Macht Bildung willig? Wovon die Impfbereitschaft von Müttern und Vätern abhängt

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

17. November 2021

Bei den meisten Eltern minderjähriger Kinder besteht einer Umfrage zufolge bei gleichzeitigem Vertrauen in nicht evidenzbasierte Behandlungsmethoden wie der Homöopathie Unsicherheit hinsichtlich der Risiken und Nebenwirkungen einer COVID-19-Impfung [1].

Mütter sind weniger als Väter bereit, sich und ihre Kinder impfen zu lassen. Die Neigung zu Verschwörungstheorien geht mit der Ablehnung der Impfung einher. Ausserdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Impfbereitschaft und Schulbildung. 

Telefonische Befragung zur Impfbereitschaft

Ende Mai dieses Jahres genehmigte die Europäische Arzneimittelagentur die Zulassung des COVID-19-Impfstoffs von BionTech/Pfizer für Kinder ab 12 Jahren. Die Impfentscheidung bei Minderjährigen liegt bei den Eltern.

In der vorliegenden Studie wurde die Impfbereitschaft von Eltern minderjähriger Kinder und von Personen ohne minderjährige Kinder untersucht, wobei mehrere relevante Faktoren, insbesondere Geschlechtsunterschiede, berücksichtigt wurden. 

Die Forscher befragten zwischen 12.11.2020 und 10.12.2020 2014 Bürgern (50,8 % weiblich, 49 % männlich und 0,1 % divers; Altersspanne 18 bis 95, medianes Alter 52) am Telefon. Die aktuelle Studie beschränkte sich auf die Teilstichprobe von Personen mit minderjährigen Kindern im Haushalt (n = 461); verglichen wurde die Gruppe der Eltern mit Personen ohne minderjährige Kinder.

Höhere Bildung – höhere Impfbereitschaft

Die Forscher kamen zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Bereitschaft, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen, steigt mit dem Alter.

  • Eine eher geringe Bereitschaft geht einher mit einer erhöhten und unrealistischen Wahrnehmung schwerwiegender Nebenwirkungen.

  • Bei der individuellen Risikoeinschätzung einer Corona-Erkrankung bestehen Unsicherheiten. Über die Hälfte der Befragten konnte die langfristigen Konsequenzen von COVID-19 nur schwer einschätzen. 

  • Personen mit hohen Zustimmungswerten zu (impf-)verschwörungs-theoretischen Aussagen zeigten eine geringe Impfbereitschaft. 

  • Eltern, die sich eher oder sicher nicht impfen lassen wollten (n = 204), nannten als Gründe am häufigsten die Angst vor Nebenwirkungen (34,6 %) und den Glauben an die Ungefährlichkeit des Coronavirus für sie selbst (12,8%). 

  • Männer (37,9 %) hielten das Coronavirus häufiger für ungefährlich als Frauen (22,2%). 

  • Frauen (88 %) nannten signifikant häufiger als Männer (64,4 %) Nebenwirkungen als Grund für ihre Ablehnung.

  • Die Zuverlässigkeit des Impfschutzes ist der Befragung zufolge für Frauen (51,5%) signifikant bedeutsamer als für Männer (26,6%). 

  • Die Impfbereitschaft der Eltern steigt mit dem Schulabschluss (Impfbereitschaft bei Abitur: 61,6 %, mittlere Reife: 49,4 %, Hauptschulabschluss: 45,9%). Ausnahme dieser Regel war die Impfbereitschaft bei Fachhochschulreife (41,8%).

  • Die Impfbereitschaft war bei Befragten mit Hochschulabschluss (70,9%) signifikant höher als bei Befragten ohne Hochschulabschluss (48,5%). 

  • In der Gesamtstichprobe war mit Ablehnung „alternativer Heilmethoden“ eine signifikant höhere Impfbereitschaft verbunden.

  • Ein signifikanter Zusammenhang bestand auch zwischen der Haltung zur Homöopathie und der eigenen Impfbereitschaft: Wird Homöopathie befürwortet, ist die Impfbereitschaft geringer. Auch in der Teilstichprobe der Eltern zeigte sich dieser Zusammenhang. Unter Eltern hatten Frauen signifikant häufiger eine positive Haltung zur Homöopathie als Männer, die häufiger gar nichts davon hielten. 

  • Ein gewisses Vertrauen in nicht evidenzbasierte Methoden wie der Homöopathie zeigte sich insbesondere bei höher gebildeten Eltern mit höherem sozialen Status. 

Leicht verständliche Informationen zur Impfung nötig

Bei Eltern und insbesondere Müttern sei eine erhebliche Fehleinschätzung von Impfrisiken und häufig ein Glaube an Impfverschwörungstheorien zu beobachten, so das Team um Erstautorin Amelie Altenbuchner, Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung, Regensburg Center of Health Sciences and Technology.

Um die Impfbereitschaft zu erhöhen, empfehlen Altenbuchner und ihre Kollegen anschauliche und leicht verständliche Informationen über die Wirkung und Nebenwirkungen der Impfung mit einem COVID-19-Vakzin durch zuständige Institutionen und Ärzte. Die Impfberatung sollte „faktenbasiert“ sein. Bei der Risikokommunikation könnten spezielle Grafiken das Verständnis numerischer Werte verbessern.

Wie das in diesem Zusammenhang so wichtige Vertrauen in die Wissenschaft, ihre Vertreter, in Behörden und in Politiker erhöht werden kann, wird von den Autoren nicht thematisiert. 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Univadis.de .

 

Kommentar

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