Breiter Konsens für Quarantäne-Verkürzung; WHO zu Omikron; neue Variante in Frankreich nachgewiesen

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

5. Januar 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 5. Januar 2022

Wichtige Kennzahlen der Pandemie gehen erneut nach oben. Heute meldet das Robert Koch-Institut 58.912 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden. Vor 1 Woche waren es 40.043 weitere Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz steigt weiter an – von 239,9 am Vortag auf 258,6 Fälle pro 100.000 Einwohner. Weitere 346 Patienten sind an COVID-19 gestorben. Vor einer Woche waren es 414 Todesfälle.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 3,12 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 4. Januar, verglichen mit 3,07 am 3. Januar.

Die Zahl der Omikron-Fälle in Deutschland hat sich mehr als verdreifacht. Insgesamt 35.529 Fälle ordnet das Institut der neuen Variante zu. Vor 1 Woche war noch von 10.443 Fällen die Rede.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 4. Januar 3.670 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 133 weniger als am Vortag. Aktuell sind 836 Betten im Low-Care- und 2.092 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 285 freie ECMO-Behandlungsplätze.

Wie das Bundesministerium für Gesundheit berichtet, sind mindestens 59,3 Millionen Menschen (71,3% der Gesamtbevölkerung) vollständig geimpft. Und mindestens 32,7 Millionen (39,3 %) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten.

  • Vor dem Bund-Länder-Treffen: Kürzere Quarantänezeiten im Gespräch

  • PEI: Die meisten Schnelltests detektieren vermutlich auch Omikron

  • Omikron: WHO sieht Hinweise auf milderen Verlauf

  • B.1.640.2: Neue SARS-CoV-2-Variante in Frankreich nachgewiesen

  • SARS-CoV-2 befällt zahlreiche Organsysteme

Vor dem Bund-Länder-Treffen: Kürzere Quarantänezeiten im Gespräch

Am 7. Januar wollen Vertreter von Bund und Ländern über weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie beraten. Was der neu berufene Expertenrat der Regierung empfiehlt, ist bislang kaum nach außen gedrungen. Das RKI will Medienberichten zufolge empfehlen, eine Quarantäne nach 5 Tagen zu beenden, falls Infizierten keine Symptome haben und falls ein PCR-Test negativ ausfällt. Solche Regelungen scheinen bei der Koalition und der Opposition auf Zustimmung zu stoßen.

Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) macht sich neben verkürzten Quarantäne-Zeiten auch für eine weitere Verschärfung der Kontaktbeschränkungen stark. „Verschärfungen werden leider notwendig sein, um der schweren Welle, die auf uns zukommt, zu begegnen“, erklärte der Bundesgesundheitsminister.

„Wir können ja bei einer rasch wachsenden Verbreitung nicht das ganze Land zeitgleich in Quarantäne schicken“, so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Die Basis muss dazu eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung sein.“ Denn es sei wichtig, zu wissen, ob es durch mildere Verläufe zu einer geringeren Belastung der Krankenhäuser komme.

„Ich bin bei der Verkürzung der Quarantäne ganz pauschal sehr vorsichtig“, so Janosch Dahmen von den Grünen. Es sei in Ordnung bei Geimpften, die sich infizierten, aber keine Symptome hätten, die Quarantäne am 5. Tag mit einem negativen PCR-Test zu beenden. Bei medizinischen Fachkräften sieht Dahmen jedoch die Gefahr, dass zu viele Türen für Omikron geöffnet würden.

Auch eine Verschärfung der Zugangsregeln zur Gastronomie oder zu Freizeitangeboten ist recht wahrscheinlich. Stefan Sternberg, Vertreter der Kommunen im Expertenrat, fordert bundeseinheitliche Regelungen: „Wir sehen es bei uns im Kreis, dass wir einen regelrechten 'Gastronomie-Run' haben auf andere Bundesländer, in denen man – anders als bei uns in Mecklenburg-Vorpommern – keinen zusätzlichen negativen Corona-Test braucht.“ Zuletzt hatte Hamburg den 2G-Plus-Zugang zu Restaurants deutlich ausgeweitet.

PEI: Die meisten Schnelltests detektieren vermutlich auch Omikron

Ende Dezember hatte die FDA davor gewarnt, dass Antigen-basierte Schnelltests bei Omikron nicht immer zuverlässige Ergebnisse lieferten. Darüber hat Medscape im Blog berichtet. Jetzt nimmt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) dazu Stellung.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit bewertet das Prüflabor für In-vitro-Diagnostika am PEI seit 1 Jahr stichprobenartig die Sensitivität von Schnelltests.

Bis zum 14.12.2021 haben 245 Antigentests die Evaluierung durchlaufen: 199 Tests haben die Untersuchung bestanden, 46 Produkte sind durchgefallen.

Omikron hatte zum Zeitpunkt der Evaluation noch keine große Bedeutung. Jedoch würden die meisten aller untersuchten Tests das Nukleo-Protein (N-Protein) von SARS-CoV-2 detektieren. „Die Mutationen der Omikron-Variante betreffen aber primär das S-Protein“, schreibt das PEI. Auf Grundlage der aktuellen Daten sei davon auszugehen, dass die allermeisten der in Deutschland angebotenen und positiv bewerteten Antigentests eine Omikron-Infektion nachweisen könnten.

