Deutschland: Keine Diskriminierung türkischer Patienten – viel wichtiger ist der Versicherungsstatus 

Presseagentur Gesundheit (pag)

Interessenkonflikte

4. Januar 2022

Forscher der der Wirtschaftsuniversität Wien und der Johannes Kepler Universität Linz wollten wissen, welche Rolle Ethnien beim Arzt-Patienten-Kontakt spielen. Das Ergebnis ihrer experimentellen Studie: Wichtiger als die Abstammung ist die Frage nach der Krankenversicherung, wenn Termine vergeben werden [1]

Terminanfragen per E-Mail

Rund 3.000 Arztpraxen aus verschiedenen Fachgebieten in 79 deutschen Großstädten wurden per Mail kontaktiert und um einen Termin gebeten. Absender waren die fiktiven Patienten „Christian Schmidt“ und „Ahmet Yilmaz“. Deutschland haben sich die Forschenden einer Mitteilung zufolge für ihre Studie ausgesucht, weil es „ein exzellentes Testfeld für ethnische Diskriminierung“ sei. Denn der Versicherungstyp der Patienten bestimme den Umsatz der Ärzte – und „die ethnische Zugehörigkeit sollte eigentlich keinen Einfluss haben“.

In der Studie wurde vor allem untersucht, ob sich die Rate der vergebenen Termine über die unterschiedlichen fiktiven Patienten unterscheidet. Außerdem wurde die Dauer bis zur Antwort, die Dauer bis zum Termin oder etwaige Angaben zur voraussichtlichen Wartezeit in der Praxis analysiert.

Der Versicherungsstatus war für Antworten entscheidend

Die Studie zeige, dass die ethnische Zugehörigkeit per se keinen Effekt auf den Erhalt eines Termins oder auf die Wartezeiten hat. Wie bereits in anderen Studien nachgewiesen, sei die Krankenversicherung „stark ausschlaggebend“, so die Autoren. Nach ihren Ergebnissen bekommen GKV-Versicherte in 41% der Fälle einen Termin. Bei PKV-Versicherten liegt der Wert bei 54%. Weitere Unterschiede zwischen GKV- und PKV-Patienten ergeben sich hinsichtlich der grundsätzlichen Beantwortung der E-Mails (72 versus 75%), der Wartezeit auf einen Termin (plus 8 Stunden) und der Häufigkeit, mit der sie eine lange Wartezeit in der Praxis in Aussicht gestellt bekommen (22 versus 15%).

Eine indirekte Diskriminierung? 

Das Ergebnis, dass keine Diskriminierung von Deutsch-Türken vorliegt, „mag überraschen“, schreiben die Studienautoren. Die strukturellen Unterschiede, die es in der Vergütung von GKV- und PKV-Patientenbehandlungen gebe, schaffe „dennoch Barrieren für wirtschaftlich benachteiligte Gruppen“, zu der auch Deutsch-Türken überdurchschnittlich zählten. 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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