Niedergelassene patzen vor allem bei der Diagnose, Kliniker bei der Therapie: Die häufigsten Fehler in der Urologie

Maria Weiß

Interessenkonflikte

29. Dezember 2021

Kein Arzt ist vor Fehlern sicher – das gilt natürlich auch für die Urologie. Nach der Auswertung von 359 konsekutiven Begutachtensfällen aus diesem Fachgebiet patzen niedergelassene Ärzte vor allem bei der Diagnostik – Urologen im Krankenhaus fast ausschließlich bei der Therapie [1]

Die meisten Fehler beim Prostatakarzinom

Die einer Gutachtenkommission vorgelegten Fälle aus den Jahren 1999 bis 2019 führten zu 236 Fehlerfeststellungen.

  • 103 Fehler (43,6 %) traten in der Praxis auf, davon betrafen hier doppelt so viele die Diagnostik wie die Therapie (69 vs. 34).

  • 159 Fehler ereigneten sich in der Klinik, davon betrafen 114 die Therapie und nur 15 traten im Rahmen der Diagnostik auf.

Etwa jeder 5. festgestellte Fehler (n = 51) betraf das Prostatakarzinom. Etwa 10% der Fehler wurden im Zusammenhang mit dem Prostatahyperplasie gemacht – dies betraf vor allem die Therapie in der Klinik. 

Fehler bei der Diagnose waren vor allem das Nichterkennen einer Hodentorsion sowie Verzögerungen bei der Diagnose eines Prostata- oder Harnblasenkarzinoms. So hatten behandelnde Ärzte z.B. bei ansteigenden PSA-Werten auf eine Prostatabiopsie verzichtet oder diese zu lange hinausgezögert. Häufiger wurden in dieser Situation auch Antibiotika verordnet, ohne dass eine Prostatitis vorlag.

In 19 Fällen (6 in der Praxis und 5 in der Klinik, insgesamt 8,1% der Fehler) war eine Hodentorsion nicht richtig erkannt worden. 23 Fehler (fast 10%) traten im Zusammenhang mit dem Harnblasenkarzinom auf – z.B. zulange Antibiotika-Therapien ohne Indikation oder eine unterlassene bzw. unzulänglich durchgeführte Urethrozystoskopie trotz verdächtiger Befunde.

Fehler bei der Diagnostik

Insgesamt betrafen Fehler bei der Diagnostik vor allem die mangelhafte Befunderhebung (112/47,5 %) und Befundbewertung (86/36,4%). Auch bei der Indikationsstellung wurden häufiger Fehler gemacht: bei 58 (24,6%) fehlte der Eingriffsgrund bei 33 (14,0%) wurde eine Kontraindikation missachtet. Mangelnde Aufklärung und Risikoinformation wurden bei 24 (10,2%) Patienten als Fehler bewertet.

Fehler bei der Therapie

Fehler bei der Therapie betrafen gehäuft mit jeweils 14 Fällen (je 5,9%) die Harnblasenfistelung, Prostataresektion und die Zirkumzision. In einem Viertel der therapeutischen Fehler wurde die Eingriffstechnik oder Sicherung des Eingriffs als Fehler gewertet.

Die Fehler blieben für die Patienten nicht ohne Folgen: In fast 55% kam es zu fehlerbedingten Komplikationen (Clavien vom Grad 3 und 4 bei 50,8%), bei 16,5 bzw. 16,9% wurden unnötige Operationen oder Medikationen durchgeführt, bei 35,2% war eine operative Revision aufgrund des Fehlers erforderlich. Fast 7% der Begutachtungsfälle verstarben im Zusammenhang mit dem Fehler – bei etwa 74% wurde eine dauerhaft verminderte Lebensqualität festgestellt.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

 

Kommentar

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