Neue Bund-Länder-Runde: Kürzere Quarantänezeiten in Sicht? Molnupiravir-Verordnungen; Pädiater gegen Schulschließungen

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

3. Januar 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 3. Januar 2022

Heute meldet das Robert Koch-Institut 18.518 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden – ein Anstieg um rund 4.600 Fälle im Vergleich zur Vorwoche. Die 7-Tage-Inzidenz steigt seit nunmehr 5 Tagen in Folge weiter an. Heute liegt der Wert bei 232,4 SARS-CoV-2-Infektionen pro 100.000 Einwohner. Am Vortag nannte das RKI noch 222,7. Außerdem wurden weitere 68 Todesfälle in Zusammenhang mit COVID-19 erfasst.  

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 3,15 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 30. Dezember, verglichen mit 3,18 am 29. Dezember.

Möglicherweise liegen die Werte deutlich höher. „Während der Feiertage und zum Jahreswechsel ist bei der Interpretation der Fallzahlen zu beachten, dass mit einer geringeren Test- und Meldeaktivität zu rechnen ist, so dass die im Dashboard und Lagebericht ausgewiesenen Daten nur ein unvollständiges Bild der epidemiologischen Lage in Deutschland ergeben könnten“, schreibt das RKI.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 2. Januar 3.804 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 19 weniger als am Vortag. Aktuell sind 979 Betten im Low-Care- und 2.185 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 288 freie ECMO-Behandlungsplätze.

  • Weitere Bund-Länder-Runde: Kürzere Quarantänezeiten in Sicht?

  • COVID-19-Impfung – worauf niedergelassene Ärzte achten sollten

  • Ab sofort kann Molnupiravir verordnet werden

  • Was Omikron für Kinder bedeutet – Schulschließungen „allerletzte Maßnahme“

  • Omikron: Resistenz gegen die meisten therapeutischen Antikörper

Weitere Bund-Länder-Runde: Kürzere Quarantänezeiten in Sicht?

Angesichts der weiteren Ausbreitung der Omikron-Variante wollen sich Vertreter von Bund und Ländern am 7. Januar bei einer weiteren Schaltkonferenz austauschen. „Wir denken in der Tat über verkürzte Quarantäne- und Isolationszeiten nach“, so Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD). Ob sich der Bundesgesundheitsminister auf Infizierte oder auf Personen mit Risikokontakt bezieht, ist derzeit unklar.

Zeitgleich fordern Kommunen von Lauterbach, eine langfristige Corona-Strategie. Das Virus werde nicht mehr weggehen, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung kommunaler Spitzenverbände, Ralph Spiegler. Nötig seien daher unter anderem Vorbereitungen für voraussichtlich erforderliche 4. Impfungen. In Israel sind entsprechende Kampagnen kürzlich angelaufen.

COVID-19-Impfung – worauf niedergelassene Ärzte achten sollten

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) informiert niedergelassene Ärzte darüber, dass ab 10. Januar für Praxen und Impfzentren rund 2,2 Millionen Dosen des BioNTech/Pfizer-Vakzins zur Verfügung stünden. „Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit sollte das Vakzin vorrangig für Personen unter 30 sowie für Schwangere bestellt und angewendet werden“, heißt es in der Mitteilung. Pro Arzt könnten maximal 30 Dosen (5 Vials) bestellt werden. Für Kinder sei jedoch genügend Impfstoff vorhanden. Und für Personen über 30 stehe der Impfstoff von Moderna in ausreichender Menge zur Verfügung; hier gebe es auch keine Maximalmengen bei Bestellungen.

Ab sofort kann Molnupiravir verordnet werden

Molnupiravir (Lagevrio®), ein oral anwendbares Virustatikum, verkürzt das das Risiko von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen bei COVID-19-Hochrisiko-Patienten um 30%. Darüber hatte Medscape berichtet. Laut KBV können Ärzte das Präparat ab sofort verordnen. Es hat zwar keine EMA-Zulassung, wird von der Bundesregierung aber rechtmäßig in Verkehr gebracht.

