektion hatten 57-fache und 3,1-fache Titer, während Personen mit Omikron-Durchbruchinfektion 5,8-fache und 0,32-fache Titer im Vergleich zu nicht infizierten, nicht geboosterten bzw. geboosterten Personen aufwiesen.

Die Kohorte ist zwar recht klein, liefert aber Hinweise, dass der leichte Verlauf bei Omikron auch zu niedrigeren Antikörpern führt. Und: Wer Omikron-Antikörper entwickelt hat, ist noch lange nicht gegen andere Varianten wir Delta geschützt.

Impfzertifikate: Zeit für Booster

Impfen schützt, doch EU-weit stocken Kampagnen für Auffrischungsimpfungen. Die Europäische Kommission will Reisen innerhalb der Mitgliedsstaaten ermöglichen. Deshalb gelten EU-Impfnachweise ohne Auffrischungsimpfung nur noch 9 Monate lang. Danach werden Bürger, etwa beim Grenzübertritt, wie Ungeimpfte behandelt.

„Diese Regelung zielt darauf, dass wir ein Werkzeug haben, dass von allen Mitgliedsländern angewendet werden kann“, sagt EU-Kommissionssprecher Eric Mamer. Und der Europaabgeordnete Peter Liese (CDU) ergänzt: „Ich persönlich kann nur jedem raten, sich nach spätestens 6 Monaten boostern zu lassen. Und auch nach 3 Monaten ist es schon sinnvoll.“

COVID-19-Vakzin bald für Kleinkinder?

Bislang gibt es keinen SARS-CoV-2-Impfstoff für Kinder unter 5 Jahren. Laut New York Times und Washington Post verfolgen BioNTech/Pfizer nun solche Pläne. Ziel sei, bei der US Food and Drug Administration eine Notfallzulassung zu beantragen, schreiben amerikanische Medien.

Mittlerweile hat die FDA bestätigt, dass ein Antrag gestellt worden ist. Sie hat für den 15. Februar ein virtuelles Meeting des Vaccines and Related Biological Products Advisory Committee angekündigt. Stimmt die Behörde zu, könnten Babys ab 6 Monaten das Vakzin erhalten. Offen ist, wie viele Dosen die nötige Immunität erzeugen. Viel deutet auf ein Impfschema mit 3 Dosen hin.

Neue Daten zur Myokarditis nach COVID-19-Impfung

Warum bestimmte COVID-19-Impfstoffe gelegentlich eine bestimmte Form von Myokarditis verursachen und warum Jungen und junge Männer am anfälligsten sind, bleibt rätselhaft. 3 neue Studien liefern Ärzten weitere Anhaltspunkte hinsichtlich der Prävalenz. Darüber hat www.medscape.com berichtet. Die Zahlen weichen deutlich voneinander ab.

Eine Fall-Kontroll-Studie, welche fast die gesamte Bevölkerung Hongkongs umfasste, bestätigt ein leichtes, aber signifikantes erhöhtes Risiko für Myokarditis und in geringerem Maße für Perikarditis nach Injektionen des BioNTech/Pfizer-Impfstoffs.

Die Studie schätzte die Gesamtinzidenz auf 5,7 Fälle pro 1 Million BioNTech/Pfizer-Dosen, was einem 3,5-fachen Risiko gegenüber der ungeimpften Bevölkerung in Hongkong entspricht. Die Raten nach der 1. Dosis betrugen etwa 2,5 pro 1 Million und 10 pro 1 Million nach der 2. Dosis.

Daten des israelischen Gesundheitsministeriums zufolge liegt die Raten für Männer bei 0,56 Fällen pro 100.000 Impfungen nach der 1. Dosis und 8,09 Fälle pro 100.000 Impfungen nach der 2. Dosis. Für Frauen lauteten die Schätzungen 0 Fälle pro 100.000 nach der 1. Dosis und 0,69 Fälle pro 100.000 nach der 2. Dosis.

Weitere Informationen kommen aus dem US Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS). Bei knapp 2.000 Berichten, die auf Personen unter 30 Jahren begrenzt waren, identifizierten Wissenschaftler 1.626 wahrscheinliche Myokarditis-Fälle. Die Auswertung bezog sich auf 2 Dosen zugelassener mRNA-Vakzine.

Bei Männern, welche das BioNTech/Pfizer-Vakzin erhalten hatten, waren es 17,3 (25-29 Jahre) bis 105,9 Fälle (16-17 Jahre) pro Million Geimpfter. Für Frauen nennen die Autoren 2,2 (25-29 Jahre) bis 11,0 (16-17 Jahre) pro Million Impfungen. Erhielten Männer den Moderna-Impfstoff, waren es 24,2 (25-29) bis 56,3 (18-24 Jahre) Fälle pro Million Impfungen. Bei Frauen nennen die Forscher 6,9 (18-24 Jahre) bis 8,2 (25-29 Jahre) Fälle pro Million 2. Dosen.

Die aktuellen Veröffentlichungen belegen aber auch, dass eine Myokarditis in Zusammenhang mit Impfungen oft mild und selbstlimitierend verläuft – im Unterschied zur viral ausgelösten Myokarditis.

BA.2: Was Forscher bisher über die Omikron-Unterform wissen

In Europa breitet sich BA.2, eine Unterform von Omikron, weiter aus. Darüber hat Medscape im Blog berichtet. Forscher haben jetzt ein Preprint mit Daten aus Dänemark veröffentlicht. Für das Paper wurden Infektionen mit BA.1 und BA.2 in Haushalten erfasst.

