NEJM-Studie bestätigt: mRNA-Impfstoffe schützen auch Jugendliche vor schweren COVID-19-Verläufen durch die Delta-Variante

Anke Brodmerkel

Interessenkonflikte

21. Januar 2022

Eine Zweifachimpfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer schützt auch Jugendliche effektiv vor schweren COVID-19-Verläufen, die auf einer Infektion mit der Delta-Variante des Coronavirus beruhen. Das legen die Ergebnisse einer US-amerikanischen Fall-Kontroll-Studie nahe, die jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM) publiziert worden ist [1].

Wie das Team der „Overcoming Covid-19 Investigators“ um die beiden Epidemiologinnen Samantha Olson von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, Georgia, und Margaret Newhams vom Boston Children's Hospital in Boston, Massachusetts, berichtet, boten 2 Dosen des Impfstoffs bei jugendlichen Patienten einen hochwirksamen Schutz:

  • vor COVID-19-bedingten Krankenhausaufenthalten,

  • vor einer Aufnahme auf die Intensivstation und

  • vor der Notwendigkeit lebenserhaltender Maßnahmen.

Finanziert wurde die Untersuchung von den CDC.

Der Schutz der Impfung vor der Omikron-Variante ist unklar

Die Studie liefere beeindruckende Beweise für die Wirkung des Impfstoffs auf hospitalisierte Jugendliche in den Vereinigten Staaten, schreibt die Kinder- und Jungendärztin Prof. Dr. Kathryn Edwards vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville, Tennessee, in einem ebenfalls im NEJM veröffentlichten Kommentar [2].

 
Das hochwirksame Überwachungsnetzwerk … muss auch weiterhin Daten zu Krankenhausaufenthalten überwachen, um das Abnehmen der Immunität, den Schutz vor neuen besorgniserregenden Varianten … sowie die Notwendigkeit und den Zeitpunkt zusätzlicher Impfstoffdosen zu bewerten. Prof. Dr. Kathryn Edwards
 

Die notwendige Forschung sei damit natürlich nicht abgeschlossen. „Das hochwirksame Überwachungsnetzwerk, das in dieser Studie beschrieben wird, muss auch weiterhin Daten zu Krankenhausaufenthalten überwachen, um das Abnehmen der Immunität, den Schutz vor neuen besorgniserregenden Varianten – insbesondere der sich schnell ausbreitenden Omikron-Variante – sowie die Notwendigkeit und den Zeitpunkt zusätzlicher Impfstoffdosen zu bewerten“, fordert Edwards.

Fast 3 Viertel der Probanden hatten Vorerkrankungen

Um die Wirkung des mRNA-Impfstoffes bei Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren anhand von Real-World-Daten zu überprüfen, analysierten die Forscher um Olson und Newhams Daten, die zwischen dem 1. Juli und dem 25. Oktober 2021 in 31 Krankenhäusern in 23 US-Bundesstaaten gewonnen worden waren.

Insgesamt nahmen an der Studie 1.222 hospitalisierte Patienten teil. 445 von ihnen, die Fallpatienten, waren wegen einer symptomatischen, laborbestätigten Coronainfektion ins Krankenhaus gekommen. Die anderen 777 Probanden dienten als Kontrollpatienten. Sie waren entweder testnegativ, hatten also COVID-19-ähnliche Symptome, aber negative PCR- oder Antigen-Testergebnisse, oder syndromnegativ, das heißt, sie wiesen keine Symptome von COVID-19 auf.

Fast 3 Viertel sowohl der Fall- (74%) als auch der Kontrollpatienten (70%) hatten mindestens eine Vorerkrankung, inklusive Adipositas. Das Durchschnittsalter der Fallpatienten betrug 16 Jahre, das der Kontrollpatienten 15 Jahre. Die Wirksamkeit des Impfstoffs schätzten die Wissenschaftler ein, indem sie die Wahrscheinlichkeit einer vorangegangenen vollständigen Impfung mit 2 Dosen der Pfizer-BioNTech-Vakzine bei den Fall- und Kontrollpatienten miteinander verglichen.

Zudem analysierten sie, welche der Probanden auf eine Intensivstation aufgenommen werden mussten, bei welchen lebenserhaltende Interventionen wie mechanische Beatmung, die Verabreichung von Vasopressoren oder eine extrakorporale Membranoxygenierung vorgenommen wurden, und welche Patienten starben.

Als vollständig geimpft galten die Probanden, wenn ein Elternteil oder Erziehungsberechtigter die beiden Impftermine und die Orte, an denen die Vakzine verabreicht worden war, angeben konnte. Da der mRNA-Impfstoff des Herstellers Moderna zu Studienbeginn in den USA für Jugendliche noch nicht zugelassen war, wurde er in die Betrachtungen der Forscher nicht mit eingeschlossen.