80.000 Dosen sollen momentan zur Verfügung stehen. Deshalb rät die KBV Ärzten, Molnupiravir bei Patienten hohen Alters mit weiteren Risikofaktoren wie Adipositas, Diabetes, chronischer Niereninsuffizienz, Krebs sowie Herz- und Lungenerkrankungen zu verordnen. Bei immunsupprimierten Patienten mit unzureichender Impfantwort werden monoklonale Antikörper empfohlen.

Molnupiravir sollte im Idealfall spätestens 5 Tage nach Einsetzen von COVID-19-Symptomen angewendet werden. Die empfohlene Dosis beträgt 800 mg oral alle 12 Stunden an 5 aufeinanderfolgenden Tagen. Patienten erhalten das Präparat wie üblich über Apotheken, die wiederum Bestellungen an den Großhandel weiterleiten.

In Kürze will die Bundesregierung Paxlovid® (Nirmatrelvir) zur Behandlung schwerer COVID-19-Verläufe über eine Notfallzulassung verfügbar machen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bis Ende dieses Monats das dafür notwendige Paket geschnürt haben, dass wir also Lieferungen des Medikaments erhalten und eine Notfallzulassung erreicht haben“, sagte Lauterbach.

Was Omikron für Kinder bedeutet – Schulschließungen „allerletzte Maßnahme“

In Südafrika, England oder in den USA sollen Medienberichten zufolge Kinder und Jugendliche besonders stark von Omikron betroffen sein, etwa durch mehr schweres COVID-19 oder sogar durch mehr Hospitalisierungen. In einer Meldung nehmen die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) dazu Stellung.

„Noch ist es zu früh für eine endgültige Bewertung, aber Erfahrungsberichte aus dem Tshwane District in Südafrika, aus London und Australien sind beruhigend“, schreiben die Experten. Auch lehre die Erfahrung aus vorherigen Pandemiewellen mit Alpha und Delta, dass es in keiner dieser Wellen besondere Risiken für Kinder gegeben habe. Und nicht zuletzt könne man Bevölkerungs- oder Sozialstrukturen der ersten Omikron-Regionen kaum mit Deutschland vergleichen.

Kinder ohne Impfung und ohne Booster Shot hätten ein hohes Infektionsrisiko, betonen Pädiater in der Mitteilung. Allerdings gebe es weitere bekannte Maßnahmen wie Hygieneregeln (AHA+L) oder Quarantäne. „Wir möchten daher erneut sehr deutlich klarstellen, dass Schulschließungsmaßnahmen nur die allerletzte Option in der Bekämpfung der Pandemie sein dürfen, nachdem alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind“, so das Fazit der Experten.

Omikron: Resistenz gegen die meisten therapeutischen Antikörper

Biotechnologisch hergestellte Antikörper zur Therapie oder zur Präexpositionsprophylaxe von Hochrisikopatienten sind weitgehend wirkungslos bei Omikron. Darüber hat zuerst Univadis berichtet.  

Das Spike-Protein der Omikron-Variante ist komplett resistent gegenüber einer Neutralisierung durch Imdevimab, Etesevimab und Bamlanivimab. Pseudoviren, die das Omikron-Spike-Protein exprimieren, können bei Inkubation mit diesen Antikörperpräparaten ohne erkennbare Hemmung in suszeptible Zellen gelangen.

Casirivimab ist gegen die Omikron-Variante weitgehend unwirksam, auch ein Cocktail aus Casirivimab plus Imdevimab war nicht effektiv bei der Verhinderung der Infektion.

Lediglich Sotrovimab hatte eine hemmende Wirkung. Antikörper in dem Präparat erkennen ein Epitop, das bei der Omikron-Variante nicht wesentlich verändert ist. Dieses Produkt könnte ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Omikron infizierten Patientinnen und Patienten werden, so die Autoren der Studie.

Omikron-Spike-Protein exprimierende Viren wurden auch durch Rekonvaleszentenseren und durch Antikörper von zweifach mit BNT162b2 (BioNTech/Pfizer) geimpften Personen wenig oder gar nicht neutralisiert. Der Evasionseffekt war um den Faktor 10 bis 44 stärker als bei der Delta-Variante.

Ein moderater Schutzeffekt wurde nach 3-maliger Immunisierung mit BioNTech/Pfizer und nach heterologer Impfung mit der AstraZeneca- und der BioNTech/Pfizer-Vakzine beobachtet.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....