Nicht nur die Patienten selbst profitieren: Methylphenidat mildert Apathie-Symptomatik bei Alzheimer

Michael Simm

Interessenkonflikte

5. November 2021

Alzheimer-Patienten mit einer mittleren bis schweren Apathie und ohne Kontraindikationen gegen Stimulantien profitierten in einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie von der Gabe von 2-mal täglich 10 mg Methylphenidat. Die Linderung der Apathie-Symptomatik ist vermutlich klinisch bedeutsam, Auswirkungen auf die Kognition oder Lebensqualität der Patienten gab es aber nicht.

Apathie gehört zu den häufigsten neuropsychiatrischen Symptomen der Alzheimer-Krankheit. Damit einher geht eine signifikante Belastung der Pflegenden, mehr Behinderungen, höhere Kosten, und auch eine erhöhte Mortalität, so die Aufzählung der Autoren der aktuellen Studie [1]

Weniger Apathie, aber keine sonstigen Verbesserungen

Ziel der Studie war es herauszufinden, ob die Gabe von Methylphenidat die Schwere der Apathie bei Alzheimer-Patienten lindern kann. Die randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie umfasste 200 Teilnehmern (medianes Alter 76 Jahre, 66 % Männer) an 10, auf Demenzkranke spezialisierten, nordamerikanischen Kliniken. Einschlusskriterien waren milde bis moderate kognitive Beeinträchtigungen sowie häufige und/oder schwere Apathie gemäß dem Neuropsychiatric Inventory.

Unter 2-mal täglich 10 mg Methylphenidat nahm der NPI-Apathie-Wert binnen 6 Monaten im Vergleich zu Placebo um 1,25 ab (95%-Konfidenzintervall: – 2,03 bis – 0,47; p = 0,002). Am stärksten war die Abnahme des Apathie-Wertes in den ersten 100 Tagen. Das Chancenverhältnis HR, keine Apathie-Symptomatik zu zeigen, betrug unter der Medikation 2,16 (95%-KI: 1,19 – 3,91; p = 0,01). 

Nach 6 Monaten betrug das Chancenverhältnis OR für eine Verbesserung auf der Clinical Global Impression of Change-Skala für Methylphenidat im Vergleich zu Placebo 1,90 (95%-KI: 0,95 – 3,84; p = 0,07). Die Differenz bei der mittleren Veränderung des Wertes betrug 1,43 zugunsten von Methylphenidat.

Bei der Kognition und der Lebensqualität gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Sicherheitsprofile der beiden Gruppen zeigten keine signifikanten Unterschiede. Insgesamt 17 schwere Nebenwirkungen wurden registriert, aber als nicht durch die Medikation bedingt eingeordnet.

Klinisch bedeutsamer Effekt

Es sei von höchster Wichtigkeit, wirksame Behandlungen gegen die neuropsychiatrischen Symptome der Alzheimer-Krankheit zu finden, kommentiert Dr. Carolyn Fredericks, New Haven, USA [2].

Die Größe des hier gezeigten Effekts sei wahrscheinlich klinisch bedeutsam. Lediglich für Patienten mit einer Kontraindikation gegenüber Stimulantien – die von der Studie ausgeschlossen waren - sei Methylphenidat wohl keine Option.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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