Unkomplizierte Fälle nicht operieren: Erste S3-Leitlinie zur Divertikulitis veröffentlicht

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

4. Januar 2022

In Deutschland ist die erste S3-Leitlinie zur Divertikelkrankheit/Divertikulitis veröffentlicht worden [1,2]. Seit der Publikation der Sk2-Leitlinie im Jahr 2014 hat es international wesentliche Fortschritte gegeben, auch zur Frage der Operationsindikationen und der Komplikationen. Diese Entwicklungen bildet die neue S3-Leitlinie ab. Sie ist unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) in Zusammenarbeit mit weiteren Fachgesellschaften erarbeitet worden.

Die Divertikulitis ist eine Erkrankung des Dickdarmes, bei der sich in Ausstülpungen der Schleimhaut (Divertikel) eine Entzündung bildet. Am häufigsten, nämlich in 95% der Fälle, ist das Colon sigmoideum betroffen. Die Prävalenz der Divertikelkrankheit, die dadurch bedingten Hospitalisierungen und die Mortalität durch Divertikulitis nehmen weltweit zu. Die Inzidenz der Erkrankung steigt auch bei jüngeren Menschen unter 50 Jahren signifikant an. 

Diagnostik

Die 2014 etablierte Klassifikation „Classification of Diverticular Disease“ (CDD), wie sie in der vorausgehenden Sk2-Leitlinie eingeführt wurde, bleibt erhalten. Ausnahme ist ein Detail zur Größe des Mikroabszesses.

 Röntgen und Koloskopie werden bei der Klassifikation als ungeeignet betrachtet. Auch eine alleinige Orientierung an klinischen Symptomen und Blutbild reicht für die exakte Diagnose nicht aus. Empfohlen werden Schnittbildverfahren wie die Computertomographie (Multidetektorcomputertomographie) oder Ultraschall. Dies seien keine konkurrierenden, sondern ergänzende Verfahren, heißt es.

Therapie

Bei der therapeutischen Frage, wann konservativ und wann chirurgisch behandelt werden sollte, gilt der Grundsatz: Unkomplizierte Formen haben eine gute Prognose und sollten nicht operiert werden. Damit bleiben die bisherigen Empfehlungen bestehen, auch bezüglich der Zurückhaltung mit einer Antibiotikatherapie bei der unkomplizierten Divertikulitis.

Neu überarbeitet allerdings sind die Risikoindikatoren, bei denen eine Antibiotikatherapie auch bei der unkomplizierten Divertikulitis zu wählen ist. Nicht vollständig geklärt ist der Nutzen schwer resorbierbarer Antibiotika für wenige Tage und die genaue Definition einiger Risikofaktoren.

Zur Frage der operativen Therapie heißt es:

  • Nach einer akuten unkomplizierten Divertikulitis sollte bei beschwerdefreien Patienten, unabhängig von Vorerkrankungen, keine elektive Sigmaresektion erfolgen.

  • Bei einer akuten unkomplizierten Divertikulitis CDD Typ 1 mit anhaltenden Beschwerden ("smoldering diverticulitis") kann eine elektive Sigmaresektion zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen.

  • Eine akute Divertikulitis mit Mikroabszess (CDD Typ 2a; Grenzwert circa 3 cm, bisher 1 cm) sollte stationär und antibiotisch behandelt werden. Eine Indikation zur elektiven Operation nach erfolgreicher konservativer Therapie besteht nicht.

  • Größere retroperitoneale oder parakolische Abszesse (> 3 cm) können interventionell (Sonographie, CT) drainiert werden.

  • Patienten mit akuter Divertikulitis mit Makroabszess (CDD Typ 2b) sollen stationär antibiotisch behandelt werden und chirurgisch vorgestellt bzw. mitbeurteilt werden.

  • Die Prophylaxe der Divertikelkrankheit wird ausführlich mit konkreten Ernährungsempfehlungen sowie Vorschlägen zur Modifikation des Lebensstils diskutiert.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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