Vermutlich rund 1.000 COVID-19-Todesfälle und 5.000 Hospitalisierungen weniger durch Immunitätsausweise

Daniela Ovadia, Agenzia Zoe

Interessenkonflikte

1. Februar 2022

Im Zuge der COVID-19-Pandemie haben zahlreiche Länder Immunitätsnachweise eingeführt. Wer aufgrund von Impfungen bzw. Rekonvaleszenz einen „grünen Pass“ (in Deutschland auch „Digitales COVID-Zertifikat“ genannt) hat, profitiert seitdem von zahlreichen Erleichterungen.

Laut einer in The Lancet Public Health veröffentlichten Studie haben Immunitätsausweise und damit verbundene Regeln zu einem „starken Anstieg der Impfraten mit nachhaltiger Wirkung“ geführt. Auch eine von der französischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie bestätigt den Nutzen des bei Bürgern umstrittenen Kontrollinstruments.

Spürbarer Anstieg der Impfquoten

Französische Forscher unter der Leitung von Bary S. R. Pradelski vom Centre national de la recherche scientifique (CNRS) und vom Computerlabor des CNRS in Grenoble bewerteten hypothetische Szenarien, die ohne Immunitätsausweise eingetreten wären. Wichtige Rahmenbedingungen waren in den 3 untersuchten Ländern ähnlich. Etwa hatten sich Impfkampagnen verlangsamt und die Zahl der Neuinfektionen war zurückgegangen. Dies galt in der Phase vor Omikron. Dennoch fanden die Wissenschaftler regional unterschiedliche Auswirkungen.

Zum Zeitpunkt der Einführung von Immunitätsausweisen waren in Frankreich 53,8% der Bevölkerung mit mindestens 1 Dosis geimpft worden, in Deutschland 62,5% und in Italien 61,6%. Bis Ende 2021 ist dieser Prozentsatz auf 78,2%, 73,5% bzw. 80,1% angestiegen.

Auf Grundlage der Analyse der hypothetischen Szenarien schätzten die Forscher, dass die Wirkung des Immunitätsausweises zu einem relativen Anstieg des Anteils von Personen mit mindestens 1 Dosis von 13 Prozentpunkten in Frankreich, 6,2 Prozentpunkten in Deutschland und 9,7 Prozentpunkten in Italien geführt hat. Bei ihrer Analyse haben sie auch zusätzliche Verschärfungen im Rahmen der Pandemie-Kontrolle berücksichtigt.

Pradelski und Kollegen weisen darauf hin, dass in Deutschland der Effekt erst ab Ende November 2021 spürbar gewesen sei – aufgrund von Einschränkungen für Ungeimpfte am Arbeitsplatz.

Niedrigere Hospitalisierungsrate, niedrigere Mortalität

Auch bei Krankenhausaufenthalten und Todesfällen war der positive Effekt signifikant, insbesondere in Frankreich, wo laut Simulation mehr als 32.000 Hospitalisierungen verhindert worden sind, gegenüber 5.200 in Deutschland und 8.700 in Italien.

 
COVID-Zertifikate scheinen eine attraktive und umfassendere Alternative zu verpflichtenden Impfungen zu sein, da sie sich auf den Nutzen konzentrieren. Bary S. R. Pradelski und Kollegen
 

In Frankreich hätten Immunitätsnachweise wahrscheinlich fast 4.000 Menschenleben gerettet, weit mehr als in Deutschland (1.100) und Italien (1.300), schreiben die Autoren.

Sie kommen auch zu dem Schluss, dass in der letzten Woche des Jahres 2021 in Frankreich 46% mehr Krankenhausaufenthalte und 49% mehr Todesfälle gegeben hätte, wenn die Zahl an Impfungen nicht gestiegen wäre. Für Deutschland geben sie 14% bzw. 11% und für Italien 29% bzw. 26% an. Auf diese Weise seien mit dem grünen Pass auch Lockdowns vermieden worden, heißt es in der Veröffentlichung.

Effekte auf die Volkswirtschaft

Schließlich wurden hypothetische Szenarien modelliert, um Auswirkungen von Immunitätsausweisen auf die Volkswirtschaften in der 2. Hälfte des Jahres 2021 abzuschätzen. Für Frankreich sei womöglich ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,6% (etwa 6 Milliarden Euro) vermieden worden, für Deutschland um 0,3% (etwa 1,4 Milliarden Euro) und für Italien um 0,5% (etwa 2,1 Milliarden Euro). 

Die Schlussfolgerung der Forscher ist eindeutig: „COVID-Zertifikate scheinen eine attraktive und umfassendere Alternative zu verpflichtenden Impfungen zu sein, da sie sich auf den Nutzen konzentrieren, der mit einer Impfung oder einem Test verbunden ist, und nicht auf Strafmaßnahmen bei Nichterfüllung.“

 
COVID-Zertifikate könnten eine entscheidende Rolle bei der Erhöhung und Aufrechterhaltung des Impfschutzes spielen. Bary S. R. Pradelski und Kollegen
 

Pradelski und Kollegen weiter: „Da die Länder jetzt mit der hochansteckenden Omikron-Variante zurechtkommen müssen, könnten COVID-Zertifikate eine entscheidende Rolle bei der Erhöhung und Aufrechterhaltung des Impfschutzes spielen.“

Gleichzeitig weisen sie auf wichtige Rahmenbedingungen hin: „Bei ihren Entscheidungen müssen Regierungen auch Faktoren wie die Verfügbarkeit von Impfstoffen und Tests, das Vertrauen in die Politik und die Zugänglichkeit der Ressourcen für gesellschaftliche Randgruppen berücksichtigen, um den sozialen Zusammenhalt nicht zu gefährden und bestehende Ungleichheiten nicht zu verschärfen.“

Und nicht zuletzt sei die internationale Koordinierung und die gegenseitige Akzeptanz der COVID-Pässe von entscheidender Bedeutung, um zu verhindern, dass sich die Kluft zwischen einzelnen Ländern vergrößere.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf www.univadis.it . Er wurde von Michael van den Heuvel übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

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