Unerwartetes Mutter-(Un)glück: Warum Frauen manchmal nichts von ihrer Schwangerschaft bemerken

Maria Weiß

Interessenkonflikte

8. Oktober 2021

Immer wieder kommt es vor, dass Frauen eine Schwangerschaft komplett verdrängen – manchmal bis zur Geburt des ungeplanten Babys. In einer prospektiven Fall-Kontrollstudie wurde nach möglichen Risikofaktoren für dieses merkwürdige Verhalten gesucht [1].

Eine genaue Definition solch einer verdrängten Schwangerschaft fehlt bis heute. Manche Autoren sprechen nach unbemerkter 14- oder 21-wöchiger Amenorrhoe davon, andere bei Verdrängung bis zur 20. Schwangerschaftswoche oder bis zum Ende des dritten Trimesters. Unterschieden wird auch noch, ob es sich um eine unbewusste Verdrängung oder aber um eine bewusste Verheimlichung handelt. Allzu selten ist das Phänomen nicht – ein Fall kommt auf 475 Geburten.

Die negativen Folgen für Mutter und Kind dürfen nicht unterschätzt werden – allein schon durch den Wegfall der Schwangerschaftsvorsorge und die Fortführung möglicher teratogener Angewohnheiten wie Rauchen und Alkoholkonsum. Auch der psychologische Stress für die Mutter und eine möglicherweise von Anfang an gestörte Mutter-Kind-Beziehung sind von Bedeutung.

Fehlen stabiler Partnerschaft wichtigster Risikofaktor

H. Delong von der Université Reims Champagne Ardenne (URCA) in Reims Cedex, Frankreich, und Kollegen haben 71 Fälle solcher verdrängten Schwangerschaften (keine Verkündung der Schwangerschaft vor der 20. Gestationswoche) ebenso vielen normal wahrgenommenen Schwangerschaften gegenübergestellt. Ausschlusskriterien waren u.a. ein Alter unter 18 Jahren, Intelligenzminderung, akute oder chronische psychotische Erkrankungen oder ein illegaler Aufenthaltsstatus.

Als wichtige unabhängige Risikofaktoren für eine Verleugnung der Schwangerschaft erwiesen sich das Fehlen einer stabilen Partnerschaft, schlechte Schulbildung (fehlender High-School-Abschluss) und psychiatrische Vorerkrankungen. Auch späte Verkündung oder Verdrängung vorangegangener Schwangerschaften bei den Frauen selbst oder in der Familie sowie die Einnahme oraler Kontrazeptiva gingen mit einem erhöhten Risiko einher. Höheres Alter schien dagegen ein gewisser Schutzfaktor zu sein.  

Die Autoren empfehlen, Frauen im geburtsfähigen Alter bei der Erstanamnese auch auf verdrängte Schwangerschaften bei sich oder in der Familie anzusprechen. Ein besonderes Auge sollte man auf jüngere Frauen ohne feste Beziehung und in sozioökonomischen prekären Verhältnissen haben, die mit oralen Kontrazeptiva verhüten.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de .

 

Kommentar

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