Positionspapier zur „Schlafmedizin in der Kardiologie“ überarbeitet – Telemedizin bekommt besondere Bedeutung

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

24. September 2021

Ein Team um den Kardiologen PD Dr. Henrik Fox von der Ruhr-Universität Bochum hat ein überarbeitetes Positionspapier zur „Schlafmedizin in der Kardiologie“ veröffentlicht [1].

Es habe sich viel getan in der Welt der Schlafmedizin in der Kardiologie, begründen die Autoren die Überarbeitung des Positionspapiers. In der aktuellen neuartigen Version finden sich ihren Angaben zufolge nicht nur alle verfügbaren Studien, Literaturstellen und Updates zu Pathophysiologie, Diagnostik- und Therapieempfehlungen, sondern auch Ausblicke auf neue Entwicklungen und zukünftige Forschungserkenntnisse. 

Schlafassoziierte Atmungsstörungen sind vor allem bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen eine besonders häufige und zudem oft unterdiagnostizierte Komorbidität. In der Praxis ist die Diagnose oft schwierig, da Anamnese und Fragebögen unzureichend sind, denn schlafassoziierte Atmungsstörungen und kardiovaskuläre Erkrankungen haben viele Überschneidungen ihrer Symptome. Dies gilt insbesondere für Patienten mit arterieller Hypertonie, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern.

Empfehlungen auch zur Telemedizin, Informationen zu Wearables

Das Positionspapier enthält Empfehlungen für Diagnostik und Therapie von Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen mit schlafassoziierten Atmungsstörungen und erteilt darüber hinaus einen fundierten Überblick über verfügbare Therapien und wissenschaftliche Belege. Ebenso gibt es Ratschläge, wie bei Patienten mit Komorbiditäten vorzugehen sei.

Außerdem finden sich im Positionspapier aktualisierte Stellungnahmen zu schlafassoziierten Atmungsstörungen bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, arterieller Hypertonie und Vorhofflimmern. Erstmals gibt es Empfehlungen zur Telemedizin als eigenes, neues Kapitel. 

Zu den Themen, auf die die Autoren eingehen, gehören unter vielen anderen sogenannte Wearables, etwa Fitnesstracker, die die Möglichkeit einer Schlafvermessung bieten. Hierfür werden meist Beschleunigungssensoren genutzt, erklären die Autoren. Über einen Algorithmus, dessen Programmiercode nicht öffentlich zugänglich sei, würden aus den Bewegungsmustern „Schlafphasen“ berechnet; das erhaltene „Schlafprofil“ könne dann am nächsten Morgen in der begleitenden App auf einem Smartphone betrachtet werden.

Einige der „Anbieter aus dem Lifestylebereich“ gingen privat-öffentliche wissenschaftliche Partnerschaften ein und teilten dabei die Rohdaten, erklären die Autoren weiter. Dennoch seien die meisten dieser Ansätze klinisch nicht gegen den diagnostischen Goldstandard - die Polysomnographie - validiert. Erste Reviews über Validierungsstudien der Wearables gegen die klinisch-etablierten Schlafmessungen zeigen laut dem Positionspapier „deutlich eine Überschätzung der Gesamtschlafzeit auf Grundlage der Aktivitätsvermessung bei gleichzeitiger Unterschätzung der erholsamen Tief- und Traumschlaf- Phasen“.

Obwohl noch viel Forschungsbedarf besteht, gibt es in dem Positionspapier evidenzbasierte Empfehlungen zum Umgang mit herzgefäßkranken Patienten bei Diagnostik und Therapie von schlafassoziierten Atmungsstörungen. 

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....