„Sex and the City“-Fortsetzung in den USA: Ein Herztod durch den Heimtrainer und schwächelnde Peloton-Aktien

Nat Harper

Interessenkonflikte

29. Dezember 2021

„And Just Like That“ heißt das mit Spannung erwartete nächste Kapitel der Serie „Sex and the City“. Für den Streamingdienst HBO Max ist es das bisher erfolgreichste Seriendebüt.

Gleich in der 1. Folge lässt Carrie (gespielt von Sarah Jessica Parker) Mr. Big (Chris Noth) abends allein, damit er in Ruhe auf seinem Fitnessrad trainieren kann. Die stationären Fahrräder für zuhause haben während der Pandemie einen wahren Boom erlebt. Nach einer besonders intensiven Einheit mit seiner Lieblingstrainerin Allegra (der realen Trainerin Jess King) erleidet Mr. Big einen Herzinfarkt. Als Carrie später nach Hause kommt, findet sie ihn leblos auf dem Badezimmerboden. „Und dann war Mr. Big tot“, erzählt sie, „einfach so.“

Gleich nachdem die Folge bei HBO Max verfügbar war, ging angesichts des plötzlichen Todes einer der Hauptfiguren der Serie eine Schockwelle durch die sozialen Medien. Für die Hersteller der Fitnessräder geriet das Ganze zu einem PR-Albtraum, und sogar die Aktien von „Peloton“, einem führenden Fitnessgeräte-Hersteller in den USA, fielen nach der Premiere ab. Es gab aber auch, wie meistens bei solchen Gelegenheiten, eine Menge witziger Tweets.

In einem Interview mit Buzzfeed News drückte Peloton-Sprecherin Denise Kelly ihre Überraschung darüber aus, dass das Peloton-Fahrrad als „Todesfalle“ herhalten musste. Laut Kelly sei das Unternehmen einzig darüber unterrichtet worden, „dass in der Episode ein Fitnessrad verwendet werden würde und dass Jess King eine fiktive Trainerin darstellen würde.“

Dr. Suzanne Steinbaum, Kardiologin und Mitglied von Pelotons Gesundheits- und Wellnessbeirat, verteidigte in einer Erklärung gegenüber E! News rasch den Heimtrainer. „Ich bin mir sicher, dass die SATC-Fans, so wie ich, traurig darüber sind, dass Mr. Big an einem Herzinfarkt gestorben ist. Mr. Big führte jedoch einen Lebensstil, den viele als extravagant bezeichnen würden – mit Cocktails, Zigarren und großen Steaks. Zudem war er ernsthaft gefährdet, weil vorbelastet. Hatte er doch in Staffel 6 bereits einen Herzinfarkt erlitten. Wahrscheinlich waren dieser Lebensstil und vielleicht sogar eine familiäre Vorbelastung, die oftmals ein wichtiger Faktor ist, die Ursache für sein Ableben. Das Fahren auf dem Peloton-Rad hingegen könnte sogar dazu beigetragen haben, dass er überhaupt die erste Serienfolge erlebte“, sagte sie.

 
Mr. Big führte jedoch einen Lebensstil, den viele als extravagant bezeichnen würden – mit Cocktails, Zigarren und großen Steaks. Zudem war er ernsthaft gefährdet, weil vorbelastet. Dr. Suzanne Steinbaum
 

Am 12. Dezember, also nur 3 Tage nach der Freischaltung der Doppelfolge „And Just Like That“, veröffentlichte Peloton einen Werbespot mit Chris Noth und Jess King mit dem Titel „Unspoiler Alert“. Darin sitzen die beiden auf einer Couch und ermuntern sich gegenseitig, noch eine Runde auf ihren Heimtrainern zu drehen.

Der Schauspieler Ryan Reynolds kommentierte das Video auf seinem YouTube-Kanal und auf Twitter in sarkastischer Weise: „Und damit wurde die Welt daran erinnert, dass regelmäßiges Radfahren Herz, Lunge und Kreislauf anregt und trainiert und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Radfahren stärkt die Herzmuskulatur, vermindert den Ruhepuls und reduziert die Blutfettwerte.“ „Er lebt noch“, sagt Reynolds dann schnell, bevor die Anzeige zum Peloton-Logo überblendet wird.

 
Sport erhöht das Risiko eines Herzinfarkts geringfügig, aber wir ermutigen alle KHK-Patienten zu sportlicher Aktivität, weil der Nutzen viel größer ist als das Risiko, dabei einen Herzinfarkt zu erleiden. Dr. Daniel Luger
 

Dr. Daniel Luger, Kardiologe am Rush University Medical Center in Chicago, sprach mit Vulture über die Wahrscheinlichkeit, dass der Heimtrainer der Grund für Mr. Bigs Ableben ist. „Wenn eine koronare Herzkrankheit bekannt ist“, sagte Luger dem Magazin, „kann man jederzeit einen Herzinfarkt bekommen. Es ist nicht unrealistisch, dass er trainiert und dann einen Herzinfarkt bekommt. Sport erhöht das Risiko eines Herzinfarkts geringfügig, aber wir ermutigen alle KHK-Patienten zu sportlicher Aktivität, weil der Nutzen viel größer ist als das Risiko, dabei einen Herzinfarkt zu erleiden.“

 
Bewegung selbst verursacht kein kardiovaskuläres Ereignis. Dr. Daniel Luger
 

Letztlich stimmt Luger jedoch mit Steinbaum überein. „Bewegung selbst verursacht kein kardiovaskuläres Ereignis. Der Grund für das Ereignis ist, dass sein Cholesterinspiegel und sein Blutdruck schlecht eingestellt waren, dass er rauchte und dass er eine koronare Vorgeschichte hat. Alle seine kardiologischen Risikofaktoren hätten intensiv bearbeitet werden müssen, um ein solches Ereignis zu verhindern“, sagte er.

Nach der Veröffentlichung der nun viralen Anzeige stiegen die Peloton-Aktien wieder um 2,5%. Peloton kommentierte den Tweet von Reynolds schlicht mit: „Auf ein Neues ...“.

Die Firma Peloton gab übrigens inzwischen bekannt, dass der Werbespot mit Chris Noth in der Hauptrolle – aufgrund von Anschuldigungen gegen ihn wegen sexueller Übergriffe – zurückgezogen wurde.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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