28 Tage Fischöl-Kapseln, hochdosiert: PREPARE-IT 2-Studie liefert „interessante“ Ergebnisse bei COVID-19-Erkrankten

Interessenkonflikte

22. November 2021

Eine hohe Dosis der gereinigten Form von Eicosapentaensäure, Icosapent-Ethyl (Vascepa®, Hersteller Amarin), konnte in der PREPARE-IT 2-Studie Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle bei mit COVID-19 infizierten Patienten nicht signifikant reduzieren.

Die Studie zeigte jedoch einen positiven Trend mit einem Rückgang des primären Endpunkts – Tod oder Krankenhauseinweisung – um 16%. Alle sekundären Endpunkte wurden ebenfalls numerisch reduziert, doch keiner erreichte statistische Signifikanz.

Das Präparat wurde auch über die 28 Tage des Studienzeitraums gut vertragen. Obwohl eine neue, hoch angesetzte Initialdosis verwendet wurde, kam es zu keiner Zunahme von Vorhofflimmern, Blutungen oder anderen unerwünschten Ereignissen im Vergleich zu Placebo; obwohl die Rate an Abbrechern in der Interventionsgruppe leicht erhöht war.

Die Studie wurde am von Dr. Rafael Díaz, Direktor von Estudios Clínicos Latinoamérica in Rosario, Argentinien, auf den Scientific Sessions der American Heart Association (AHA) vorgestellt [1].

„Größere, randomisierte Studien, die auf eine relative Risikoreduktion von etwa 15% mit Icosapent-Ethyl abzielen, sind jetzt erforderlich, um festzustellen, ob das Mittel eine Rolle bei der Behandlung von COVID-positiven ambulanten Patienten spielen kann“, schloss Díaz.

„Faszinierende Signale“

Dr. Manesh Patel, Leiter der Abteilung für Kardiologie und Co-Direktor des Herzzentrums an der Duke University in Durham, North Carolina, und Vorsitzender des wissenschaftlichen Programms der Scientific Sessions, kommentierte die Studie mit den Worten: „Es gibt zweifellos einige interessante Signale.“

„Ich denke, der Trend ist wertvoll – doch brauchen wir eine größere Studie, um einen Nutzen zu bestätigen? Das zu entscheiden, überlasse ich der klinischen Gemeinschaft“, fügte Patel hinzu. „Doch es ist schwierig, eine Studie durchzuführen, um diese Antwort zu erhalten. Auch hat sich die Welt von COVID-19 seit Beginn dieser Studie verändert, weil jetzt Impfstoffe verfügbar sind und neue Therapeutika auf den Markt kommen. Es wird also konkurrierende Optionen geben.“

 
Ich denke, der Trend ist wertvoll – doch brauchen wir eine größere Studie, um einen Nutzen zu bestätigen? Dr. Manesh Patel
 

Prof. Dr. Erin Michos, außerordentliche Professorin für Medizin in der Abteilung für Kardiologie an der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore, Maryland, erläuterte die Studie auf einer AHA-Pressekonferenz: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Tendenz in die richtige Richtung geht, aber sie erreichen keine statistische Signifikanz, vor allem weil es weniger Ereignisse gab als erwartet. Aufgrund der breiten Einführung von Impfstoffen gehen die COVID-19-assoziierten Krankenhausaufnahmen zurück, was bedeutet, dass diese Studie ihren Endpunkt nicht ganz erreicht hat.“

Aber sie fügte hinzu: „Erfreulicherweise gab es auch bei der höheren Initialdosis kein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, wenn es nur 28 Tage lang angewendet wurde, und auch kein erhöhtes Blutungsrisiko, so dass die Sicherheit sehr gut war.“

 
Wir brauchen eine größere Studie, um wirklich eindeutig zu zeigen, ob Icosapent-Ethyl ambulanten Patienten mit COVID-19 helfen kann oder nicht. Prof. Dr. Erin Michos
 

„Wir brauchen eine größere Studie, um wirklich eindeutig zu zeigen, ob Icosapent-Ethyl ambulanten Patienten mit COVID-19 helfen kann oder nicht. Aber ich denke, eine bessere Präventionsstrategie wäre die breite Einführung von Impfungen weltweit“, schloss Michos.

„Eine ziemlich große Herausforderung“

Prof. Dr. Donald Lloyd-Jones, Präsident der AHA und Diskutant der Late Breaking Science Session, beglückwünschte die Forscher zur Durchführung „einer sehr schönen pragmatischen Studie mitten in der COVID-19-Pandemie“.

 
Eine bessere Präventionsstrategie wäre die breite Einführung von Impfungen weltweit. Prof. Dr. Erin Michos
 

Lloyd-Jones kam zu dem Schluss, dass das breite Spektrum potenziell positiver Wirkungen von Icosapent-Ethyl – einschließlich blutfettsenkender-, entzündungshemmender, antioxidativer und antithrombotischer Wirkungen – zu der Möglichkeit führt, dass es bei COVID-19 helfen könnte, aber er fügte hinzu: „Das ist eine ziemlich große Herausforderung für ein Fischölpräparat, das kurzfristig verabreicht wird.“

Bei der Vorstellung der Studie wies Díaz darauf hin, dass es nur begrenzte Möglichkeiten für die ambulante Behandlung von Patienten mit einer COVID-19-Infektion gibt, und dass man davon ausgeht, dass Entzündungen eine wichtige Rolle bei der Verschlimmerung der Infektion spielen.

