Neue Medikamente im Jahr 2021: Diese 50 Präparate wurden zugelassen (Teil 2)

Dr. Linda Fischer

Interessenkonflikte

3. Januar 2022

Im Jahr 2021 sind in Deutschland mehr als 50 neue Präparate zugelassen worden. Wir haben für Sie einen Überblick aller Neuzulassungen zusammengestellt. Ein Experte ordnet die wichtigsten Fakten zu den Medikamenten ein.

Dermatologie

Im Jahr 2021 sind einige Präparate im dermatologischen Bereich zugelassen worden. Mit dabei sind Wirkstoffe zur Behandlung des hereditären Angioödems, der Neurodermitis, aktinischer Keratosen und der Plaque-Psoriasis.

Für Menschen ab zwölf Jahren mit hereditärem Angioödem ist eine neue Behandlungsoption auf dem deutschen Markt. Orladeyo® (Berotralstat) dient der routinemäßige Prophylaxe wiederkehrender Attacken und die Kapseln des Serinprotease-Hemmers können vorteilhafterweise oral eingenommen werden.

Seit Juli steht Menschen mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis/Neurodermitis ein neues Präparat zur Verfügung. Adtralza® (Tralokinumab) kann monotherapeutisch oder kombiniert mit Kortikosteroiden eingesetzt werden. Der vollständig humane monoklonale IgG4-Antikörper bindet Interleukin-13, welches sonst Treiber der Pathogenese bei der Typ-2 Inflammation ist.

Zur topischen Behandlung nicht-hyperkeratotischer, nicht-hypertropher aktinischer Keratosen (Olsen-Grad I) im Gesicht und an der Kopfhaut bei Erwachsenen ist ebenfalls ein neues Präparat erschienen: Klisyri® (Tirbanibulin) wird in einem kurzen Behandlungsschema angewendet und ist laut klinischen Studien lokal gut verträglich.

Auch im Bereich der mittelschweren und schweren Plaque-Psoriasis gab es eine Neuzulassung für erwachsene Patientinnen und Patienten: Der monoklonale Antikörper Bimzelx® (Bimekizumab) ist der erste selektive Interleukin IL-17A- und 17F-Hemmer für diese Indikation.

Im Dezember 2021 wurde außerdem Wynzora® (Calcipotriol/Betamethasondipropionat) zugelassen. Die erste Fixkombination aus dem Vitamin-D3-Derivat Calcipotriol und dem Glukokortikoid Betamethasondiproprionat, auf Wasserbasis. Zusammen wirken die Stoffe entzündungshemmender und antiproliferativer als jeder für sich allein. Indiziert ist die Creme für die topische Behandlung von erwachsenen Personen mit leichter bis mittelschwerer Psoriasis vulgaris.

Nephrologie

Auch im Bereich der Nephrologie wurden einige Medikamente im Laufe des Jahres zugelassen. Dazu gehört beispielsweise Oxlumo® (Lumasiran) – die erste Behandlungsmöglichkeit für Personen jeder Altersklasse mit primärer Hyperoxalurie Typ 1.

Außerdem kam das Immunsuppressivum Idefirix® (Imlifidase) auf den Markt. Das Immunsuppressivum ermöglicht eine Nierentransplantation bei Personen, die hochempfindlich gegen das Spendergewebe sind.

Auf dem Gebiet der Hyperkaliämie wurde Lokelma® (Natrium-Zirkonium-Cyclosilicat) zugelassen. Seit April 2021 bietet das Präparat eine neue Therapieoption für Erwachsene. Der Kationenaustauscher senkt den Kaliumspiegel im Serum, indem er Kaliumkationen gegen Wasserstoff- und Natriumkationen austauscht.

Die vierte Neuzulassung im nephrologischen Bereich ist der  Chelatbildner Thiola® (Tiopronin). Indiziert ist das Arzneimittel zur Behandlung der seltenen Erkrankungen Cystinurie, Cystinurolithiasis und Schwermetallvergiftungen, insbesondere mit Quecksilber, Eisen und Kupfer.

