Lange Single, viele Trennungen: Negative Auswirkungen aufs männliche Immunsystem könnten das Leben von Männern verkürzen

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

18. Januar 2022

Männer, die lange alleine leben und/oder das Ende vieler  Partnerschaften erlebt haben, weisen einer dänischen Beobachtungsstudie zufolge im Blut erhöhte Werte für Entzündungsmarker auf. Dies könnte möglicherweise mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität einhergehen, schlussfolgern die Erstautorin Karolina Davidsen und ihre Kollegen der Universität von Kopenhagen. Die Ergebnisse ihrer Bevölkerungsstudie sind im Journal of Epidemiology & Community Health erschienen [1].

Der Trennung von einem festen Partnern folgt oft eine längere Zeit des Alleinseins. Mehrere Studien haben gezeigt, dass dies Folgen für die Gesundheit haben kann, etwa aufgrund negativer Effekte auf das Immunsystem. Die meisten bisher veröffentlichten Studien hätten sich jedoch auf die Auswirkungen einer einzelnen Partnerschaftsauflösung - und dann in der Regel nur auf die Auflösung einer Ehe  - konzentriert, erklären Davidsen und ihre Kollegen.

In ihrer Studie sind sie daher der Frage nachgegangen, wie sich häufige Trennungen und/oder mehrere Jahres des Alleinseins auf das Immunsystem auswirkt und ob Geschlecht und Bildungsniveau einen Einfluss haben könnten. 

Zahlreiche Einflussfaktoren berücksichtigt

Die Forscher stützten sich auf die Angaben, die 4835 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Alter zwischen 48 und 62 Jahren) der CAMB-Studie (Copenhagen Aging and Midlife Biobank) gemacht hatten. 4612 Personen (3170 Männer und 1442 Frauen) machten Angaben zum Ende von Partnerschaften (darunter 83 Todesfälle). 4835 Personen (3336 Männer und 1499 Frauen) äusserten sich zur Zahl der allein gelebten Jahre.

Bei der Zahl der Jahre als Single wurden die Teilnehmer  in 3 Gruppen aufgeteilt: 

Gruppe A: Dauer des Single-Daseins unter einem Jahr ( Referenzgruppe)

Gruppe B:  2-6 Jahre

Gruppe C: 7 oder mehr Jahre 

Darüber hinaus wurden Informationen über potenzielle Einflussfaktoren eingeholt: Alter, Bildungsstand, frühe wichtige Lebensereignisse (Verlust eines Elternteils, finanzielle Sorgen, Familienkonflikte, Pflegefamilien), BMI, chronische Erkrankungen, Medikamente, die sich wahrscheinlich auf Entzündungsparameter auswirken (Statine, Steroide, nichtsteroidale Entzündungshemmer, Immunsuppressiva), jüngste Entzündungsschübe und Persönlichkeitsmerkmale (Neurotizismus, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit). 

Im Blut wurden die Entzündungsmarker Interleukin 6 (IL-6) und C-reaktives Protein (CRP) gemessen. Der Grund hierfür: An vielen chronischen Erkrankungen sind entzündliche Prozesse beteiligt, unter anderen an kardiovaskulären Erkrankungen .

Etwa die Hälfte der Teilnehmer hatte eine Trennung in der Partnerschaft erlebt, ein ähnlicher Prozentsatz hatte mehr als ein Jahr allein gelebt (54 % der Frauen, 49 % der Männer). 

Etwa jeder Fünfte hatte einen Bildungsabschluss von 10 oder weniger Jahren, und etwa 6 von 10 hatten eine oder mehrere chronische Langzeiterkrankungen. Etwa die Hälfte der Frauen und fast zwei Drittel der Männer waren übergewichtig oder fettleibig.

Schädlicher Einfluss der Trennungen nur bei Männern

Bei den Männern wurden die höchsten Werte der Entzündungsmarkern bei denjenigen festgestellt, die die meisten Trennungen erlebt hatten. Sie wiesen 17% höhere Werte an Entzündungsmarkern auf als die Vergleichsgruppe. Ebenso waren die Werte der Entzündungsmarker in der Gruppe, die die meisten Jahre allein gelebt hatte (7 oder mehr), höher als in der Referenzgruppe (bis zu 12%).

Diese Ergebnisse wurden jedoch nur bei den Männern festgestellt. Bei den Frauen wurden fanden die Forscher keine solchen Zusammenhänge. Ein Grund hierfür ist möglicherweise eine zu geringere Zahl an Teilnehmerinnen. Ein anderer Grund könnte sein, dass Männer einerseits zwar mehr als Frauen gesundheitlich von einer Partnerschaft profitierten, andererseits aber auch mehr an einer Trennung litten.

„Die Entzündungswerte in unserer Studie sind niedrig, aber sie sind signifikant, klinisch relevant und höchstwahrscheinlich ein Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit", betonen Davidsen und ihre Kollegen. Und: „Da die Zahl der Single-Haushalte in den letzten 50 bis 60 Jahren in den meisten Ländern mit hohem Einkommen zugenommen hat, gehört diese Gruppe von Menschen, die sich von einer Beziehung trennen oder aus anderen Gründen allein leben, zu den Risikogruppen.“

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Coliquio.de .

 

Kommentar

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