Zahl Geimpfter steigt, nicht jedes Ziel erreicht; Drohen bald Malus-Regeln? Paxlovid® – was bringt die Pfizer-Pille?

Michael van den Heuvel 

Interessenkonflikte

27. Dezember 2021

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 27. Dezember 2021

Heute meldet das Robert Koch-Institut 13.908 Neuinfektionen innerhalb der letzten 24 Stunden. Vor einer Woche waren es noch 16.086 Positiv-Tests. Die 7-Tage-Inzidenz steigt im Vergleich zu gestern leicht auf 222,7 (280,3 Fälle pro 100.000 Einwohner am 23. Dezember). Weitere 69 Menschen Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 wurden gemeldet (Vorwoche: 119). Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 4,55 Fälle pro 100.000 Einwohner.  

„Während der Feiertage und zum Jahreswechsel ist bei der Interpretation der Fallzahlen zu beachten, dass zum einen meist weniger Personen einen Arzt aufsuchen und keine Screenings am Arbeitsplatz, in der Schule und in Kitas durchgeführt werden, dadurch werden weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt“, schreibt das RKI. 

Dies führe dazu, dass weniger Erregernachweise an die zuständigen Gesundheitsämter gemeldet würden. „Zum anderen kann es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und zuständigen Landesbehörden an allen Tagen an das RKI übermitteln. Dadurch kann es sein, dass nur ein unvollständiges Bild der epidemiologischen Lage abgebildet wird“, heißt es weiter. 

Laut DIVI-Intensivregister waren am 24. Dezember bundesweit 4.279 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 103 weniger als am Vortag. Aktuell sind 1.011 Betten im Low-Care- und 2.106 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 288 freie ECMO-Behandlungsplätze. 

  • Bundesregierung erreicht beim Impfen 1. Meilenstein

  • Mehrere Bundesländer verschärfen Regelungen

  • Impfpflicht: Malus-Regelung der Krankenkassen? 

  • Krankenhäuser auf wirtschaftlicher Talfahrt

  • Pädagogen wollen keine Präsenzunterricht um jeden Preis

  • USA: Notfallzulassung für Paxlovid® - 90% weniger Hospitalisierungen

Bundesregierung erreicht beim Impfen 1. Meilenstein

In Deutschland sind 58,9 Millionen Einwohner (70,8 % der Gesamtbevölkerung) vollständig geimpft. Mindestens 29,9 Millionen (35,9 %) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten. 

„Die Booster-Kampagne in Deutschland läuft auf Hochtouren“, sagt Prof. Dr. Karl Lauterbach. „Wir haben jetzt ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Darauf können wir alle stolz sein.“ 

Ein anderes Impfziel muss die Bundesregierung verschieben: Ursprünglich wollte sie bis 7. Januar eine Erstimpfquote von 80% erreichen. Dies wird aber länger als erwartet dauern. Zwar fanden an Weihnachten bundesweit mehrere Impfaktionen statt. Pläne gibt es auch für Silvester und Neujahr. Trotzdem öffnen die meisten Arztpraxen und etliche Impfzentren erst wieder zum 3. Januar. 

Mehrere Bundesländer verschärfen Regelungen

Ab heute greifen in vielen Regionen Deutschlands bereits strengere Regelungen

  • Mecklenburg-Vorpommern schließt Kinos, Theater, Museen, die Innenbereiche von Zoos, Schwimmbäder und andere Freizeiteinrichtungen. 

  • Brandenburg, Niedersachsen und Baden-Württemberg legen schon ab heute als Höchstgrenze für private Treffen 10 Personen fest – falls diese geimpft sind. Sind auch Ungeimpfte dabei, bleibt es bei bis zu 2 Menschen eines anderen Haushalts. Kinder unter 14 Jahren werden nicht mitgezählt.

  • In Baden-Württemberg gilt zudem eine Sperrstunde in der Gastronomie von 22.30 Uhr bis 5.00 Uhr morgens. 

Impfpflicht: Malus-Regelung der Krankenkassen? 

Auch während der Feiertage war die geplante Impfpflicht ein Thema der Politik. Bereits Anfang Dezember hatte die Kassenärztliche Vereinigung Berlin gefordert, Ungeimpfte an den Kosten stationärer Therapien zu beteiligen. Laut Wissenschaftlichem Dienstes der AOK summieren sich die Kosten einer intensivmedizinischen Therapie mit maschineller Beatmung auf 34.200 Euro. Bei ECMO werden im Schnitt 92.000 Euro fällig. 

