Niere kaputt nach Corona-Infektion: Nicht nur Long-COVID droht – auch Hinweis auf nephrologische Komplikationen häufen sich

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

4. Oktober 2021

COVID-19-Patienten haben über die akute Erkrankungsphase hinaus ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden. Das berichten Benjamin Bowe vom Saint Louis Health Care System Clinical Epidemiology Center, Saint Louis, USA, und Kollegen im Journal of the American Society of Nephrology [1]. Bei der Versorgung von Patienten, welche die Infektionskrankheit überstanden hätten, sollte auch auf Nierenerkrankungen geachtet werden, schreiben die Autoren.

SARS-CoV-2 befällt viele Organsysteme

Zum Hintergrund: SARS-CoV-2 kann viele Organe infizieren, darunter auch die Nieren. ACE2-Rezeptoren sind im Körper weit verbreitet. Da eine Nierenbeteiligung bei COVID-19 mit einem signifikant schwereren Erkrankungsverlauf und einer zehnfach erhöhten Sterblichkeit assoziiert ist, empfehlen die Leitlinien inzwischen eine Urinuntersuchung bei der stationären Aufnahme.

Allerdings sind viele Menschen selbst nach virologischer Rekonvaleszenz nicht wirklich gesund, sondern leiden an diversen Symptomen und Folgeerkrankungen, die pulmonale und extrapulmonale Organsysteme betreffen. Dazu zählen auch Nierenerkrankungen. Eine detaillierte Bewertung der renalen Befunde bei Patienten mit Long-COVID war bislang nicht verfügbar.

Bowe und Kollegen haben daher bei einer großen Gruppe von Patienten nach der Akutphase der Infektionskrankheit, sprich 30 Tage nach dem positiven Test auf SARS-CoV-2, die Nierenfunktion untersucht. 

Studie mit 1,7 Millionen Teilnehmern

Ihre Kohortenstudie umfasst Daten von 1.726.683 US-Veteranen, darunter 89.216 Patienten nach COVID-19, jeweils 30 Tage nach dem positiven SARS-CoV-2-Nachweis.

Erfasst wurden Risiken für akute Nierenschäden (AKI), die Verringerung der glomerulären Filtrationsrate (eGFR), Nierenerkrankungen im Endstadium (ESKD) und schwerwiegende unerwünschte renale Ereignisse (MAKE), definiert als eGFR-Abnahme ≥ 50 %, ESKD oder Tod aus unterschiedlichen Ursachen.

Die Berechnungen ergaben für Patienten 30 Tage nach der Akutphase von COVID-19 ein höheres Risiko für

  • einen akuten Nierenschaden: aHR 1,94 (95%CI: 1,86-2,04),

  • eine Verringerung der GFR um ≥ 30%: 1,25 (1,14-1,37),

  • eine Verringerung der GFR um ≥ 40%: 1,44 (1,37-1,51),

  • eine Verringerung der GFR um ≥ 50%: 1,62 (1,51-1,74),

  • eine Nierenerkrankung im Endstadium: 2,96 (2,49-3,51) und

  • schwere renale Komplikationen (MAKE): 1,66 (1,58-1,74). 

Das Risiko für postakute Nierenschäden war um so größer, je schwerer die akute Infektionskrankheit verlaufen war. 

Im Vergleich zu nicht infizierten Personen der Kontrollgruppe hatten die Ex-COVID-19-Patienten in der 30-Tage-Phase der akuten Infektion einen übermäßigen eGFR-Abfall von -3,26 bis -7,69; dies traf auf nicht hospitalisierte, hospitalisierte und intensivmedizinisch versorgte Patienten zu. 

Klinische Bedeutung: Renale Komplikationen beachten

Ex-COVID-19-Patienten haben der Studie zufolge in der postakuten Phase der Erkrankung ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden. Dies bedeutet, dass bei COVID-Patienten nicht nur in der Akutphase der Infektionskrankheit, sondern auch darüber hinaus auf die Nierenfunktion geachtet werden sollte.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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