Omikron: WHO sieht Hinweise auf milderen Verlauf

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorbehaltlich neuer Daten bei Omikron Entwarnung. Viel deute darauf hin, dass Omikron nur die oberen Atemwege befalle und mildere Symptome verursache als frühere Varianten.

„Wir sehen immer mehr Studien, die darauf hinweisen, dass Omikron den oberen Teil des Körpers infiziert, im Gegensatz zu anderen, die Lungen, die eine schwere Lungenentzündung verursachen würden", sagte Abdi Mahamud von der WHO. „Das kann eine gute Nachricht sein, aber wir brauchen wirklich mehr Studien, um das zu beweisen.“ Der Experte ergänzt: „Was wir jetzt sehen, ist ... die Entkopplung zwischen den Fällen und den Todesfällen.“

Zwei kürzlich als Preprint veröffentlichte tierexperimentelle Arbeiten bestätigen dies sowohl in einem Mausmodell als auch in transgenen Mäusen und Hamstern mit ACE2-Expression. Und in Großbritannien kam es zu weniger Hospitalisierungen durch Omikron.

Mittlerweile gebe es Beweise dafür auf, dass COVID-19-Impfstoffe immer noch einen gewissen Schutz bieten würden, sagte Mahamud. „Unsere Vorhersage ist, dass der Schutz vor schweren Krankenhausaufenthalten und Todesfällen (durch Omikron) aufrechterhalten wird.“ Auf die Frage, ob ein Omikron-spezifischer Impfstoff erforderlich sei, sagte der WHO-Experte, es sei zu früh, um dies zu wissen, äußerte jedoch Zweifel und betonte, dass die Entscheidung eine globale Koordinierung erfordere und nicht den Herstellern allein überlassen werden sollte.

„Die doppelte Impfung wird für die Verbreitungskontrolle wahrscheinlich weniger beitragen bei Omikron. Da sind wir ziemlich ungeschützt“, sagte Prof. Dr. Christian Drosten von der Charité-Universitätsmedizin im NDR-Podcast. „Die Dreifach-Impfung macht den Unterschied.“

B.1.640.2: Neue SARS-CoV-2-Variante in Frankreich nachgewiesen

Doch SARS-CoV-2 mutiert weiter. Im Südosten Frankreich haben Virologen jetzt die neue Variante B.1.640.2 bei 12 Patienten nachgewiesen, wie sie in einem Preprint berichten. Vermutlich infizierte sich der Indexpatient bei einem Aufenthalt in Kamerun mit der Mutation. B.1.640.2 weist Veränderungen im Spike-Protein auf.

„Wir sollten diese wie auch andere Varianten beobachten, aber es besteht kein Grund, speziell über diese Variante besorgt zu sein“, sagte Prof. Dr. Richard Neher von der Universität Basel. Und auf Twitter schrieb der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding: „Ich bin noch nicht so besorgt über B.1.640.2 – ich bezweifle, dass es sich gegen Omikron (5-6x schneller als Delta) oder Delta (2x schneller als der Wildtyp) durchsetzen wird.“

Die WHO unterscheidet zwischen besorgniserregende Varianten (Kategorie 1), Varianten von Interesse (Kategorie 2) und Varianten unter Beobachtung (Kategorie 3). Omikron gehört zur Kategorie 1 und B.1.640.2 zur Kategorie 3. Vertreter der letztgenannten Kategorie hätten sich bislang als wenig bedrohlich oder als kurzlebig erwiesen, so die WHO.

SARS-CoV-2 befällt zahlreiche Organsysteme

Forscher am National Institutes of Health in Bethesda, Maryland, gingen der Frage nach, in welchen Geweben sich SARS-CoV-2 verbreitet. Sie haben bei 44 Patienten mit COVID-19 vollständige Autopsien durchgeführt, um die Verteilung, Replikation und Zelltypspezifität von SARS-CoV-2 im menschlichen Körper, einschließlich des Gehirns, von der akuten Infektion bis mehr als 7 Monate nach Auftreten der Symptome zu erfassen und zu quantifizieren.

Dabei zeigte sich, dass das Virus im Körper weit verbreitet ist, sogar bei Patienten, die mit asymptomatischem bis leichtem COVID-19 starben, und dass die Virusreplikation in vielen extrapulmonalen Geweben schon früh beginnt. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler virale RNA in Regionen des Gehirns, und zwar bis zu 230 Tage nach Auftreten der Symptome.

Die Viruslast war wenig überraschend in den Atmungsorganen am höchsten. Aber auch im Herz-Kreislauf-System, in den Lymphknoten, im Gastrointestinaltrakt, in endokrinen Drüsen, in peripheren Nerven und im Gehirn ließen sich Kopien von SARS-CoV-2 nachweisen.

„Trotz der weiten Verbreitung von SARS-CoV-2 im Körper beobachteten wir kaum Entzündungen oder direkte virale Zytopathologie außerhalb der Lunge“, schreiben sie. „Unsere Daten belegen, dass SARS-CoV-2 eine systemische Infektion verursacht und über Monate hinweg im Körper persistieren kann.“

 

Kommentar

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