Keiner der zweifach geimpften Jugendlichen starb

Wie das Team um Olson und Newhams berichtet, waren 17 der Fallpatienten (4%) vollständig geimpft. Bei den Kontrollpatienten waren es 282 (36%). Insgesamt wurden 180 Fallpatienten (40%) auf eine Intensivstation aufgenommen und 127 (29%) benötigten lebenserhaltende Maßnahmen. Nur 2 Patienten, die auf der Intensivstation lagen, und keiner der 7 Probanden, die im Beobachtungszeitraum starben, waren vollständig geimpft. Gleiches galt für die 13 Patienten, die eine extrakorporale Membranoxygenierung erhielten.

 
Diese äußerst ermutigenden Daten deuten darauf hin, dass fast alle Krankenhausaufenthalte und Todesfälle in dieser Bevölkerung durch die Impfung hätten verhindert werden können. Samantha Olson und Kollegen
 

Ein COVID-19-bedingter Krankenhausaufenthalt konnte den Berechnungen der Forscher zufolge durch die Zweifachimpfung zu 94% verhindert werden. Eine Aufnahme auf die Intensivstation und der Bedarf an lebenserhaltenden Maßnahmen ließ sich sogar zu jeweils 98% vermeiden.

„Diese äußerst ermutigenden Daten deuten darauf hin, dass fast alle Krankenhausaufenthalte und Todesfälle in dieser Bevölkerung durch die Impfung hätten verhindert werden können“, schreiben die Wissenschaftler um Olson und Newhams in ihrem Fazit.

Die Daten zur Wirksamkeit ähneln denen der Zulassungsstudie

Ihre Ergebnisse stünden im Einklang mit den Wirksamkeitsdaten der klinischen Zulassungsstudie mit Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren, schreiben die Forscher. In ihr war keiner der 1.005 Teilnehmer, die den echten Impfstoff erhalten hatten, an COVID-19 erkrankt. Bei den 978 Teilnehmern der Placebo-Gruppe war es hingegen zu 16 Fällen (1,6%) von COVID-19 gekommen.

Allerdings wurden damals, vor dem Auftreten der Delta-Variante, in keiner der beiden Gruppen Kinder mit schweren Verläufen oder Fälle, die zu einem Krankenhausaufenthalt führten, beobachtet. „Das bedeutet, dass die Studie keine ausreichende Aussagekraft hatte, um die Wirksamkeit des Impfstoffs in Bezug auf COVID-19-Krankenhausaufenthalte oder schwere COVID-19-Fälle zu beurteilen“, schreibt das Team um Olson und Newhams. Diese Daten haben die Forscher mit ihrer aktuellen Studie nun nachgereicht.

 
Trotz des hohen Schutzniveaus durch die Impfung und des inzwischen dokumentierten Schweregrads von COVID-19 bei Jugendlichen waren nur 39% der Kontrollpersonen in unserer Studie vollständig gegen COVID-19 geimpft. Samantha Olson und Kollegen
 

„Trotz des hohen Schutzniveaus durch die Impfung und des inzwischen dokumentierten Schweregrads von COVID-19 bei Jugendlichen waren nur 39% der Kontrollpersonen in unserer Studie vollständig gegen COVID-19 geimpft“, bemängeln die Wissenschaftler.

Ihre Daten würden darauf hindeuten, dass Anstrengungen, die Durchimpfungsrate zu verbessern, bei allen Jugendlichen, insbesondere bei denen mit dem höchsten Risiko, die Gefahr von schweren COVID-19-Verläufen deutlich senken könnten.

Mehr als 96% der zirkulierenden Viren waren Delta-Varianten

Die Kinder- und Jugendärztin Edwards sieht das ähnlich. Es sei beunruhigend, dass in den Kontrollgruppen so wenige Jugendliche trotz einheitlicher Eignung und breitem Zugang zu Impfstoffen gegen COVID-19 geimpft gewesen seien, schreibt sie im NEJM.

Zudem sei es sehr problematisch, dass drei Viertel der Fallpatienten Grunderkrankungen gehabt hätten, dass ein unverhältnismäßiger Prozentsatz entweder schwarz (24%) oder hispanisch (25%) gewesen sei und dass fast die Hälfte der Patienten in südlichen Staaten lebe, wo die Impfraten bei Jugendlichen im Vergleich zum restlichen Land deutlich niedriger seien.

Wie effektiv die Impfung bei neuen Virusvarianten schützen werde, bleibe abzusehen. Leider habe man nicht genügend Sequenzierungsergebnisse zur Verfügung gehabt, um die Wirksamkeit des Impfstoffs bei verschiedenen Varianten zu vergleichen, schreiben auch die Forscher um Olson und Newhams zu den Limitationen ihrer Studie. Mehr als 96% der zirkulierenden Viren während des Evaluierungszeitraums seien jedoch Delta-Varianten gewesen.
 

Kommentar

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