Reanimationen unter besonderen Umständen: Lancet-Review gibt Tipps, was bei Asphyxie, Trauma oder Schwangeren zu beachten ist

Maria Weiß

Interessenkonflikte

3. Januar 2022

Ein akuter Herzstillstand ist nicht immer primär kardial bedingt, sondern kann auch unter zahlreichen anderen Umständen auftreten. Ein internationales Team von Intensivmedizinern hat in einem Review in The Lancet zusammengetragen, was in solchen Fällen bei der kardiopulmonalen Wiederbelebung an Besonderheiten zu beachten ist [1]

Bei einem primär kardial bedingten Herzstillstand (z.B. durch Kammerflimmern) ist die Sache relativ klar – eine sofortige Herdruckmassage oder ein Schock mit dem Defibrillator bietet die besten Überlebenschancen. Besondere Umstände können aber weitere oder adaptierte Maßnahmen erforderlich machen.

Asphyxie

Eine schwere Hypoxämie ist für etwa ein Drittel der Herzstillstände verantwortlich. 1 bis 2 Minuten nach dem Atemstillstand sinkt die Sauerstoffsättigung unter 56%, und der Patient verliert das Bewusstsein – nach 4 bis 11 Minuten bleibt das Herz stehen. 

Schwere Hirnschäden sind in diesem Fällen häufiger als bei rein kardialem Herzstillstand, was die Behandelnden immer im Hinterkopf haben sollten. Eine Hypothermie mit einer konstanten Körpertemperatur von 33 bis 36°C wird zur Prävention von Hirnschäden empfohlen.

Trauma

Ein Herzstillstand nach einem schweren Trauma kann zahlreiche Ursachen wie Asphyxie, Blutung, Spannungspneumothorax oder perikardiale Tamponade haben. Bei Hypovolämie, Spannungspneumothorax und kardialer Tamponade ist die sonst bei Herzstillstand übliche Thoraxkompression wenig effektiv. 

Rasche Blutungskontrolle, Volumenersatz und Dekompressionsmaßnahmen können im Vordergrund stehen. Danach erfolgt auch hier die übliche kardiovaskuläre Wiederbelebung (CPR) – ggf. auch eine direkte Herzmassage bei geöffnetem Thorax.

Lungenembolie

2 bis 5% aller Herzstillstände werden durch eine Lungenembolie verursacht. Daran denken sollte man vor allem bei bekannter venöser Thrombose und einem initial nicht schockbaren Rhythmus. 

Bei diesen Patientinnen und Patienten ist die Thrombolyse die wichtigste Maßnahme – bei Kontraindikationen oder Ineffektivität die Thrombektomie. Falls möglich sollte eine extrakorporale kardiopulmonale Wiederbelebung (eCPR) während dieser Maßnahmen erfolgen.

Unterkühlung

Bei akzidentieller Hypothermie (Kerntemperatur unter35°C) muss mittels EKG, CO2-Bestimmung und Echokardiogramm schnell entschieden werden, ob eine CPR erforderlich ist. Bei einem Herzstillstand sind Defibrillation und Adrenalin oft wirkungslos. 

Entscheidend für das Überleben ist der sofortige Transport in eine Klinik, die die erforderliche langsame Aufwärmung mittels extrakorporaler Unterstützungsmaßnahmen in die Wege leitet. 

Anaphylaxie

Bei einem Herzkreislaufstillstand im Rahmen einer schweren anaphylaktischen Reaktion ist die sofortige und ggf. auch wiederholte intramuskuläre Injektion von Adrenalin die entscheidende lebensrettende Maßnahme.

COVID-19

Ein Herzstillstand im Rahmen einer schweren COVID-19-Erkrankung kann durch eine ausgeprägte Hypoxämie oder im Rahmen eines Multiorganversagens erfolgen. Hier muss die Infektionsgefahr für die Ersthelfer insbesondere bei der Thoraxkompression und Maskenbeatmung berücksichtigt werden. Eine frühe Defibrillation ist möglicherweise sicherer für Helfende. Auf der anderen Seite kann das Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung das Wiederbelebungsmaßnahmen verzögern und behindern.

Schwangerschaft

Ursachen können Blutungen, kardiale Vorerkrankungen, Thromboembolien, Epilepsien, Sepsis, Fruchtwasserembolien und Anästhesie-Komplikationen sein. Bei der CPR sind 3 wichtige Punkt zu beachten: 

  1. Im dritten 3. Trimester muss die Hand zur Herzdruckmassage etwa 6 cm weiter kranial aufgelegt werden.

  2. Der Uterus sollte im 3. Trimester während der Thoraxkompression manuell nach links verlagert werden, um eine Kompression der V. cava zu vermeiden.

  3. Sind die Wiederbelebungsmaßnahmen innerhalb von 5 Minuten nicht erfolgreich, kann eine Notfall-Hysterotomie Mutter und Kind retten. Vorbereitungen sollten frühzeitig getroffen werden, da jede Minute zählt.  

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Coliquio.de .

 

Kommentar

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