Anämie

Zur Behandlung von symptomatischer Anämie durch eine chronische Nierenerkrankung wurde ein erster Hypoxie-induzierbarer-Faktor (HIF)-Prolylhydroxylase-Inhibitor zugelassen. Evrenzo® (Roxadustat) steigert die Konzentration von endogenem Erythropoetin im Plasma und wurde im Rahmen eines Phase-III-Studienprogramms mit acht Studien erprobt.

HIV-Erkankungen

Erkrankungen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus Typ 1 (HIV-1) können seit 2021 mit zwei neuen Medikamenten behandelt werden: So ist etwa mit Rukobia® (Fostemsavir) der erste Attachment-Inhibitor zur Behandlung Erwachsener – vor allem mit Multiresistenzen – zugelassen worden und ergänzt somit das bereits bestehende Sortiment an antiretroviralen Therapieoptionen für diese Indikation.

Das zweite Medikament ist die erste langwirksame, injizierbare antiretrovirale Behandlung einer HIV-1-Infektion: Vocabria® (Cabotegravir). Aufgrund der langen Halbwertszeit des Integrase-Strang-Transfer-Inhibitors, erfolgt die Behandlung in Kombination mit Rilpivirin lediglich in einem monatlichen oder zweimonatlichen Rhythmus.

Kardiologie

Auch im kardiologischen Bereich wurden zwei neue Medikamente zugelassen: Der neue Guanylatzyklase-Stimulator Verquvo® (Vericiguat) ist zur Behandlung von Menschen mit symptomatischer, chronischer Herzinsuffizienz bestimmt. Vericiguat verbessert den zyklischen GMP-Signalweg und wirkt so der Beeinträchtigung von Herz und Gefäßen entgegen. In einer Phase-III-Studie reduzierte das Präparat die Rate kardiovaskulärer Todesfälle oder Hospitalisierungen nach Herzversagen von 40,9 auf 37,9 %, im Vergleich zu Placebo.

Das zweite Präparat, Vazkepa® (Icosapent-Ethyl) ist ein hochgereinigtes Derivat der Omega-3-Fettsäure. Es wurde für die Behandlung von bereits mit Statin-behandelten Erwachsenen zugelassen. In einer Phase-IIIb-Studie senkte das Fischölderivat das relative Risiko kardiovaskulärer Ereignisse um mehr als 20 %.

Hämatologie

Zur Behandlung Erwachsener mit Thrombozytopenie und chronischer Lebererkrankung, die sich einem invasiven Eingriff unterziehen müssen, sind in diesem Jahr zwei neue Thrombopoetin (TPO) -Rezeptor-Agonisten zugelassen worden: Doptelet® (Avatrombopag) ahmt die Wirkung des körpereigenen TPO nach und steigert so die Bildung von Thrombozyten. Es kann auch zur Behandlung von primärer chronischer Immunthrombozytopenie eingesetzt werden, bei Menschen, die auf andere Therapien nicht ansprechen.

Das zweite Medikament, Mulpleo®  (Lusutrombopag), dient der Prävention übermäßiger Blutungen. Lusutrombopag wirkt auf hämatopoetische Stammzellen und die Transmembrandomäne der humanen TPO-Rezeptoren in Megakaryozyten, wodurch letzten Endes die Thrombozytopoese stimuliert wird.

Lipidspeicherkrankheiten

Für die Behandlung von Kindern mit metachromatischer Leukodystrophie (MLD) ist eine neue Gentherapie zugelassen worden. Das Präparat enthält eine mit autologen CD34+ – Zellen angereicherte Masse an hämatopoetischen Stamm- und Vorläuferzellen, welche über einen Vektor transduziert werden, der das für Arylsulfatase A (ARSA) kodierende Gen enthält. Der Vektor bringt Kopien der humanen ARSA-komplementären Desoxyribonukleinsäure in das Zellgenom, woraufhin genetisch modifizierte Zellen das funktionelle ARSA-Enzym exprimieren.

