Die akute und chronische Pankreatitis richtig behandeln: Neue S3-Leitlinie gibt evidenzbasierte Empfehlungen 

Dr. Nicola Siegmund-Schultze 

Interessenkonflikte

5. November 2021

Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) ist eine S3-Leitlinie erarbeitet worden, die erstmals akute und chronische Pankreatitis gemeinsam umfasst, um die Übergänge der beiden ehemals getrennt wahrgenommenen Krankheitsbilder deutlich zu machen [1].  

Die neue S3-Leitlinie hat den sich in den letzten Jahren rasant entwickelnden Wissensstand über die Pankreatitis in ihren verschiedenen Formen zusammengefasst und soll Ärzten, aber auch Betroffenen und Angehörigen sowie Leistungserbringern und Versicherungen aktuelle Diagnose- und Therapieempfehlungen an die Hand geben. Die wichtigsten Aspekte im Überblick: 

Akute Pankreatitis

  • Die häufigsten Ursachen einer akuten Pankreatitis sind Gallensteine und übermäßiger Alkoholkonsum. 

  • Hauptsymptome sind plötzlich einsetzende, außerordentlich starke Oberbauchschmerzen.

  • Die akute Pankreatitis ist in der Regel binnen weniger Wochen überstanden, bei schwerem Verlauf sterben allerdings bis zu 50% aller Patienten an Organversagen.

  • Die in die gängigen Klassifikationen (RAC, DBC) einfließenden Parameter erlauben die definitive Festlegung des Schweregrads einer Pankreatitis erst im Krankheitsverlauf. Die entsprechenden Parameter, zum Beispiel Organversagen oder Lokalkomplikation, müssen wiederholt bestimmt und kritisch hinterfragt werden.

  • Die nekrotisierende Pankreatitis ist mit einer hohen Sterblichkeitsrate assoziiert. Die durch Alkohol ausgelöste akute Bauchspeicheldrüsenentzündung hat eine besonders hohe Rate an nekrotisierenden Verläufen, die einer intensiv-medizinischen Betreuung bedürfen. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist eine frühe Diagnose mit der korrekten Einschätzung des Schweregrads.

  • Bei der Therapie ist das endoskopische, minimalinvasive Entfernen des abgestorbenen und infizierten Gewebes einer offenen Operation klar überlegen.

  • Bei einer durch Gallensteine verursachten akuten Pankreatitis ist Zurückhaltung geboten mit einer frühen Therapie durch endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikographie (ERCP). Solange keine Entzündung der Gallenwege mit Gefahr einer Blutstrominfektion besteht, sollte eine endoskopische Therapie nicht oder möglichst spät im Krankheitsverlauf erfolgen. Der effektivste Weg, Rückfälle zu vermeiden, ist die operative Entfernung der Gallenblase, da hier die meisten der verursachenden Gallensteine entstehen.

Chronische Pankreatitis

  • Die chronische Pankreatitis führt durch wiederholte Entzündungsschübe zu einer progredienten Zerstörung der Bauchspeicheldrüse mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität. Wichtige Auslöser sind langjähriger Konsum von Alkohol und Tabak.

  • Ist eine Abflussstörung des Pankreasgangs die Ursache, sollte möglichst frühzeitig operiert werden.

  • Haben sich Gallengangstenosen entwickelt, lassen sich mit endoskopisch eingesetzten Stents die Verengungen weiten und bei circa 80 Prozent der Patienten mindestens mittelfristig eine deutliche Besserung erzielen.

  • Bei chronischer Pankreatitis kommt es immer wieder zu Mangelernährung, die S3-Leitlnie enthält daher Empfehlungen zur Ernährung, inklusive der Behandlung mit zusätzlichen Verdauungsenzymen oder Zusatznahrung zur Steigerung des Body-Mass-Index. 

Der Artikel ist zuerst bei Univadis erschienen. 

 

Kommentar

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