EMA: Paxlovid als erstes orales COVID-19-Therapeutikum; neue Gentherapie beim B-Zell-Lymphom

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

28. Januar 2022

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat auf seiner Sitzung im Januar 7 Arzneimittel zur Zulassung empfohlen [1]. Darunter war Paxlovid® als 1. oral einzunehmendes Präparat bei hohem Risiko für schweres COVID-19 sowie Breyanzi® (Lisocabtagene Maraleucel), eine Gentherapie beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom.

Paxlovid® bei COVID-19

Der Ausschuss rät, eine bedingte Zulassung für das orale antivirale Arzneimittel Paxlovid® (PF-07321332 / Ritonavir) zur Behandlung von COVID-19 zu erteilen [2]. Zielgruppe sind Erwachsene, die keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen und bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nimmt.

Paxlovid® ist das 1. antivirale Arzneimittel zur oralen Verabreichung, das in der EU zur Behandlung von COVID-19 empfohlen wird. Es enthält 2 Wirkstoffe, PF-07321332 und Ritonavir, in 2 verschiedenen Tabletten. PF-07321332 verringert die Fähigkeit von SARS-CoV-2, sich im Körper zu vermehren, während Ritonavir die Wirkung von PF-07321332 verlängert.

Studien zeigen, dass die Behandlung mit Paxlovid® die Zahl der Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle bei Patienten, die mindestens eine Grunderkrankung haben, die ein Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung darstellt, deutlich verringert. Die Analyse wurde bei Patienten durchgeführt, die innerhalb von 5 Tagen nach Beginn der COVID-19-Symptome mit Paxlovid® oder Placebo (Scheinbehandlung) behandelt wurden und die weder eine Behandlung mit Antikörpern erhalten hatten noch eine solche zu erwarten war.

Im Monat nach der Behandlung mussten 0,8% (8 von 1.039) der Patienten, die Paxlovid® erhielten, länger als 24 Stunden im Krankenhaus bleiben, verglichen mit 6,3% (66 von 1.046) der Patienten, die Placebo erhielten. Es gab keine Todesfälle in der Paxlovid®-Gruppe und 9 Todesfälle in der Placebo-Gruppe.

Die Mehrheit der Patienten in der Studie war mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 infiziert. Auf Grundlage von Laborstudien wird erwartet, dass Paxlovid® auch gegen Omikron und andere Varianten wirksam ist.

Das Sicherheitsprofil von Paxlovid® erwies sich laut EMA als günstig, und die Nebenwirkungen waren gering. Es ist jedoch bekannt, dass Ritonavir die Wirkung vieler anderer Arzneimittel beeinträchtigt. In die Produktinformationen von Paxlovid® wurden Warnhinweise und Ratschläge aufgenommen. Darüber hinaus hat das Unternehmen auf seiner Website ein Tool für Arzneimittelwechselwirkungen bereitgestellt. Ein Schreiben wird an die einschlägigen Organisationen der Angehörigen der Gesundheitsberufe gesandt, um sie erneut an das Problem zu erinnern.

Breyanzi® (Lisocabtagen Maraleucel) beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom

Der CHMP gab auch eine positive Stellungnahme ab für die neue Gentherapie Breyanzi® (Lisocabtagen Maraleucel) zur Behandlung des rezidivierenden oder refraktären diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms (DLBCL), des primären mediastinalen großzelligen B-Zell-Lymphoms (PMBCL) und des follikulären Lymphoms Grad 3B (FL3B) nach mindestens 2 vorangegangenen Behandlungslinien.

Da Breyanzi® auf einen ungedeckten medizinischen Bedarf abzielt, erhielt es Unterstützung im Rahmen des PRIME-Programms, der Plattform der EMA für einen frühen und verstärkten Dialog mit Entwicklern vielversprechender neuer Arzneimittel.

Breyanzi® ist eine gegen CD19 gerichtete genetisch modifizierte autologe zelluläre Immuntherapie, bei welcher der chimäre Antigenrezeptor (CAR) an CD19 bindet, das auf der Zelloberfläche von Tumor- und normalen B-Zellen exprimiert wird. Dies induziert die Aktivierung und Proliferation von CAR-T-Zellen, die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine und die zytotoxische Abtötung von Zielzellen.

Die Vorteile von Breyanzi® sind seine Fähigkeit, bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL, PMBCL und FL3B ein hohes und dauerhaftes Ansprechen zu erzielen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Neutropenie, Anämie, das Zytokinfreisetzungssyndrom, Müdigkeit und Thrombozytopenie.

Biosimilars und Generika

Auch 2 biosimilare Arzneimittel wurden zur Zulassung empfohlen: Sondelbay® (Teriparatid) zur Behandlung von Osteoporose und Stimufend® (Pegfilgrastim) zur Verringerung der Dauer von Neutropenie und der Häufigkeit von febriler Neutropenie nach zytotoxischer Chemotherapie.