Das Medikament Libmeldy® ist indiziert für Kinder, die eine Mutation des ARSA-Gens auf beiden Allelen tragen und bei denen MLD im späten Säuglings- oder frühen Kindesalter auftritt.

Diabetes mellitus

Mit Semglee®  (Insulin glargin) steht Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab zwei Jahren mit Diabetes mellitus seit Dezember 2021 eine neue Behandlungsoption zur Verfügung. Insulin glargin ist ein Biosimilar zu dem Referenzpräparat Lantus® und kann zur Behandlung von Typ-1 und Typ-2-Diabetes eingesetzt werden. Das langwirksame Insulin-Analogon wird aus der Hefeart Pichia pastoris gewonnen. Bei Typ-2-Diabetes kann das Medikament auch zusammen mit oralen Antidiabetika gegeben werden. 

Leber- und Gallenstörungen

Für Menschen mit progressiver familiärer intrahepatischer Cholestase ist ebenfalls ein neues Präparat in Form eines nicht-systemischen Gallensäuretransport-Inhibitors auf den Markt gekommen: Bylvay® (Odevixibat) ist das erste Medikament zur Behandlung aller Formen dieser seltenen genetischen Erkrankung, bei der die Ausscheidung von Gallensäuren gestört ist.

Skelettdysplasie

Auch für Menschen mit Achondroplasie ist in diesem Jahr ein neues Medikament zugelassen worden. Voxzogo® (Vosoritid) ist ein Analogon des natriuretischen Peptids Typ C und steigerte die jährliche Wachstumsgeschwindigkeit in einer Placebo-kontrollierten Studie um etwa 1,5 cm.

Allergologie

Für Allergikerinnen und Allergiker gegen das Erdnussallergen steht nun ein erstes Immuntherapeutikum zur Verfügung. Ärztinnen und Ärzte können Palforzia® zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Alter von vier bis 17 Jahren mit diagnostisch bestätigter Erdnussallergie im Sinne einer Hyposensibilisierungstherapie einsetzen. Das Präparat enthält das Erdnussprotein in Form von entfettetem Pulver aus dem Samen der Erdnuss (Arachis hypogaea) und modifiziert die Immunitätslage des Immunsystems durch schrittweise Erhöhung der Allergenaufnahme.

Virologie

Mit einem neuen Wirkmechanismus gegen saisonale, unkomplizierte Influenza und als Postexpositionsprophylaxe kam Xofluza® (Baloxavirmarboxil) auf den Markt. Das Medikament wirkt gegen Influenza-A- und -B-Viren und wurde durch die Europäische Kommission für die EU zugelassen.

Parasitologie

Als erstes Ivermectin-haltiges Generikum ist Iveraxiro® zur Behandlung verschiedener parasitärer Infektionen durch Fadenwürmer und Hautmilben zugelassen worden. Mit dem Präparat lassen sich sowohl gastrointestinale Strongyloidiasis, Mikrofilarämie und Skabies behandeln.

Neue Medikamente 2021 - eine wertende Zusammenfassung

Dr. Dr. Ulrich Grass, Facharzt für klinische Pharmakologie und für Allgemeinmedizin, ordnet hier die wichtigsten Fakten zu den Medikamenten ein.

Eine echte Sprunginnovation ist unter den Neuzulassungen 2021 nicht zu finden, wenn man die Orphan Drugs einmal außen vor lässt. Insgesamt gesehen gibt es aber eine Reihe von Schrittinnovationen, die innerhalb der bekannten Wirkmechanismen bzw. pharmakologischen Wirkstoffgruppen therapeutische Verbesserungen bezüglich der Wirksamkeit oder Verträglichkeit gebracht haben. Zudem sind eine Reihe von Medikamenten gegen seltene Krankheitsbilder (Orphan Drugs) zugelassen worden. Ein paar Neuzulassungen sind jedoch als „me too Präparate“ zu bezeichnen, da sie im Wesentlichen keine Verbesserung gegenüber bereits zugelassenen Wirkstoffen zeigen.

