„Pille – nein danke“ – immer weniger junge Frauen nehmen orale Kontrazeptiva

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

16. November 2021

Der Anteil junger Frauen, die mit der Antibabypille verhüten, nimmt immer weiter ab. Das geht einer aktuellen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Danach bekam im Jahr 2020 ein Drittel der weiblichen 14- bis 19-Jährigen die Antibabypille verordnet. Vor 5 Jahren lag dieser Wert laut TK noch bei 44%.

Starker Rückgang bei den 18- und 19-Jährigen

Besonders stark sei der Rückgang der hormonalen Kontrazeptiva bei den 18- und 19-Jährigen – also in der Altersgruppe, die am häufigsten die Pille einnimmt, heißt es in einer Mitteilung der Krankenkasse. Demnach sank die Zahl der Verordnungen den Angaben zufolge bei den 18-Jährigen von 67% (2015) auf 50% (2020) und bei den 19-Jährigen von 72% auf 53%.

Dazu wertete die TK Routinedaten von Versicherten bis 19 Jahren und ab 2019 bis 21 Jahren aus. Grund dafür ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen seit Frühjahr 2019 bis zum vollendeten 22. Lebensjahr die Kosten für rezeptpflichtige Verhütungsmittel übernehmen.

„Die Zahl der Verordnungen gehe seit einigen Jahren kontinuierlich zurück, sagte TK-Fachbereichsleiter Arzneimittel, Tim Steimle. Über die genauen Gründe könne nur spekuliert werden. Auf jeden Fall sei die Aufmerksamkeit für das Thema höher als noch vor ein paar Jahren.

Höheres Thromboserisiko von Antibabypillen der neueren Generation

Die TK vermutet vor allem einen Zusammenhang mit der Berichterstattung zu Pillen der neueren Generation (3. und 4. Generation), die insgesamt ein höheres Risiko aufweisen, eine venöse Thromboembolie zu entwickeln. Denn laut Analyse sind vor allem die Anteile der Verschreibungen für Antibabypillen der neueren Generationen zurückgegangen. So nahmen 2020 knapp 47% der TK-versicherten Pillenanwenderinnen eine Pille dieser Generationen.

„Uns ist wichtig, dass junge Frauen gemeinsam mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin Risiken besprechen und abwägen“, sagt Steimle. Mehrmals hat bereits das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dazu aufgefordert, Frauen eine  Antibabypille mit dem niedrigsten Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) zu verordnen und gibt in einem Rote-Hand-Brief entsprechende Empfehlungen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf  Univadis.de .

 

Kommentar

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