Fall: Eine Frau ohne Vorerkrankung leidet an Bauchschmerzen – und plötzlich an neurologischen Beschwerden. Ihr Verdacht?

Paul P. Rega

Interessenkonflikte

17. Januar 2022

Körperliche und apparative Untersuchungen

Die ersten, noch in der Notaufnahme erhobenen Vitalparameter sind: Temperatur 37°C, regelmäßiger Puls mit einer Frequenz von 102/min, Blutdruck 116/50 mmHg, Atemfrequenz 18/min. Ihre Sauerstoffsättigung liegt bei 99%. Ihr Wert auf der Glasgow-Koma-Skala beträgt 15. Ihre Schmerzen gibt sie auf der VAS mit 7 von 10 an.

Die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung sind mit Ausnahme eines leicht aufgetriebenen Abdomens mit willkürlicher Abwehrspannung über den unteren Quadranten normal. Es wird kein Loslassschmerz festgestellt. Die Schleimhäute sind etwas trocken. Die Ergebnisse der orientierenden neurologischen Untersuchung sind unauffällig.

Die Patientin erhält einen intravenösen Zugang. Für die Laboruntersuchungen wird ihr Blut abgenommen. Die Ergebnisse des großen Blutbildes, der Stoffwechselparameter sowie der Urinanalyse sind normal. Auf der Röntgenaufnahme des Abdomens sieht man geblähte Darmschlingen und Luft-/Flüssigkeitsspiegel (s. Abb. 1).

Im Abdomen-CT nach i.v.-Kontrastmittelgabe werden die erweiterten Dünndarmschlingen bestätigt, doch es gibt keine Hinweise auf eine mechanische Obstruktion. Die Abb. 2 zeigt ein Beispiel für eine Darmobstruktion im CT eines anderen Patienten.

Nachdem sich kein Hinweis auf ein akutes Abdomen ergeben hat, das einen chirurgischen Eingriff erfordert, wird die Patientin auf die Überwachungsstation der Notaufnahme gebracht, wo ihr Ärzte eine nasogastrale Sonde legen. Sie erhält zudem Flüssigkeit i.v. und Analgetika.

Unter der Überwachung entwickelt die Patientin nach weiteren 4 bis 5 Stunden Doppelbilder und eine etwas verwaschene Sprache. Außerdem klagt sie über Kurzatmigkeit. Ihre Körpertemperatur ist unverändert normal, der Puls liegt jetzt bei 52/min, der Blutdruck bei 92/52 mmHg und die Atemfrequenz bei 28/min. Ihre Sauerstoffsättigung liegt bei 97%. Auf der Glasgow-Koma-Skala liegt ihr Wert jetzt bei 14-15. Ihre Schmerzen gibt sie noch mit 2 von 10 an.

Der diensthabende Arzt kann die Patientin nicht sofort untersuchen. Er ordnet inzwischen ein kraniales CT, eine neuerliche Blutuntersuchung sowie eine arterielle Blutgasanalyse an. Die Ergebnisse der CT-Untersuchung des Gehirns sind normal. Die arterielle Blutgasanalyse zeigt eine mäßige respiratorische Azidose. Alle Befunde im Detail:

  • arterieller Blut-pH-Wert: 7,32 (normal 7,35-7,45)

  • Sauerstoffpartialdruck (pO2): 94 mmHg (normal 75-100 mmHg)

  • Kohlendioxidpartialdruck (pCO2): 56 mmHg (normal 35-45 mmHg)

Als der Arzt die Patienten erneut aufsucht, stellt er eine beidseitige Ptose, Dysphonie, Dysarthrie sowie eine beidseitige Parese des VI. Hirnnerven fest.

Kommentar

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