Allergietest ungenügend: Standard-Test-Panels übersehen viele Allergene bei Kontaktdermatitis. Fragen Sie auch nach dem Beruf!

Marcia Frellick

Interessenkonflikte

30. November 2021

Bei Patienten mit allergischer Kontaktdermatitis nutzt eine Standard-Screening mit Epikutan-Tests (Patch-Tests), die auf bis zu 70 Allergene testen, nur begrenzt. Einer Studie zufolge, die in JAMA Dermatology publiziert wurde, können dabei viele Allergene übersehen werden [1].

Prof. Dr. Erin M. Warshaw

Die Querschnittsstudie unter Leitung von Prof. Dr. Erin M. Warshaw, Dermatologin an der University of Minnesota, Minneapolis, USA, hat ergeben, dass es für das Management und die Diagnose der Erkrankung entscheidend ist, das Screening um weitere Allergene zu ergänzen. Und zwar besonders um solche, die mit persönlichen Pflegeartikeln oder Produkten am Arbeitsplatz zusammenhängen.

 
Die allergische Kontaktdermatitis ist heilbar. Prof. Dr. Erin M. Warshaw
 

Von 43.417 Patienten, die an verschiedenen Zentren in Nordamerika mit Patch-Tests der Standard-Screening-Serie der North American Contact Dermatitis Group (NACDG) untersucht wurden, hatten 9.507 (21,9%) eine oder mehr zum jeweiligen Zeitpunkt relevante Reaktionen auf zusätzliche Allergene oder Substanzen.

Prof. Dr. Craig A. Elmets

Von denen, die Reaktionen auf hinzugefügte Allergene hatten – 69,5% davon waren Frauen – hatten 2.447 Personen (25,7%) keine derzeit relevanten Reaktionen auf Allergene in den NACDG-Screening-Serien.

Meistverwendeter Test noch weniger umfangreich

Warshaw berichtete gegenüber Medscape, dass der am häufigsten in dermatologischen Praxen in Nordamerika verwendete Patch-Test der T.R.U.E (Thin-Layer Rapid-Use Epicutaneous)-Test ist. Er testet lediglich auf 35 Allergene – halb so viele wie der der NACGD.

Die Autoren berichten, dass kleine Panels wie T.R.U.E „bei 72% der Patienten eine oder mehrere klinisch relevante positive Reaktionen übersehen, die durch zusätzliche Tests erfasst werden“.

Werden Allergene übersehen, leiden die Patienten weiter an Symptomen wie denen einer Reaktion auf giftiges Efeu, sagte Warshaw. „Im Prinzip leben sie mit giftigem Efeu und haben monate-, ja jahrelang extremen Juckreiz, bevor sie wirklich einen umfassenden Patch-Test erhalten. Während dieser Zeit nehmen sie Ausgaben für medizinische Leistungen auf sich“, sagte sie.

 
Unser einziges Testverfahren, um das Allergen herauszufinden, ist der Epikutantest. Prof. Dr. Erin M. Warshaw
 

Einige Versicherer limitierten die Zahl getesteter Allergene auf 80, so Warshaw. Dies bringt einem signifikanten Prozentsatz von Patienten mit allergischer Kontaktdermatitis nichts, wie diese Studie zeigt.

„Die allergische Kontaktdermatitis ist heilbar“, merkte Warshaw an. „Unser einziges Testverfahren, um das Allergen herauszufinden, ist der Epikutan-Test.“

Sie rief dazu auf, für umfassendere Testungen einzutreten, spezialisierte Zentren, die die Tests durchführen, zu unterstützen und Versicherer dazu zu drängen, die Kosten zu erstatten, „weil wir diese medizinischen Folgekosten genau wie das Leid der Patienten verhindern können“.

Allergene am Arbeitsplatz und zu Hause

Reaktionen auf zusätzliche Allergene standen bei 16,9% der Patienten im Zusammenhang mit ihrer Beschäftigung – vor allem bei denen, die in der Fertigungspräzision oder im Handwerk arbeiten oder Reparaturen vornehmen, ferner im Maschinen- und Stahlbau oder bei Hilfsarbeitern.

„Screening-Serien sind für das Screening in der Allgemeinbevölkerung vorgesehen“, so die Autoren. „Weil Expositionen am Arbeitsplatz und die verantwortlichen Allergene stark zwischen den Berufsgruppen variieren, sind Patch-Tests mit Zusatzserien, etwa Flüssigkeiten aus der Metallverarbeitung oder Friseur-Serien, oder mit Arbeitsplatz-Materialien indiziert.“

Zu den häufigen Lokalisationen der Dermatitis bei Patienten mit Reaktionen auf hinzugefügte Allergene gehörten:

  • das Gesicht (30,1%),

  • die Hände (21,4%) sowie

  • eine diffuse/generalisierte Verteilung (17,3%).

Häufige Quellen zusätzlicher Allergene umfassten:

  • persönliche Pflegeprodukte (51,4%) und

  • Kleidung/Berufskleidung (18,1%).

Wie viele Allergene sollen getestet werden?

Warshaw sagte, es gebe keine „magische Zahl“ an Allergenen, die insgesamt geprüft werden sollten. Doch die Demografie der Patienten bietet Hinweise.

Zum Beispiel sollte ein Friseur mit Hand-Dermatitis, der Handschuhe trägt, auf Allergene in Haarpflegeprodukten und Gummi getestet werden, während ein Kind mit Fuß-Dermatitis auf Klebstoffe und Leder-Farbstoffe in Schuhen untersucht werden sollte.

 
Das Standard-Set von Reagenzien, die benutzt werden, wird Dinge übersehen, die bei 20 bis 30% der Patienten Allergien auslösen. Prof. Dr. Craig A. Elmets
 

Prof. Dr. Craig A. Elmets, Dermatologe an der University of Alabama, Birmingham, USA, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte gegenüber Medscape, dass die meisten Versicherer in Alabama nur für bis zu 65 Allergene die Kosten erstatten. Werden mehr Tests nötig, könne das in mehr Zuzahlungen für die Patienten resultieren.

Elmets sehe oft Patienten mit allergischem Ekzem, und Patch-Tests konnten das Problem nicht genau erkennen.

„Diese Veröffentlichung bestätigt eine Menge Dinge, die jeder vermutet hat“, sagte er. „Das Standard-Set von Reagenzien, die benutzt werden, wird Dinge übersehen, die bei 20 bis 30% der Patienten Allergien auslösen.“ Gold sei eines der Allergene, die bei der Standarduntersuchung fehlten, doch viele Patienten reagierten darauf.

Als Limitation der Studie führten die Autoren an, dass pro Patient nur die Quelle eines zusätzlichen Allergens oder eine Substanz erfasst wurde. Waren mehrere Befunde positiv, wurde nur der klinisch relevanteste festgehalten.

Dieser Artikel wurde von Dr. Bianca Bach aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....