Zwei Jahre COVID-19 in Deutschland – eine Übersicht zur Therapie: Welche Wirkstoffe wurden untersucht – und welche Pharmaka helfen Patienten wirklich?

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

27. Januar 2022

 

Evidenzbasierte Therapie anhand der WHO-Skala

Die Krankheitsschwere von COVID-19 ist definiert nach der WHO Clinical Progression Scale. Phase 1 bis 3 sind ambulant therapierbare, milde Erkrankungen. Phase 4 und 5 bewertet die WHO als moderate Erkrankungen mit stationärer Behandlung. Phase 6 bis 9 sind schwere Erkrankungen mit Hospitalisierung. Der Tod durch COVID-19 ist in der Skala die Phase 10.

Die Tabelle zeigt wichtige Therapien bei unterschiedlichen Klammern (in Klammern: Stärke der Empfehlung anhand der Evidenz).

 

Hospitalisiert ohne Sauerstoffbedarf

WHO-Skala 4

Low-Flow Sauerstoffbedarf

WHO-Skala 5

High-Flow Sauerstofftherapie

Oder NIV/CPAP

WHO-Skala 6

Invasive Beatmung

WHO-Skala 7-9

Mortalitäts-

Reduktion u. rel. Risiko

(95%-KI)

JAK-Hemmer

(schwach, sollte)

JAK-Hemmer (schwach, sollte)

 

 

10,2 auf 6,2% [4,9;8,1]

RR: 0,61

Monoklonale Antikörper bei IgG-Seronegativen (Casirivimab + Indevimab); (sollte)

Monoklonale Antikörper bei IgG-Seronegativen (Casirivimab + Indevimab); (sollte)

 

 

29,6 auf 23,7% [20,7; 26,9]

RR: 0,89

 

Dexamethason

(stark, soll)

Dexamethason

(stark, soll)

Dexamethason

(stark, soll)

27,5 auf 24,5%

[22;27,5]

RR: 0,89

 

 

Tocilizumab bei rasch progredientem Verlauf nicht in Kombination mit JAK-Hemmern (sollte)

 

30,2 auf 26,6%

[24,5; 29]

RR: 0,88

Remdesivir (stark, soll nicht)

Unklare, nicht ausreichende Datenlage

Unklare, nicht ausreichende Datenlage

Remdesivir (stark, soll nicht)

10,8 auf 10,0%

[8,7;11,4]
RR: 0,93

Antiinflammatorische Therapie mit Dexamethason:

In der RECOVERY-Studie zeigt Dexamethason unter hospitalisierten Patienten eine Reduktion der 28-Tage-Mortalität um 17%. Am stärksten profitierten Patienten unter invasiver Beatmung mehr als 7 Tage nach Syptombeginn. Weniger ausgeprägt war die Verringerung der Mortalität, wenn die Patienten nicht invasiv beatmet wurden oder Low-Flow-Sauerstoff erhielten. Bei Patienten, die keinen Sauerstoff benötigten, war Dexamethason eher kontraproduktiv. In COVID STEROID 2 wurde untersucht ob 12 mg gegenüber 6 mg Vorteile bringen. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied, aber ein klarer Trend für die höhere Dosis.

COVRIIN-Empfehlungen: Dexamethason ist indiziert bei jeder Form einer neu aufgetretenen oder sich verschlechternden Sauerstoff-Pflichtigkeit (auch Low-/High-Flow-Therapie, nichtinvasive und invasive Beatmung). Ein früherer Einsatz bringt wahrscheinlich keinen Vorteil und könnte sogar nachteilig sein.

Die Koadministration von Remdesivir möglich; Tocilizumab sollte nur unter Dexamethason-Komedikation gegeben werden; als Komedikation zu JAK-Inhibitoren, sobald eine Sauerstoff-Supplementation notwendig wird. Bei schwerer Hypoxämie (Sauerstoff mind. 10l/min, NIV, IV) und fehlender Verfügbarkeit von Tocilizumab oder Baricitinib kann eine frühzeitige Verdoppelung der Dosierung (Dexamethason 12mg q24h) im Einzelfall vorteilhaft sein.

Kommentar

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