Doppelbilder, Unsicherheit und Koordinationsstörungen: Wie helfen Sie diesem 25-jährigen, ansonsten recht fitten Mann?

Sumaira Nabi, Shahzad Ahmed, Fateen Rashid, Mazhar Badshah

Interessenkonflikte

22. November 2021

Eine INO kann ein- oder beidseitig auftreten. Die häufigste Ursache bei älteren Menschen ist der Schlaganfall. Bei jungen Patienten mit ein- oder typischerweise auch beidseitiger INO ist die multiple Sklerose (MS) die häufigste Ursache mit einer Inzidenz von 34% [6]. Bei 15% bis 38% der MS-Patienten wird die INO symptomatisch [7,8]. Forscher nehmen an, dass der Fasciculus longitudinalis medialis aufgrund seiner periventrikulären Lage anfälliger für eine entzündliche Demyelinisierung im Rahmen der MS ist.

Andere ungewöhnliche Ursachen sind Kopftraumata, Tumore, infektiöse Läsionen (z.B. Tuberkulome), ein Hydrozephalus, die Arnold-Chiari-Malformation, eine transtentorielle Herniation, Hirnblutungen, Veneninfarkte, subdurale Hämatome und eine Vaskulitis, wie etwa im Rahmen eines systemischem Lupus erythematodes [6,9,10].

Lhermitte [11] prägte 1922 den Begriff „Ophthalmoplegia internuclearis“. Bei der weiteren Erforschung der Augenbeteiligung im Rahmen einer MS wurden weitere, eng verwandte Syndrome entdeckt: die „wall-eyed“ uni- bzw. monolaterale INO (WEMINO), die „wall-eyed“ bilaterale INO (WEBINO) und das Eineinhalb-Syndrom [1].

Das WEMINO-Syndrom ist durch eine INO mit Exotropie auf derselben Seite gekennzeichnet. Dieses Syndrom ist ebenfalls auf eine Verletzung des FLM zurückzuführen, kommt jedoch seltener vor [12].

Das WEBINO ist ebenfalls eine seltene INO-Variante, bei der es zu beidseitigen Adduktionsdefiziten und einer beidseitigen Exotropie in der primären Blickposition aufgrund einer Störung der Konvergenzbahnen kommt. Als Ursache wird eine Läsion des Mittelhirns vermutet, die beide Teilkerne für die Mm. rectus mediales und die FLM betrifft. Manche Autoren halten es jedoch eher für ein pontines als für ein Mittelhirnsyndrom [13].

Das Eineinhalb-Syndrom ist das Ergebnis einer Verletzung der PPFR und/oder des Nucl. abducens und des ipsilateralen FLM. Bei Augenbeweglichkeitstests bleiben die vertikalen Augenbewegungen intakt, während beim horizontalen Blick nur eine Abduktion des kontralateralen Auges möglich ist. Es handelt sich also um eine konjugierte Lähmung des horizontalen Blicks in einer Richtung mit einer INO in der anderen Richtung. Es werden mehrere Ursachen genannt, wobei in 9,1% der Fälle die MS eine ursächliche Rolle spielt [1].

Die INO wird in der Regel über die neurologischen Ausfallerscheinungen bei der Untersuchung diagnostiziert, also eine Adduktionsschwäche des betroffenen Auges mit einem Nystagmus des kontralateralen abduzierenden Auges. Leichtere Fälle mit diskreten Befunden können bei der klinischen Untersuchung oft übersehen werden. Solche Befunde lassen sich dann mithilfe spezieller Techniken wie über ein optokinetisches Band und die Nystagmografie aufdecken [14,15].

Bei allen INO-Patienten muss ein kraniales MRT mit Kontrastmittel veranlasst werden. Ein Schlaganfall und ein Tumor lassen sich damit gut erkennen. Bei einer MS weisen jedoch nur 57,1% der Patienten charakteristische Läsionen im MRT auf [1]. Die Protonendichten-Gewichtung gilt als empfindlicher beim Nachweis von Läsionen.

Eine weitere differenzialdiagnostische Erwägung gilt der Pseudo-INO, wie sie bei Patienten mit Myasthenia gravis oder Guillain-Barré-Syndrom vorkommen kann [16,17].

Kommentar

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