Gentest-Score zeigt, welche Frauen mit Brustkrebs in der Postmenopause eher nicht von einer Chemo profitieren

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

9. Dezember 2021

Eine neu veröffentlichte Studie zeigt, dass sich mit dem 21-Gen-Test (Oncotype DX) Frauen mit Brustkrebs selektieren lassen, die voraussichtlich nicht von einer adjuvanten Chemotherapie profitieren.

In der Studie profitierten Frauen in der Postmenopause mit einem Hormonrezeptor (HR)-positivem und HER2-negativem Mammakarzinom und 1 bis 3 positiven Lymphknoten bei einem medianen Follow-up von 5 Jahren dann nicht von einer adjuvanten Chemotherapie (im Vergleich zu alleiniger endokriner Behandlung), wenn der 21-Gen-Test (Oncotype DX ®) einen Recurrence-Score zwischen 0 und 25 ergeben hatte.

So kann diesen Frauen eine unnötige Chemotherapie – und deren Nebenwirkungen – erspart werden. Das Ergebnis war unabhängig von der Anzahl der betroffenen Lymphknoten, von Tumorgrad oder Tumorgröße.

Bei prämenopausalen Frauen war das Ergebnis jedoch anders: Sie profitierten auch bei einem Recurrence-Score unter 25 von einer adjuvanten Chemotherapie.

Dies ergab die prospektive RxPONDER-Studie (Rx for Positive Node, Endocrine Responsive Breast Cancer), die vom SWOG Cancer Research Network durchgeführt, vom US-amerikanischen National Cancer Institute finanziert und nun im New England Journal of Medicine publiziert worden ist [1].

Erstautor Prof. Dr. Kevin Kalinsky, Glenn Family Breast Center am Winship Cancer Institute der Emory University, Atlanta, hatte erste Ergebnisse der Studie im Dezember 2020 beim San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt ( Medscape berichtete).

 
Diese praxisverändernden Ergebnisse belegen definitiv, dass postmenopausalen Frauen mit dieser häufigen Form von Brustkrebs eine unnötige Chemotherapie erspart … werden kann. Prof. Dr. Kevin Kalinsky
 

Sein Fazit in einer Pressemitteilung des Herstellers lautete: „Diese praxisverändernden Ergebnisse belegen definitiv, dass postmenopausalen Frauen mit dieser häufigen Form von Brustkrebs eine unnötige Chemotherapie erspart und stattdessen mit einer Hormontherapie als alleiniger Therapie geholfen werden kann. Bei Frauen, die vor der Menopause mit Brustkrebs diagnostiziert werden und von einer Chemotherapie profitieren können, helfen die Daten, Risiko und Nutzen einer Chemotherapie individuell abzuwägen.“

Genanalyse ermöglicht Aussage zum Rezidivrisiko

Die Entwicklung von prognostischen Assays zur Genanalyse ermöglicht eine genauere Abschätzung des Rezidivrisikos bei Frauen mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Mammakarzinom ohne Lymphknotenbefall.

Bei etwa einem Drittel der Frauen mit HR-positivem, HER2-negativem Mammakarzinom im Frühstadium sind jedoch bereits Lymphknoten befallen. Standardmäßig werden derzeit die meisten Frauen mit Lymphknotenbefall nach der Operation mit einer adjuvanten Chemotherapie behandelt.

Bislang war unklar, welchen Nutzen der mit dem Oncotype-DX®-Test erhobene Recurrence-Score bei Frauen mit Lymphknotenbefall hat.

In der prospektiv-retrospektiven SWOG-S8814-Studie war gezeigt worden, dass bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall eine Chemotherapie zusätzlich zu Tamoxifen bei einem Recurrence-Score unter 18 keinen Nutzen hatte, dass sie aber bei einem Score ab 31 das Überleben verbesserte.

Unklar war der Nutzen der Chemotherapie vor allem bei Frauen mit einem Score zwischen 18 und 30. Diese Frage sollte die RxPONDER-Studie klären.

Aussagekraft des Recurrence-Scores bei Lymphknotenbefall

In der prospektiven Studie wurden 5.018 Frauen mit HR-positivem, HER2-negativem Brustkrebs, 1 bis 3 befallenen axillären Lymphknoten und einem Recurrence-Score von 25 oder weniger nach der Operation randomisiert mit endokriner und Chemotherapie oder nur mit endokriner Therapie behandelt.

33% der Frauen waren prämenopausal, 67% postmenopausal. Prämenopausale Frauen erhielten als Chemotherapie vorwiegend ein Taxan und ein Anthracyclin, postmenopausale Frauen ein Taxan plus Cyclophosphamid.

Primäres Ziel der Studie war es, den Effekt der Chemotherapie auf das invasive krankheitsfreie Überleben (IDFS) und den Einfluss des Recurrence-Scores hierauf zu bestimmen. Zu den sekundären Endpunkten gehörte das Fernmetastasen-freie Überleben.

Bei postmenopausalen Frauen betrug das invasive krankheitsfreie Überleben nach 5 Jahren medianer Nachbeobachtungszeit 91,9% bei endokriner Therapie und 91,3% bei chemo-endokriner Therapie. Es zeigte sich also kein Nutzen der zusätzlichen Chemotherapie. Die Hazard Ratio (HR) für eine erneute invasive Erkrankung, ein neues Karzinom oder Tod lag bei 1,02 (p=0,89).

Dieser Effekt war unabhängig vom Alter, von Schweregrad und Größe des Tumors sowie von der Zahl der befallenen Lymphknoten.

Bei prämenopausalen Frauen betrug das invasive krankheitsfreie Überleben nach 5 Jahren 89,0% bei endokriner Behandlung und 93,9% bei chemo-endokriner Therapie (HR 0,60; p=0,002). Dieser Effekt war in allen Subgruppen nachweisbar, nur bei Frauen über 50 Jahren war er schwächer (HR 0,98).

Auch das Risiko für das Fernmetastasen-freie Überleben nahm bei chemo-endokriner Therapie ab (HR 0,58; p=0,009). Der relative Nutzen der Chemotherapie nahm jedoch mit steigendem Recurrence-Score nicht zu.

 

Kommentar

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