Umfrage zur Impfpflicht: Viele Befürworter in Deutschland – die Angst vor einer Spaltung der Gesellschaft bleibt

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

25. Januar 2022

Fast zwei Drittel der Menschen in Deutschland unterstützen eine allgemeine Impfpflicht gegen COVID-19 für Erwachsene. Für eine Impfpflicht für alle Altersgruppen mit bereits zugelassenem Impfstoff – auch Kinder und Jugendliche – sprechen sich 60% aus. Eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen wie medizinisches Personal, den öffentlichen Dienst oder Menschen mit Vorerkrankungen und Ältere jeweils rund 70% als Zustimmung. Das hat die aktuelle Befragung der repräsentativen European COvid Survey ergeben: ein Projekt des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg.

„Die Unterstützung einer Impfpflicht scheint daher eher eine generelle Entscheidung der Menschen zu sein. Für wen diese letztendlich gilt, spielt nur eine untergeordnete Rolle“, so Prof. Dr. Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des HCHE in der Mitteilung.

 
Die Unterstützung einer Impfpflicht scheint ... eher eine generelle Entscheidung der Menschen zu sein. Prof. Dr. Jonas Schreyögg
 

Steigende Zustimmung – regionale Unterschiede 

Grundsätzlich zeige sich: Je älter die Menschen sind, umso mehr befürworten sie die Impfpflicht. Außerdem ist die Zustimmung im Norden und Westen Deutschlands am größten. Ungefähr jeder Sechste hat sich aber aktuell noch keine eindeutige Meinung für oder gegen eine Impfpflicht gemacht.

Obwohl nur jeder Zweite derzeit mit dem Management der Impfkampagne zufrieden ist, stieg die Impfbereitschaft in Deutschland auf 86 Prozent, vier Prozentpunkte mehr als im September 2021. Im Westen und Süden Deutschlands kletterte die Impfbereitschaft auf 90%, die östlichen Bundesländer liegen mit 77% deutlich niedriger. „Geringe Werte bei der Impfbereitschaft finden wir vor allem bei den Menschen, die nur geringes Vertrauen in die Regierung haben“, so Schreyögg. In dieser Gruppe liege die Impfbereitschaft bei nur 65%.

 
Geringe Werte bei der Impfbereitschaft finden wir vor allem bei den Menschen, die nur geringes Vertrauen in die Regierung haben Prof. Dr. Jonas Schreyögg
 

Ein Blick auf Booster Shots

Von den bereits Geimpften sind 79% bereit, sich auch boostern zu lassen, am höchsten ist der Wert im Westen Deutschlands mit 84%. Im Osten ist dagegen mehr als jeder 5. Geimpfte gegen eine Booster-Impfung. Unter den befragten Eltern gaben 56% an, ihre Kinder impfen zu lassen: 4 Prozentpunkte weniger als im September. Gegen eine Impfung ihrer Kinder sind demnach 27%. 

In anderen europäischen Ländern zeigen sich hier große Unterschiede: So gaben in Spanien und Portugal nur 6 beziehungsweise 7% der Eltern an, ihre Kinder nicht impfen zu lassen, in Frankreich sagten dies 30%.

Droht eine Spaltung der Gesellschaft?

Ungeachtet der aktuellen Diskussion über eine mögliche Impfpflicht machen sich 81% der Befragten in Deutschland Sorgen über eine Spaltung zwischen Geimpften und Ungeimpften. In Dänemark liegt dieser Wert mit 68% am geringsten unter den acht befragten europäischen Ländern, gefolgt von Großbritannien mit 71%.

Details zur Studie

Für die European COvid Survey (ECOS) werden seit April 2020 rund alle 2 Monate 7.000 Menschen in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Portugal befragt. Ziel ist es, die Einstellungen und Sorgen der Menschen in Europa über den Verlauf der Pandemie zu messen. 

Einen Schwerpunkt bildet dabei das Thema Impfen. Rund die Hälfte aller Befragten nahm bereits mehrfach teil. Mehrere Fragen bleiben immer gleich und bilden somit über den Zeitverlauf die Veränderung ab. Es kommen auch neue Fragen hinzu, die das aktuelle Geschehen aufgreifen. 

Inzwischen wurden 8 Befragungen durchgeführt. In der Befragung im Juli 2020 kam mit Spanien ein weiteres Land hinzu. Somit erhöhte sich die Zahl der Teilnehmer auf 8.000. Die aktuelle Befragung fand vom 23. Dezember 2021 bis 11. Januar 2022 statt.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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