„Wir sollten zusätzlich auch prüfen, ob Malus-Regelungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung möglich und sinnvoll wären“, sagt der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). „Denn das Risiko für Ungeimpfte, an Corona schwer zu erkranken, ist deutlich erhöht.“  

Am generellen Plan des verpflichtenden Schutzes zweifelt nicht einmal die Opposition. „Eine Impfpflicht wird die Spaltung der Gesellschaft eher überwinden als vertiefen“, hofft Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Geimpfte würden bemerken, „dass es nicht so schlimm ist, sich impfen zu lassen – sondern im Gegenteil sogar schützt und Freiheit gibt“, so der CSU-Politiker. 

Krankenhäuser auf wirtschaftlicher Talfahrt

Kliniken geht es wirtschaftlich so schlecht wie seit 20 Jahren nicht mehr – zu dem Ergebnis kommen Gesundheitsökonomen beim noch nicht veröffentlichten Krankenhausbarometer 2021. Der Redaktionsnetzwerk Deutschland liegen bereits wichtige Ergebnisse vor. Herausgeber ist die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). 

Demnach rechen 60% aller Klinken für 2021 mit wirtschaftlichen Verlusten. Das sind doppelt so viele Häuser wie in 2020. Nur 11% stufen ihre Situation momentan als „gut“ ein. Grund für die Entwicklung ist – wenig überraschend – die politische Vorgabe, Behandlungskapazitäten für COVID-19 freizuhalten. 

Durch die Pandemie verschärfe sich ein weiterer Trend, wird aus dem Report zitiert. Bundesweit fehlten mehr und mehr Pflegekräfte. 22.300 Pflegestellen seien momentan vakant. Seit 2016 entspricht dies laut DKG einer Verdreifachung der offenen Stellen.

Pädagogen wollen keine Präsenzunterricht um jeden Preis

Noch sind Weihnachtsferien in Deutschland. „Durch die Omikron-Variante verschärft sich die pandemische Lage massiv – auch an den Schulen“, erklärt der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, gegenüber dem Redaktionsnetzwerks Deutschland. Deshalb fordert Beckmann, dass sich die Kultusministerkonferenz schnell trifft und zusammen mit Virologen Konzepte entwickelt. Dabei dürfe auch Wechsel- oder gar Distanzunterricht „kein Tabu“ sein.

USA: Notfallzulassung für Paxlovid® - 90% weniger Hospitalisierungen

Bereits am 22. Dezember hat die US Food and Drug Administration (FDA) Paxlovid® von Pfizer (Nirmatrelvir/Ritonavir), ein Präparat zur oralen Anwendung, eine Notfallzulassung erteilt. Das Präparat kann laut Indikation Patienten mit leichtem bis mittelschwerem COVID-19 verordnet werden, nämlich Erwachsenen oder Jugendlichen ab 12 Jahren bei einem Körpergewicht von mindestens 40 kg. Die Patienten dafür sollten ein hohes Progressionsrisiko, einschließlich Hospitalisierung oder Tod, haben. „Paxlovid® sollte so bald wie möglich nach der Diagnose von COVID-19 und innerhalb von 5 Tagen nach Auftreten der Symptome eingeleitet werden“, schreibt die FDA. 

Die Europäische Arzneimittelagentur hat mit einer fortlaufenden Überprüfung begonnen. Zeitgleich wurden Empfehlungen veröffentlicht, um Mitgliedsstaaten bei der Entscheidung zu unterstützen, wer vom Präparat profitiert. Laut dieser Empfehlungen kann das Medikament in Notfallsituationen eingesetzt werden, etwa bei Erwachsenen, die keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Die Entscheidung liegt bei den nationalen Behörden. 

Grundlage der Empfehlung ist eine Studie, in der Patienten das Medikament bekommen haben, bei denen eine Klinikeinweisung noch nicht nötig war. Sie nahmen die Pille zu Hause 2mal täglich 5 Tagen lang ein. Der Wirkstoff bremst die Virenvermehrung.  Nach Angaben des Herstellers Pfizer wird die Gefahr einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes dadurch um fast 90% reduziert. Die FDA sieht in dem Medikament ein neues Tool, um zu „einem entscheidenden Zeitpunkt“, nämlich zum Auftreten neuer Varianten, COVID-19 besser bekämpfen zu können.

 

Kommentar

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