Die Analyse schließt 8.500 Primärfällen zwischen Ende Dezember 2020 und Anfang Januar 2021 ein. Wie die Wissenschaftler schreiben, würden Ungeimpfte BA.2 stärker übertragen, verglichen mit den Wildtyp. Impfungen plus Booster Shots seien wirksam gegen Infektionen, gegen die Transmission und gegen schwere Erkrankungen. Der Effekt falle jedoch schwächer aus, verglichen mit dem Wildtyp.

US-Selbsttests: Verbraucher reagieren oft falsch

Neben Impfungen bleiben Antigen-basierte Selbsttests eine tragende Säule der Pandemie-Kontrolle. Doch treffen Laien aufgrund beiliegender Informationsmaterialien anschließend die richtige Entscheidung? Das wollten US-Forscher wissen.

Ihre randomisierte klinische Studie mit 360 Erwachsenen in den USA ergab, dass ein beträchtlicher Anteil negative Ergebnisse von Selbsttests falsch interpretierte, indem Laien Hinweise ignorierten und sich nicht in häusliche Isolation begaben. Das war etwa nach Risikokontakten der Fall. Zwischen dem Ereignis selbst und dem Test verging zu wenig Zeit.

„Neu gestaltete und formulierte Anweisungen können den Nutzen erhöhen und die Schäden von Selbsttestkits für zu Hause verringern“, schreiben die Autoren.

USA: Absolut mehr Todesfälle durch Omikron als durch Delta

Da die Omikron-Variante 99,9 % aller COVID-19-Fälle in den Vereinigten Staaten ausmacht, erweist sie sich als tödlicher im Vergleich zur Delta-Variante. Über Details hat www.medscape.com berichtet.

Gesundheitsexperten sagen, dass Omikron zwar mildere Symptome verursache als frühere Varianten. Aber die Zahl der Todesfälle sei hoch, weil sich Omikron schnell verbreite und deutlich mehr Personen infiziere als Delta. Das zeigen aktuelle Zahlen: Letzte Woche verzeichnete die USA pro Tag durchschnittlich 2.200 Todesfällen in Zusammenhang mit COVID-19 – mehr als die tägliche Zahl der Todesfälle vor 2 Monaten während des Anstiegs der Delta-Variante, berichtete das Wall Street Journal .

Relativ betrachtet ist die Mortalität durch Omikron niedriger. Eine letzten Dienstag veröffentlichte CDC-Studie zeigte 9 Todesfälle pro 1.000 COVID-19-Patienten während des Omikron-Anstiegs, verglichen mit 13 Todesfällen pro 1.000 Patienten während des Delta-Anstiegs und 16 Todesfällen pro 1.000 Patienten während des Anstiegs im letzten Winter.

Bessere Immunität durch heterologe Impfschemata

Heterologe Impfschemata können die Wirksamkeit der Immunisierung gegen COVID-19 leicht erhöhen, so die Ergebnisse einer Studie mit 458 US-Patienten, die Auffrischungsimpfungen erhalten haben. Zum Einsatz kamen Vakzine von BioNTech/Pfizer, Moderna sowie von Johnson & Johnson.

Wurde beim Booster Shot dasselbe Produkt wie bei der Grundimmunisierung verwendet, stiegen die neutralisierenden Antikörpertiter um den Faktor 4 bis 20, Wählten Ärzte jedoch ein anderes Vakzin für die Auffrischung aus, erhöhten sich die Titer um den Faktor 6 bis 73.

Die einzige Kombination, die nicht zu einem Anstieg der Spike-spezifischen T-Zell-Antworten führte, betraf bei Patienten, die nur Johnson & Johnson als Primärimpfstoff und als Booster Shot erhielten.

CD8+-T-Zell-Spiegel waren jedoch bei Patienten, die initial mit dem Johnson & Johnson-Vakzin geimpft worden sind, dauerhafter, und die Verwendung dieses Produkts als Booster „erhöhte die Spike-spezifischen CD8+-T-Zellen … erheblich“, schreiben die Wissenschaftler.

Unabhängig davon, ob das Impfschema Booster einer anderen Firma enthielt oder nicht, hatten Auffrischungsimpfungen „ein akzeptables Sicherheitsprofil und waren immunogen bei Erwachsenen, die mindestens 12 Wochen zuvor eine Grundimmunisierung erhalten hatten“, berichtet das Studienteam.

Forscher simulieren SARS-CoV-2-Übertragung und -Infektion auf Flugreisen

Die meisten Infektionen mit SARS-CoV-2 ereignen sich in geschlossenen Räumen. Jetzt haben Forscher die Übertragung auf Flügen von London nach Hanoi und von Singapur nach Hangzhou simuliert.

Sie untersuchten, wie sich Tröpfchen unterschiedlicher Größe, die durch Husten, Sprechen und Atmen einer infizierten Person in einer Flugzeugkabine entstehen, verhalten. Aerosole konnten sich in der Kabine verbreiten. Sie hätten potenziell andere Menschen infiziert. Das Team stellte außerdem fest, dass das Tragen von Masken und die Verringerung der Gesprächshäufigkeit zwischen den Passagieren dazu beitragen könnten, das Risiko einer Ansteckung zu verringern.

 

Kommentar

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