Etwa ein Viertel aller Neuzulassungen betreffen den onkologischen Sektor. Hier gibt es einige Schrittinnovationen beim Lungenkarzinom (NSCLC mit RET-Mutation) (Selpercatinib), beim Gallengangs-Karzinom (Pemigatinib), der Leukämie (AML – Azacitidin und evtl. ALL – Brexucabtagen/FDA), dem B-Zell-Lymphom (Tafasitamab), dem multiplen Myelom (Isatuximab), dem Mammakarzinom (Pertuzumab/Trastuzumab und Tucatinib) und dem Endometriumkarzinom (Dostarlimab). Wobei die meisten dieser onkologischen Wirkstoffe monoklonale Antikörper (MAK) sind. Die Innovation erschöpft sich in den allermeisten Fällen im Gewinn einiger zusätzlicher Lebensmonate und/oder der Verbesserung der Lebensqualität gegenüber den bisher bestehenden Therapieregimes. Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort. Weitere Verbesserungen sind in den nächsten Jahren zu erwarten und es ist zu hoffen, dass auch die eine oder andere Sprunginnovation auf den Markt kommen wird, die dann idealerweise eventuell sogar kurativ wirkt.

Zudem gab es noch ein paar Innovationen für seltene onkologische Krankheitsbilder, wie z.B. die Myelofibrose, die Neurofibromatose, das Mantelzelllymphom oder die dentritische Zellneoplasie (BPDCN).

Im nicht-onkologischen Bereich betreffen erwartungsgemäß einige Innovationen die Prophylaxe oder Therapie der Covid-19-Infektion. Mit Comirnaty® wurde bereits 2020 der erste Impfstoff zugelassen. Weitere folgten mit Spikevax®, Vaxzevria® und Covid-19-Vaccine Janssen®. 2 neue Medikamente zur Behandlung von Covid-19 (REGN-COV2 und Regdanvimab) zeigen zwar Verbesserungen bezüglich der Dauer des Krankenhausaufenthalts und der Todesraten, aber sie sind weder kurativ, noch schützen sie zuverlässig vor einem schweren Verlauf. Zudem muss die Behandlung bereits beginnen, bevor die Patienten sauerstoffpflichtig werden. In diesem Stadium befinden sich die meisten Patienten jedoch noch nicht im Krankenhaus, wo die Therapie in der Regel eingesetzt werden soll. Zumindest für Patienten mit besonderen Risiken bedeuten diese beiden IgG1-Antikörper jedoch einen Gewinn. Mit Tocilizumab wurde ein Interleukin-6(IL6)-Inhibitor für die Behandlung von Covid-19 zugelassen, der bereits seit einiger Zeit in den Indikationen rheumatoide Arthritis und Zytokin-Freisetzungssyndrom zugelassen ist. Der Zytokin-Sturm bei Covid-19, der offensichtlich einen  schweren Verlauf verursacht, kann durch Tocilizumab wohl abgefedert werden. Der Vorteil dieses IL6-Inhibitors besteht darin, dass er Patienten verabreicht werden kann, die sauerstoffpflichtig sind und bereits beatmet werden müssen. Allerdings ist der Benefit nur mäßig: 31% Todesrate vs 35% mit Placebo bzw 57% Krankenhaus-Entlassung nach 28 Tagen vs 50% mit Placebo.

In den sozialen Netzwerken wird immer wieder die Anwendung von Ivermectin empfohlen. Die Wissenschaft ist sich jedoch einig, dass es außer problematischen Nebenwirkungen keinerlei Vorteile bringt. Die generische Neuzulassung betrifft ausschließlich die bereits bekannten Indikationen (parasitäre Infektionen) der bisherigen Ivermectin-Präparate. Möglicherweise besteht der Vorteil in einem etwas niedrigeren Preis, was bei Generika als reine „me too Präparate“ zu erwarten ist. Dies trifft möglicherweise auch auf Semglee® zu, ein neu zugelassenes Insulin glargin, das als Lantus® bereits seit 20 Jahren auf dem Markt ist. 