Sondelbay® ist dem Referenzprodukt Forsteo® (Teriparatid), das am 10. Juni 2003 in der EU zugelassen wurde, sehr ähnlich. Und Stimufend® ist mit dem Referenzprodukt Neulasta (Pegfilgrastim), das am 22. August 2002 in der EU zugelassen wurde, vergleichbar.

Zu 3 Generika gab der Ausschuss eine positive Stellungnahme ab: Dasatinib Accord® (Dasatinib) bzw. Dasatinib Accordpharma® (Dasatinib) für die Behandlung von Leukämie und Vildagliptin / Metforminhydrochlorid Accord® (Vildagliptin / Metforminhydrochlorid) für die Behandlung von Typ-2-Diabetes.

Empfehlungen zur Erweiterung der therapeutischen Indikation für 8 Arzneimittel

Der Ausschuss empfahl Indikationserweiterungen für 8 Arzneimittel:

  • Ayvakyt® (Avapritinib) bei gastrointestinalen Stromatumoren,

  • Briviact® (Brivaracetam) bei Epilepsie,

  • Dupixent® (Dupilumab) beim atopischen Ekzem,

  • Jardiance® (Empagliflozin) bei Typ-2-Diabetes,

  • Lacosamide® UCB (Lacosamid UCB) bei Epilepsie,

  • Senshio® (Ospemifen) bei vulvovaginaler Atrophie,

  • Tecfidera® (Dimethylfumarat) bei Multipler Sklerose und

  • Vimpat® (Lacosamid) bei epileptischen Anfällen.

Erneute Prüfung

Der Antragsteller für Ipique® (Bevacizumab) beantragte eine erneute Prüfung des Gutachtens, mit dem der Ausschuss in seiner Sitzung vom November 2021 die Zulassung abgelehnt hatte. Nach Erhalt der Begründung des Antrags wird die Agentur ihr Gutachten evaluieren und eine endgültige Empfehlung abgeben.

Wiederholungsprüfung nach Rücknahme des Antrags eingestellt

Die erneute Prüfung des Gutachtens des CHMP zu Lidocain/Prilocain Idetec® und zugehörigen Bezeichnungen (Lidocain/Prilocain-Creme) wurde eingestellt, da der Hersteller beschlossen hat, seinen Antrag auf Zulassung dieser Arzneimittel in den betroffenen Mitgliedstaaten zurückzuziehen.

Ergebnis des Schlichtungsverfahrens zu Nasolam®

Der CHMP schloss eine Überprüfung von Nasolam® (Midazolam-Nasenspray) ab und kam zu dem Schluss, dass der Nutzen dieses Arzneimittels seine Risiken überwiegt und dass die Genehmigung für das Inverkehrbringen in den Mitgliedstaaten der EU, in denen das Unternehmen einen Antrag gestellt hat, erteilt werden sollte.

Die Agentur gelangte zu dem Schluss, dass der Nutzen von Nasolam® bei der Beendigung anhaltender akuter Krampfanfälle die Risiken überwiegt und dass die Genehmigung für das Inverkehrbringen von Nasolam® in allen betroffenen Mitgliedstaaten erteilt werden sollte.

Die Agentur empfahl außerdem, Teile der Produktinformationen in Bezug auf die Dosierung für ältere Patienten und weitere Anweisungen für Pflegepersonen zur Anwendung einer 2. Dosis bei der Behandlung von Krampfanfällen zu ändern.

Bewertung von Stresam® (Etifoxin)

Zum Abschluss der Prüfung von Stresam® (Etifoxin) kam der CHMP zu der Erkenntnis, dass das Arzneimittel weiterhin zur Behandlung von Angststörungen verwendet werden kann, aber nicht bei Patienten, die nach der Einnahme bereits schwere Hautreaktionen oder schwere Leberprobleme bekommen hatten.

Während der Überprüfung bewertete der CHMP alle verfügbaren Daten zu Nutzen und Risiken, einschließlich Ergebnisse einer Studie AMETIS zur Wirksamkeit von Etifoxin bei der Behandlung von Anpassungsstörungen mit Angstzuständen. Hinzu kamen Sicherheitsdaten aus klinischen Studien und Daten nach der Markteinführung.

Die EMA kam zu dem Schluss, dass Stresam® bei einigen Patienten weiterhin zur Behandlung von Angststörungen verordnet werden kann. Es wurden jedoch Einschränkungen für die Anwendung empfohlen, um das Risiko sehr seltener, aber schwerwiegender Nebenwirkungen zu minimieren.

Das Arzneimittel darf nicht bei Patienten angewendet werden, bei denen unter einer früheren Behandlung schwere Hautreaktionen (einschließlich DRESS-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom und generalisierte exfoliative Dermatitis) oder schwere Leberschäden (schwere Hepatitis oder zytolytische Hepatitis) aufgetreten sind. Bei Patienten mit einem Risiko für Leberprobleme sollten vor Behandlungsbeginn und etwa einen Monat nach Behandlungsbeginn Leberfunktionstests durchgeführt werden.

 

Kommentar

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