Intensivtherapie bei COVID-19: Jeder dritte Patient bekommt unter ECMO zerebrale Blutungen

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

11. Januar 2022

Zerebrale Blutungen sind bei Patienten, deren Lungenfunktion wegen eines schweren Verlaufs von COVID-19 durch extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) unterstützt wird, mehr als doppelt so häufig wie bei Patienten unter ECMO wegen anderer Ursachen eines akuten respiratorischen Distress-Syndroms (ARDS). COVID-19-Patienten haben damit ein deutlich höheres Risiko für diese schwer zu behandelnde Komplikation als andere Patienten.

Das ergab eine Beobachtungsstudie eines großen universitären Zentrums in Deutschland (Hamburg-Eppendorf), in der die Häufigkeit von ICRH unter ECMO bei ARDS-Patienten aus der Ära vor der SARS-CoV-2-Pandemie mit der ICRH-Häufigkeit von COVID-19-Patienten unter ECMO verglichen worden war [1].

Die ECMO ist eine venovenöse (vv) mechanische Lungenunterstützungstherapie mit einem Oxygenator bei Patienten mit schwerer Hypoxie und sie ist potenziell lebensrettend. Intrakranielle Hämorrhagien (ICRH) und dabei vor allem die intraparenchymatösen Hirnblutungen sind auf der anderen Seite bekannt als lebensbedrohliche Komplikationen einer ECMO-Behandlung. Deren Anwendung bedarf der Gabe von Gerinnungshemmern. 

Langzeit-Beobachtungsstudie

Für die Langzeit-Beobachtungsstudie wurden Patienten rekrutiert, die im Zeitraum von Januar 2011 bis April 2021 mit ECMO wegen eines ARDS behandelt wurden und entweder während der ECMO-Therapie oder bis zu 72 Stunden nach Beendigung ein Schädel-CT erhalten hatten.

Die Hypothese war, dass ICRH häufiger unter vvECMO von COVID-19-Patienten sind als bei Patienten unter ECMO wegen eines ARDS anderer Ätiologie. Einer repräsentativen Registeranalyse zufolge liegt die Krankenhausmortalität bei COVID-19-Patienten unter ECMO in Deutschland bei 68 %

Die Auswertung erfolgte unter anderem mit Cox-Regressions-Analyse, um Parameter zu identifizieren, die mit ICRH assoziiert waren.

Verdoppelung des Risikos durch COVID-19

204 Patienten erfüllten die Einschlusskritieren, davon 48 intensivpflichtige COVID-19-Patienten und 156 Patienten mit ARDS anderer Ursache.

Intrakranielle Blutungen fanden sich bei 35,4% (n = 17/48) der COVID-19-Patienten und 16,7 % (n = 26/156) der Patienten mit ARDS anderer Ursache. Dies bedeutet eine Verdoppelung des Risikos für intrazerebrale Blutungskomplikationen durch ECMO bei COVID-19-Patienten und dieser Unterschied war mit einem p = 0,035 statistisch signifikant.

Mit einem höheren Risiko für intrazerebrale Hämorrhagien während ECMO waren der multivariaten Cox-Regressionsanalyse zufolge niedrige Carboxyhämoglobinwerte assoziiert. Carboxyhämoglobin war in dieser Studie ein Surrogatmarker für Hämolyse.

Zu den Gründen könne eine intensivere Gerinnungsprophylaxe bei COVID-19-Patienten gehören, so die UKE-Mediziner. Es könnten auch der vaskuläre Stress durch COVID-19, durch ECMO und die medikamentöse Antikoagulation zusammenwirken.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Coliquio.de .

 

Kommentar

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