Die Gynäkologie kann auf eine Innovation zur Behandlung des Uterusmyoms zurückgreifen (Ryeqo®), wobei hier häufig auch operative Eingriffe indiziert sind.

Ob das erste Kontrazeptivum (Drovelis®) mit einem quasi-natürlichen Östrogen wirklich Vorteile bringt, bleibt abzuwarten, denn es enthält das kontrovers diskutierte Drospirenon als Gestagen-Komponente. Damit bleibt die Thrombose-/Embolie- Problematik wohl erhalten. Eine neue Gestagen-Monopille (Slinda®) kam ebenfalls auf den Markt. Zudem ist die Handhabung von Misoprostol zur Geburtseinleitung mit Angusta® jetzt einfacher.

Im Bereich der Neurologie gibt es jetzt zwei neue Antiepileptika (Cenobamat und Fenfluramin), die die therapeutische Palette in Nischenbereichen ergänzen. Zwei Schrittinnovationen zur Therapie der MS (Ponesimod und Ofatumumab) bringen weitere Verbesserungen bezüglich der Häufigkeit von Schüben bzw. der Progression.

Risdiplam zur Behandlung von SMA ist eher nicht als wesentliche Verbesserung gegenüber den bisherigen Therapieoptionen anzusehen. Zudem ist mit Satralizumab noch ein Orphan-Drug zur Behandlung von Neuromyelitis Optika (NMOSD) auf den Markt gekommen.

Mit Esketamin und Eszopiclon sind zwei S-Enantiomere von racemischen Wirkstoffen zugelassen worden. Das Prinzip der Isomeren-Trennung ist bereits von S-Omeprazol, S-Citalopram, Levocetirizin und Dexibuprofen bekannt. In der Regel bringen die Enantiomere keinerlei Wirkvorteil, lediglich die Substanzbelastung kann reduziert werden und der Hersteller kann von einem neuen langen Patentschutz profitieren. Der Nachteil des Abhängigkeitspotenzials bei Zopiclon bleibt erhalten. Ob sich Esketamin eventuell als zusätzliche Therapieoption in Kombination mit einem etablierten Antidepressivum (SSRI oder SNRI) bei therapierefraktärer Depression eine Nische schaffen kann, bleibt abzuwarten. 

In der Pneumologie kann jetzt eine weitere Dreifachkombination zur Behandlung der COPD eingesetzt werden. Es ist mittlerweile das dritte Produkt dieser Art und somit ein „me too Präparat“. Zudem ist die Behandlung der COPD mit Kortikoiden teilweise umstritten und sollte nur bei Patienten mit häufigen Exazerbationen eingesetzt werden.

Ob Baloxavirmarboxil zur Prophylaxe bzw. frühen Therapie der Influenza wirklich Vorteile gegenüber dem bereits bekannten Oseltamivir bietet ist fraglich. Letzteres konnte sich schon nicht überzeugend durchsetzen, weil es versus Placebo nur marginale Vorteile in Form einer leicht verkürzten Krankheitsdauer zeigte – aber nur bei sehr frühzeitiger Einnahme.

Die Dermatologie profitiert von einem weiteren MAK zur Behandlung der Neurodermitis (Tralokinumab), einer weiteren topischen Behandlungsoption bei aktinischer Keratose (Tirbanibulin), einem weiteren MAK gegen Psoriasis (Bimekizumab), dieser jedoch mit einem deutlichen Wirksamkeitsvorteil gegenüber den bisherigen Wirkstoffen, sowie einer Fixkombination der bereits seit langem in der Standardtherapie verwendeten topischen Wirkstoffe Calcipotriol und Betamethason.

