COVID-19-Impfung: Schutz vor Infektionen nimmt rasch ab, schwere Erkrankungen werden weiterhin verhindert

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

17. Januar 2022

Neue Daten aus den USA und dem Vereinigten Königreich bestätigen: Der Schutz der verfügbaren COVID-19-Impfstoffe vor Infektionen mit SARS-CoV-2 nimmt im Laufe der Zeit merklich ab. Doch der Schutz vor schweren Erkrankungen, die eine Hospitalisierung erfordern oder gar zum Tod führen, bleibt deutlich länger bestehen als der Infektionsschutz.

In den USA wurde die Schutzwirkung der dort zugelassenen COVID-19-Impfstoffe über einen 9-Monats-Zeitraum (Dezember 2020 bis September 2021) im US-Bundesstaat North Carolina untersucht.

Die Autoren um Dr. Dan‑Yu Lin von der Gillings School of Global Public Health, University of North Carolina, Chapel Hill, berichten im New England Journal of Medicine, dass die beiden mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna 2 Monate nach der jeweils ersten Impfdosis eine Wirksamkeit von 94,5% und 95,9% erreichten [1]. 7 Monate nach der ersten Impfdosis war davon noch eine Schutzwirkung von 66,6% (BioNTech/Pfizer) bzw. 80,3% (Moderna) übrig.

Delta ließ die Schutzdauer schrumpfen

Bei Menschen, die frühzeitig gegen COVID-19 geimpft worden waren (vor März 2021), nahm die Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe von Mitte Juni bis Mitte Juli 2021, als Delta die dominierende Variante wurde, um 15 (BioNTech/Pfizer) bzw. 10 Prozentpunkte (Moderna) ab.

Die Einmalimpfung mit dem COVID-19-Vakzin von Johnson & Johnson zeigte nach einem Monat eine Schutzwirkung von 74,8%, die nach 5 Monaten auf 59,4% abgesunken war.

Auch der Schutz vor einer schweren COVID-19-Erkrankung, die eine Behandlung in einem Krankenhaus erforderte, nahm im Laufe der Zeit ab, allerdings weniger stark: Das Vakzin von BioNTech/Pfizer verhinderte Hospitalisierungen nach 7 Monaten noch zu 88,7%, das Vakzin von Moderna sogar zu 94,1%. Für den Impfstoff von AstraZeneca geben die Autoren eine Schutzwirkung nach 6 Monaten von mehr als 80% an.

mRNA-Vakzine schneiden besser ab als Einmalimpfung

Lin und seine Kollegen schlussfolgern, dass „alle 3 COVID-19-Impfstoffe im Zeitverlauf besser vor Hospitalisierung und Tod schützen als vor einer Infektion mit SARS-CoV-2“. Sie ergänzen, dass die beiden mRNA-Vakzine hier allerdings immer noch besser abgeschnitten hätten als der Impfstoff von Johnson & Johnson.

Der mit der Zeit nachlassende Schutz vor Infektionen war den Autoren zufolge sowohl einer abnehmenden Immunität als auch dem Aufkommen der Delta-Variante von SARS-CoV-2 geschuldet.

Vergleichbare Daten aus dem Vereinigten Königreich

Eine ebenfalls im New England Journal of Medicine publizierte Studie aus dem Vereinigten Königreich kommt zu vergleichbaren Ergebnissen für die dort verimpften Vakzine von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer [2].

 
Die Schutzwirkung der Impfstoffe gegen eine symptomatische Infektion mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 erreichte in den ersten Wochen nach der zweiten Impfdosis ihr Maximum und nahm danach ab. Dr. Nick Andrews und Kollegen
 

„Die Schutzwirkung der Impfstoffe gegen eine symptomatische Infektion mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 erreichte in den ersten Wochen nach der zweiten Impfdosis ihr Maximum und nahm danach ab“, berichten Dr. Nick Andrews von der United Kingdom Health Security Agency und seine Koautoren. Nach 20 Wochen habe die Impfwirkung noch 44,3% (AstraZeneca) bzw. 66,3% (BioNTech/Pfizer) betragen.

Bei älteren Menschen nimmt der Schutz schneller ab

Bei älteren Menschen über 65 Jahren nahm die Wirksamkeit der Impfstoffe schneller ab als bei jüngeren Menschen zwischen 40 und 64 Jahren.

Der Schutz vor Hospitalisierung und Tod zeigte dagegen eine deutlich geringere Reduktion: Auch 20 Wochen nach der Impfung schützten die Vakzine noch zu 80,0% (AstraZeneca) bzw. 91,7% (BioNTech/Pfizer) vor einer Hospitalisierung. Das Sterberisiko war nach diesem Zeitraum noch immer um 84,8% (AstraZeneca) bzw. 91,9% (BioNTech/Pfizer) reduziert.

Menschen mit Grunderkrankungen weniger lange geschützt

Etwas stärker nahm der Schutz vor einer Hospitalisierung bei Menschen über 65 Jahren in einer klinisch extrem vulnerablen Gruppe sowie bei 40- bis 64-Jährigen mit Grunderkrankungen ab.

Ebenso wie ihre US-amerikanischen Kollegen betonen die Wissenschaftler um Andrews, dass der Schutz vor COVID-19-bedingten Hospitalisierungen und Todesfällen im Zeitverlauf nur begrenzt zurückgegangen sei. Nur bei älteren Menschen und bestimmten Risikogruppen sei von einer stärkeren Abnahme der Schutzwirkung auszugehen.
 

Kommentar

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