Nicht lange warten: Eine anteriore Schulterinstabilität sollte frühzeitig operiert werden, um Arthrose vorzubeugen

Jonathan Gelber

Interessenkonflikte

4. Oktober 2021

San Diego – Wird eine anteriore Schulterinstabilität bereits in jungen Jahren behandelt, kann dies einer Schulterarthrose vorbeugen. Faktoren wie ein erhöhter BMI, Rauchen und körperliche Arbeit können wiederum das Arthroserisiko erhöhen.

Auf dem Jahreskongress der American Association of Orthopaedic Surgeons wurden 2 Studien vorgestellt, nach denen eine anteriore Schulterinstabilität im höheren Alter ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Schulterarthrose bedeutet [1].

Rauchen und körperlich belastende Berufe als Risikofaktoren

In einer der größten Studien zu dem Thema in den USA haben Untersucher der Mayo Clinic 154 Patienten in einer regionalen Datenbank identifiziert. „Es gibt zwar einige Arbeiten über das langfristige Arthroserisiko nach einer Instabilität des Glenohumeralgelenks, aber die meisten dieser Arbeiten stammen aus Europa“, sagte Dr. Christopher Camp, einer der Autoren der Mayo Clinic. „Die Langzeitergebnisse in der US- Bevölkerung waren nicht so gut erforscht.“

Bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 15,2 Jahren entwickelten in der Kohorte der Mayo Clinic 22,7% der Patienten, deren Schulter nicht operativ stabilisiert worden war, eine klinisch symptomatische Schulterarthrose.

Nach univariater Analyse zeigte sich, dass Patienten mit symptomatischer Arthrose mit größerer Wahrscheinlichkeit aktuell oder früher Raucher waren (relatives Risiko: 2,46; 95%-Konfidenzintervall: 1,37-4,42; p = 0,003), einen körperlich belastenden Beruf ausübten (RR: 2,14; 95%-KI: 1,14-4,01; p = 0,040) und zum Zeitpunkt des ersten Instabilitätsereignisses ein höheres Alter hatten (Odds Ratio: 1,09 pro Jahr; 95%-KI: 1,03-1,17).

OP-bedingte Risikofaktoren

Daneben präsentierte ein Team des Walter Reed Medical Center die bisher größte Studie an jungen, stark beanspruchten Patienten mit Schulterinstabilität. Es handelte sich um 287 aktive US-Soldaten des Military Heath System mit Schulterinstabilität. Von diesen entwickelten nur 23 (8%) nach einer chirurgischen Behandlung eine Arthrose bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 9 Jahren.

Nach der Adjustierung an potenzielle Störfaktoren in einem multivariablen Cox-Regressionsmodell gehörten zu den Risikofaktoren einer Schultergelenksarthrose das Alter zum Zeitpunkt der Operation (HR: 1,85; 95%-KI: 1,34-2,55), die Zahl der Verankerungen bei der Erstoperation (HR: 1,54; 95%-KI: 1,11- 2,14) und Revisionseingriffe (HR: 2,83; 95%-KI: 1,15-6,95).

 
Diese Ergebnisse könnten einen frühzeitigen chirurgischen Eingriff bei jungen Patienten mit Schulterinstabilität rechtfertigen. Dr. Ashley Bee Anderson
 

Dr. Ashley Bee Anderson, Mitautorin der Studie am Walter Reed National Military Medical Center, bemerkte, dass sich die Untersuchung nicht speziell auf die Verringerung des Arthroserisikos richtete. Viel mehr sehe man, dass mehrere Faktoren zur Arthroseentwicklung beitragen würden. Hier sei vor allem das Alter zum Zeitpunkt der Operation wichtig.

Wie in der Studie der Mayo-Klinik bestand auch hier bei älteren Patienten ein erhöhtes Arthroserisiko für die Schulter. „Diese Ergebnisse könnten einen frühzeitigen chirurgischen Eingriff bei jungen Patienten mit Schulterinstabilität rechtfertigen“, so Anderson gegenüber Medscape.

Sie sagte, es sei wichtig, dass Hausärzte, Übungsleiter und Sporttrainer eine Schulterinstabilität frühzeitig erkennen und diagnostizieren könnten. „Es kommt womöglich darauf an, eine orthopädische Untersuchung eher früher als später mit Blick auf ein chirurgisches Konsil durchzuführen.“

Patienten über Risikofaktoren aufklären

Camp teilte auch seine eigenen Empfehlungen zur Arthroseprävention mit. „Die wichtigste Erkenntnis ist aus meiner Sicht, dass Patienten mit einer anterioren Schulterinstabilität über ihr Risiko, langfristig eine Schulterarthrose zu entwickeln, aufgeklärt werden und über die Risikofaktoren, die sie selbst beeinflussen können, gesprochen wird. Dabei sollte vor allem auf das Einstellen des Rauchens, eine Anpassung des BMI und das Meiden schwerer körperlicher Arbeit hingewiesen werden, um das langfristige Risiko zu senken.“

Dr. Mark Schickendantz, Leiter der orthopädischen Chirurgie am Cleveland Clinic Sports Health Center in Cleveland, Ohio, stimmte den Autoren zu: Die Aufklärung und eine frühzeitige Intervention seien wichtig, um eine Arthrose zu verhindern.

„Übergewichtige, schwer Arbeitende und Raucher sollten über ihr erhöhtes Arthroserisiko aufgeklärt werden. Man sollte ihnen zudem Programme anbieten, mit deren Hilfe sie die Risikofaktoren leichter überwinden können“, so Schickendantz, der nicht an den Studien mitgewirkt hat.

 
Übergewichtige, schwer Arbeitende und Raucher sollten über ihr erhöhtes Arthroserisiko aufgeklärt werden. Dr. Mark Schickendantz
 

Er wies auch darauf hin, dass eine hohe Zahl an während der Operation eingesetzter Anker das Arthroserisiko ebenfalls ansteigen lasse. „Die Tatsache, dass mehr Verankerungen mit einem höheren Arthroserisiko korrelieren, könnte dazu führen, dass Chirurgen eine frühere Operation empfehlen, um eine Ausdehnung des Labrumrisses zu verhindern“, der bei der ursprünglichen Schulterluxation aufgetreten ist.

Von den untersuchten Risikofaktoren ist wohl die berufliche Tätigkeit mit schwerer körperlicher Arbeit am schwierigsten zu beeinflussen und nicht so leicht abzuändern. „Das Problem der schweren körperlichen Arbeit ist nicht unerheblich“, sagte Schickendantz. „Abgesehen von der Ausbildung fällt mir kein wirklicher Hebel ein, wie man hier ansetzen könnte. Die meisten Menschen, die einer schweren körperlichen Arbeit nachgehen, tun dies ja, weil sie keine andere Wahl haben.“

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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