Dass mit Berotralstat jetzt ein orales Medikament zur Prophylaxe des hereditären Angioödems zur Verfügung steht, ist sicher eine Bereicherung für Patienten mit häufig wiederkehrenden Attacken.

In der Allergologie sind Hyposensibilisierungs-Therapien seit Jahren etabliert und werden als einzige teil-causale Therapieoption angesehen. Insofern ist es nur logisch, dass jetzt speziell gegen die Erdnussallergie ein Präparat auf den Markt gekommen ist (Palforzia®), das offensichtlich eine Hyposensibilisierung bewirkt. Welche Patienten von dieser speziellen Allergie so betroffen sind, dass sie von einer solchen Behandlung profitieren, muss sicher im Einzelfall abgewogen werden.

Zwei neue Medikamente (Fostemsavir und Cabotegravir) erweitern die antivirale Palette der HIV-Therapie. Ersteres soll vor allem bei Multiresistenzen Vorteile haben und letzteres könnte bei Patienten mit mangelnder Compliance bevorzugt eingesetzt werden, da nur eine ein- bzw. zweimonatliche Behandlung notwendig ist.

Orphan-Drugs wurden zur Behandlung seltener, genetisch bedingter Krankheiten, wie der Leukodystrophie (MLD), der intrahepatischen Cholestase und der Skelettdysplasie zugelassen.

Im urologisch-nephrologischen Bereich kamen Medikamente zur Behandlung der Hyperoxalurie (Lumasiran) bzw. der Cystinurie (Tiopronin) auf den Markt.

Zudem gibt es jetzt ein weiteres Immunsuppressivum bei Nierentransplantationen (Imlifidase), einen weiteren Kationenaustauscher bei Hyperkaliämie (Natrium-Zirkonium-Cyclosilikat) neben dem bereits zugelassenen Patiromer, sowie ein weiteres Medikament zur Erythropoese bei chronischer Niereninsuffizienz (Roxadustat). Bei den drei letztgenannten Innovationen handelt es sich um weitere Therapieoptionen bereits zugelassener Therapieregimes.

Für Patienten mit Thrombopenie stehen jetzt mit Avatrombopag und Lusutrombopag neben den bereits zugelassenen Eltrombopag und Romiplostim zwei weitere Medikamente zur Verfügung.

Zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten ist Vericiguat als weitere Therapieoption nach Entyvio® bei Herzinsuffizienz hervorzuheben. Die Kardiologen sind aufgrund des progredienten Krankheitsverlaufs bei Herzinsuffizienz immer offen für weitere und neue Therapieoptionen. Allerdings ist der Benefit von 37,9% gegenüber 40,9% bei Placebo eher bescheiden. Auch für Icosapent-Ethyl bei Hyperlipidämie hält sich der Vorteil von 17,2% Ereignisse vs 22% bei Placebo in Grenzen.

Wenn die Standardtherapie mit Statinen keine ausreichende Wirkung erzielt, stehen zur Behandlung der Hypercholesterinämie bereits seit einigen Jahren PCSK9-Inhibitoren zur Verfügung. Mit Inclisiran kam nun ein weiteres Medikament hinzu, das über RNA-Interferenz ebenfalls hemmend auf PCSK9 einwirkt. Dass dieses nur halbjährlich appliziert werden muß, ist möglicherweise bei Patienten mit unzureichender Compliance von Vorteil.

Zuletzt ist noch eine Innovation aus dem Bereich der Notfallmedizin erwähnenswert: Die pharmakologische Wirkung von Angiotensin II ist bereits seit langer Zeit bekannt, insbesondere die starke Vasokonstriktion. Dass mit Giapreza® Angiotensin II nun als parenterales Medikament zur Verfügung steht, mit dem eine schnelle und starke Gefäßverengung bei Schockzuständen erreicht werden kann, ist sicher ein Gewinn.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

 

Kommentar

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