 
Wir brauchen eine größere Studie, um wirklich eindeutig zu zeigen, ob Icosapent-Ethyl ambulanten Patienten mit COVID-19 helfen kann oder nicht. Prof. Dr. Erin Michos
 

Er ergänzte, dass frühere Daten eine potenzielle Rolle von Omega-3-Fettsäuren bei der Verringerung von Entzündungen und Infektionen belegen und dass Icosapent-Ethyl in der REDUCE-IT-Studie eine Verringerung schwerer kardiovaskulärer Ereignisse gezeigt hat, wobei der Mechanismus vermutlich auf entzündungshemmende Wirkungen zurückzuführen ist ( Medscape berichtete ).

In der ersten Studie zur Untersuchung der Rolle von Icosapent-Ethyl bei COVID-19, PREPARE-IT, verhinderte das Produkt nicht, dass sich nicht infizierte Personen mit COVID-Risiko mit dem Virus ansteckten, aber es gab keine Zunahme der Nebenwirkungen im Vergleich zu Placebo bei der Anwendung über einen Zeitraum von 60 Tagen.

Eine kleine Studie, die im vergangenen Jahr an 100 COVID-19-positiven Patienten durchgeführt wurde, hatte gezeigt, dass Icosapent-Ethyl den Entzündungsmarker C-reaktives Protein (CRP) reduziert und auch die Symptome verbessert.

Webbasierte Studie mit über 2.000 Patienten

PREPARE-IT 2, eine pragmatische webbasierte Studie, wurde durchgeführt, um zu untersuchen, ob Icosapent-Ethyl bei nicht hospitalisierten Patienten mit einer positiven Diagnose von COVID-19 die Hospitalisierungsrate und Komplikationen reduzieren kann.

An der Studie nahmen 2.052 Patienten (Durchschnittsalter 50 Jahre) teil, von denen 1.010 der Interventionsgruppe und 1.042 der Placebogruppe zugeteilt wurden.

Zu den Einschlusskriterien gehörten Personen ab 40 Jahren mit einer bestätigten COVID-19-Diagnose, bei denen die Symptome nicht länger als 7 Tage zurücklagen und keine eindeutige Indikation für einen Krankenhausaufenthalt vorlag.

Die Patienten, die der Interventionsgruppe zugeteilt wurden, erhielten in den ersten 3 Tagen 8g Icosapent-Ethyl (4 Kapseln alle 12 Stunden, morgens und abends) und danach 4g (2 Kapseln alle 12 Stunden) (Tage 4-28).

Der primäre Endpunkt, COVID-19-bedingte Krankenhausaufenthalte (Indikation für Krankenhausaufenthalt oder Klinikaufenthalt) oder Tod nach 28 Tagen, trat bei 11,16% der Interventionsgruppe und 13,69% der Placebogruppe auf, was einer Hazard Ratio (HR) von 0,84 entspricht (95% KI 0,65-1,08; p=0,166).

Bei den sekundären Endpunkten zeigten sich ähnliche positive Trends, von denen jedoch keiner signifikant war. Dazu gehörten: Tod oder Krankenhausaufenthalt nach 28 Tagen (HR 0,74), schwerwiegende Ereignisse (Myokardinfarkt, Schlaganfall, Tod; HR 0,38) und Gesamtmortalität (HR 0,52).

In Bezug auf die Sicherheit gab es keinen signifikanten Unterschied in der Gesamtzahl der unerwünschten Ereignisse zwischen den beiden Gruppen (16,5% in der Interventionsgruppe gegenüber 14,8% in der Placebogruppe). Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren Verstopfung (2,7%), Durchfall (7,2%) und Übelkeit (4%), die sich jedoch nicht signifikant von Placebo unterschieden. Allerdings gab es in der aktiven Gruppe mehr Abbrüche (7% gegenüber 4%).

Diaz wies darauf hin, dass die PREPARE-IT 2-Studie im Mai 2020 begonnen wurde, als noch nicht viel über COVID-19 bekannt war und es noch keine Impfstoffe oder Behandlungen gab, so dass die Hospitalisierungsraten hoch waren.

„Wir hatten gehofft, mit Icosapent-Ethyl die Zahl der Krankenhausaufenthalte um 25 bis 30% senken zu können, und die Studie war auf diese Art von Verringerung ausgelegt, aber heute wissen wir, dass wir mit einer bescheideneren Verringerung um etwa 15% rechnen können“, schloss Díaz. „Aber um das zu beweisen, brauchen wir eine viel größere Studie mit 8.000 oder 9.000 Patienten, und das wird sehr viel schwieriger zu bewerkstelligen sein.“

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

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