MEINUNG

Wäre hätte das gedacht, Baguette so gut wie Vollkornbrot! Gerät unter der Haut misst glykämische Last beim Essen – neuer Trick zum Abnehmen?

Prof. Dr. Stephan Martin

Interessenkonflikte

15. November 2021

Von Diabetikern ausgeborgt: In seiner Studie greift Prof. Dr. Stephan Martin zu einer ungewöhnlichen Methode, die Übergewichtigen klar machen soll, welche Nahrungsmittel ihre glykämische Last erhöhen.  

Transkript des Videos von Prof. Dr. Stephan Martin, Düsseldorf

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Zucker steht aktuell in der gesundheitspolitischen Diskussion im Fokus, er soll für die steigende Rate an Übergewicht verantwortlich sein.

Die Zuckeraufnahme führt zum Blutzuckeranstieg, der wiederum zu einer Ausschüttung von Insulin führt, das als Masthormon landläufig bekannt ist.

In dem neu eingeführten Nutri-Score werden mit Zucker gesüßte Lebensmittel, wie Limonade, mit einem E, also der schlechtesten Bewertung versehen.

Nicht nur auf Zuckergehalt achten

Ist es der Zucker alleine oder gibt es vielleicht andere Stoffe, die sich ähnlich verhalten?

Wenn man sich eine Austauschtabelle anschaut und den glykämischen Index oder die glykämische Last betrachtet, dann sieht man beispielsweise bei Kartoffelpüree, dass dieses einen höheren glykämischen Index oder eine höhere glykämische Last hat als Haushaltszucker. Die Stärke im Kartoffelpüree wird nach Aufnahme im Darm durch die Amylase schnell in Glukose gespalten. Aber Kartoffelpüree bekommt die zweitbeste Bewertung im Nutri-Score mit einem B.

Wie kann man seine Nahrung testen? Man möchte ja nicht ständig in Tabellen suchen, um die Wirkung der Lebensmittel auf den eigenen Organismus zu analysieren.

Test mit kontinuierlicher Glucose-Messung

Wir haben dazu aktuell eine Arbeit veröffentlicht, bei der wir ein Gerät (Flash-Glukose-System) eingesetzt haben, mit dem die Glukose im Unterhautfettgewebe kontinuierlich über 14 Tage gemessen wird [1]. Normalerweise nutzen Personen mit Insulinbehandlung solche Geräte, die die Insulintherapie nahezu revolutioniert haben.

Wir haben diese Geräte bei gesunden Personen angewandt und ganz unterschiedliche Mahlzeiten getestet. Dazu haben wir handelsübliche Produkte verwendet und immer im Vergleich zu einem Getränk, bestehend aus 50% Glukose getestet.

Bei den Getränken gab es im Vergleich bei der Fläche unter der Kurve (AUC Glukose) keinen Unterschied zwischen Apfelsaft und zuckergesüßter Limonade. Also die so gesunden Obstsäfte scheinen sich in dieser Hinsicht von zuckergesüßten Limonaden nicht zu unterscheiden.

Eine besondere Überraschung gab es bei Broten. Die Glukose-AUC zwischen Weißbrot und Roggenbrot, beides aus einer Handwerks-Bäckerei, unterschieden sich überhaupt nicht. Auch ein Vollkornbrot, wie ein Buchweizenbrot, zeigte kaum Unterschiede zum Weiß- oder Roggenmischbrot. Einzig ein Eiweiß-Brot hat keinen Einfluss auf den Glukose-Spiegel. Müsli mit Milch führte zu vergleichbaren Ausschlägen wie das Weißbrot.

Diese Ergebnisse sind etwas ernüchternd. Sie zeigen, dass es bei einem der Grundnahrungsmittel in Deutschland, dem Brot, kaum Unterschiede gibt, egal, ob dunkel, hell, mit oder ohne Körner. Brot führt zu erheblichen Glukose-Ausschlägen, die führen natürlich zu Insulin-Peaks und die blockieren wiederum die Gewichtsabnahme.

Wer Gewicht abnehmen will, sollte nicht nur an seinem Zuckerkonsum arbeiten, sondern auch an Stärke-haltigen Lebensmitteln. Unsere Stärke-haltigen Grundnahrungsmittel wie Brot, Kartoffeln, Nudeln oder Reis enthalten letztendlich Glukose. Das muss man den Patienten und sich selbst immer wieder klar machen.

Ich hoffe, dass ist ein sinnvoller Tipp für die Praxis. Vielleicht nutzen Sie solche Geräte auch mal bei dem einen oder anderen übergewichtigen Patienten, um ihm klar zu machen, was er in seiner Ernährung vermeiden sollte. 

Alles Gute

Ihr Stephan Martin
 

Kommentar

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