Unkomplizierte Urozystitis bei Frauen: Cranberry-Präparate beugen Rezidiven vor

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

2. November 2021

Für Frauen mit unkomplizierter, wiederkehrender Urozystitis gibt es eine pflanzliche Alternative zur Rezidivprophylaxe mit Antibiotika: Cranberry-Präparate. Das Risiko für ein Rezidiv sinkt durch die präventive Einnahme solcher Phytopharmaka um 30-40% im Vergleich zu Placebo, und der Zeitraum bis zum 1. Rezidiv verlängert sich. Im Vergleich zu Antibiotika wie Trimethoprim-Sulfamethoxazol ist der Effekt aber geringer, und für die Wirksamkeit bei der Akutbehandlung symptomatischer Episoden gibt es keine belastbaren Belege. Zu dem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) [1]

Urozystitis bei Frauen: Lassen sich Antibiotika vermeiden?

Zum Hintergrund: Harnwegsentzündungen kommen bei Frauen wesentlich häufiger vor als bei Männern. Typische Symptome sind schmerzhafter, häufiger oder starker Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und Schmerzen oberhalb des Schambeins. Bei 2 oder mehr symptomatischen Episoden pro Halbjahr gilt eine Urozystitis als rezidivierend.

Behandlungsoptionen sind Antibiotika; sie werden in der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie aber nur in seltenen Fällen empfohlen. Hinzu kommen Phytotherapeutika. Das IQWiG hat zu dieser Fragestellung einen Health Technology Assessment (HTA)-Bericht in Auftrag gegeben. Ausgangspunkt war die Anfrage einer Bürgerin mit dem Argument, dass viele Menschen einer regelmäßigen Einnahme von Antibiotika kritisch gegenüberstünden.

Ziele der Untersuchung

Laut HTA-Bericht sollen die Nutzenbewertung einer Behandlung mit Phytotherapeutika im Vergleich zu einer anderen oder keiner Behandlung bei erwachsenen Patientinnen (ab 16 Jahren) mit unkomplizierter rezidivierender Urozystitis hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte untersucht werden. Wichtig sind auch die Bestimmung und Bewertung von Kosten bzw. die Aufarbeitung ethischer, sozialer, rechtlicher und organisatorischer Aspekte, welche mit der medizinischen Intervention verbunden sind.

Hinweise auf einen Nutzen 

15 Studien entsprachen den Einschlusskriterien. Es wurden 9 Pflanzen beziehungsweise deren Teile als relevant für die Fragestellung identifiziert. Die meisten Studien untersuchten Präparate, die Cranberry enthalten.

Die Autoren fanden Hinweise auf einen Nutzen von Cranberry-Präparaten im Vergleich zu Placebo bei der Verringerung der Rezidivrate (relative Reduktion um 30-40%) und bei der Verlängerung des Zeitraums bis zum ersten Rezidiv.

Im Vergleich zu Trimethoprim-Sulfamethoxazol ist der Benefit von Cranberry aber geringer.

Anhaltspunkte für einen Nutzen finden sich auch bei einem Präparat aus Bärentraubenblättern und Löwenzahn im Vergleich zu Placebo bzw. einem Präparat aus Liebstöckelwurzel, Rosmarinblättern und Tausendgüldenkraut in Kombination mit Antibiotika im Vergleich zur alleinigen Antibiotikatherapie.

Zu den Endpunkten gesundheitsbezogene Lebensqualität, Entwicklung komplizierter Infekte, spezifische Symptome und Mortalität lagen nur sehr wenige Daten vor. Für die Parameter Mortalität und gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde kein Vorteil durch Phytopharmaka gefunden, wobei Mortalität ohnehin bei diesem Krankheitsbild kaum Relevanz hat. 

Alternative zur Antibiotikatherapie 

Die präventive Einnahme von Cranberry-Präparaten könne bei Frauen mit unkomplizierter wiederkehrender Blasenentzündung sinnvoll sein, da es einen Hinweis auf einen Nutzen zur Rezidivvermeidung im Vergleich zu Placebo gebe und der präventive Einsatz von Antibiotika gemäß S3-Leitlinie nur in seltenen Fällen empfohlen werde, heißt es im HTA-Bericht. Ein Vorteil sei, dass sich keine Antibiotikaresistenzen ausbilden könnten. 

Nicht alle untersuchten pflanzlichen Mittel seien in Deutschland erhältlich. Für eine Behandlung mit Phytopharmaka über 6 Monate fallen dem Bericht zufolge Kosten zwischen 60 und 270 Euro an, die den Patientinnen selbst zu tragen sind.

Der Beitrag ist im Original bei Univadis erschienen. 

 

Kommentar

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