COVID-19: 180 Millionen pro Euro pro Woche für Ungeimpfte – Ausgaben für stationäre Behandlung „größtenteils vermeidbar“

Redaktion Coliquio

Interessenkonflikte

27. Oktober 2021

Deutschlands niedrige Corona-Impfquote könnte für das Gesundheitssystem teuer werden. Im Winter drohen dadurch Ausgaben für die stationäre Behandlung von rund 180 Millionen Euro pro Woche, wie aus Berechnungen von Forschenden des Instituts für Weltwirtschaft IfW Kiel hervorgeht. Die hohen Ausgaben wären in großen Teilen bei höheren Impfquoten vermeidbar. 

85% ungeimpfte COVID-19-Patienten im Krankenhaus 

Seit August liegt der Anteil ungeimpfter COVID-19-Patienten in stationären Behandlungen bei durchschnittlich fast 85 Prozent. Bei durchschnittlichen Behandlungsausgaben von 10.200 Euro laut AOK ergeben sich für die Monate August und September 2021 Kosten von mehr als 160 Millionen Euro für die stationäre Behandlung von an Corona erkrankten, aber ungeimpften Erwachsenen. Bezieht man die zu erwartenden Nachmeldungen durch das Robert-Koch-Institut (RKI) mit ein, steigt die Summe auf rund 180 Millionen Euro. 

Dies zeigen aktuelle Berechnungen des Instituts für Weltwirtschaft aus dem Forschungsfeld Globale Gesundheitsökonomie. „Da allen Erwachsenen bis Ende Juli ein Impfangebot gemacht wurde, ist davon auszugehen, dass ein überwiegender Teil der Ausgaben für die stationären Behandlungen vermeidbar gewesen wäre“, sagt Lena Merkel, Erstautorin der Studie. 

 
Da allen Erwachsenen bis Ende Juli ein Impfangebot gemacht wurde, ist davon auszugehen, dass ein überwiegender Teil der Ausgaben für die stationären Behandlungen vermeidbar gewesen wäre. Lena Merkel
 

Mehr Infektionen im Winter vervielfachen Ausgaben für stationäre Behandlungen

Im Winter drohen sich die Ausgaben für Ungeimpfte zu vervielfachen und auf 180 Millionen Euro pro Woche zu steigen. Denn sollte die Impfquote auf ihrem aktuellen Stand verharren und sich die Prognose des RKI von einer 7-Tage-Inzidenz von 400 Fällen pro 100.000 Einwohnern bewahrheiten, dürften auch die Krankenhauseinweisungen drastisch zunehmen.

„Wir stehen vor dem ersten Winter, in dem das Infektionsgeschehen von der viel ansteckenderen Delta-Variante getrieben wird. Sollte sich die Impfquote in Deutschland nicht rasch noch weiter steigern lassen, muss mit einer starken Belastung deutscher Krankenhäuser durch COVID-19 gerechnet werden“, so Merkel.

Auch rechnen die Autoren mit einer Steigerung der durchschnittlichen Behandlungskosten, da die Intensivbetten zunehmend mit Jüngeren belegt werden. Deren Überlebenschancen stehen besser als die von älteren Patienten, was die Behandlungszeit verlängert. Daher dürften künftig öfter als bislang Behandlungsausgaben in der Spitzenkategorie von mehr als 77.700 Euro erreicht werden, derzeit ist dies laut AOK nur bei 10% der Intensivbehandlungen der Fall.

Weitere Daten erforderlich

„Bei weiteren Lockerungen der Präventionsmaßnahmen für bereits Geimpfte darf die Pandemie der Ungeimpften nicht außer Acht gelassen werden. Es ist ein Fehler, das Angebot kostenloser Corona-Schnelltests für Ungeimpfte auslaufen zu lassen, die in den vergangenen Monaten signifikant zur Erfassung des Pandemieverlaufs beigetragen haben“, so Merkel.

Die Autoren fordern eine bessere Datenbasis, um den Pandemieverlauf messen und prognostizieren zu können, sowie eine Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der relevant Daten erhebt. Die Hospitalisierungsrate halten sie wegen der starken zeitlichen Verzögerung zwischen Ausbruch der Erkrankung, Einweisung ins Krankenhaus und der Meldung der Daten als alleinigen Leitindikator für unzureichend.

Dieser Beitrag ist im Original bei Coliquio erschienen.  

 

Kommentar

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