Mehr Impfdurchbrüche bei Senioren und bei Personen aus sozialen Brennpunkten – Plädoyer für bessere Kampagnen

Michael Simm

Interessenkonflikte

9. September 2021

Gebrechliche, ältere Erwachsene und Personen aus sozial benachteiligten Gegenden Großbritanniens haben selbst nach Impfungen gegen SARS-Co-V-2 ein höheres Risiko, an COVID-19 zu erkranken, verglichen mit anderen Geimpften. Generell müssen sie nach einer Durchbruchinfektion jedoch seltener stationär behandelt werden und entwickeln leichtere Symptome als Personen ohne Impfung. Das berichten Dr. Michela Antonelli vom King's College London und Kollegen in The Lancet Incetious Diseases[1].

Durchbruchsinfektionen: Wer ist besonders gefährdet?

Zum Hintergrund: Obwohl die meisten Vakzine gegen COVID-19 in klinischen Studien und im Alltag eine hohe Wirksamkeit haben, infizieren sich einige Menschen trotzdem mit SARS-CoV-2. Antonellis Team wollte herausfinden, wer besonders gefährdet ist.

Die Forscher werteten Angaben von 1.240.009 erwachsenen Teilnehmern der britischen COVID-Symptomstudie aus. Probanden konnten über eine kostenlose Handy-App Impfungen oder Infektionen melden. Angaben zwischen dem 8. Dezember 2020 und dem 4. Juli 2021 wurden bei der Veröffentlichung berücksichtigt. Ziel war, Risikofaktoren für eine SARS-CoV-2-Infektion trotz Impfung zu identifizieren und Charakteristika von Erkrankungen nach einer Impfung zu beschrieben.

Impfungen schützen – manchmal besser, manchmal schlechter

Unter allen Teilnehmern, die eine 1. Impfdosis erhalten hatten, wurden 6.030 (0,5%) positiv auf SARS-CoV-2 getestet. In der Gruppe mit 2 Impfungen befanden sich 971.504 Teilnehmer. Hier verzeichneten die Forscher 2.370 (0,2 %) positive Tests.

Im Vergleich zur Gesamtpopulation hatten gebrechliche Teilnehmer ab 60 Jahren ein erhöhtes Risiko, sich 14 oder mehr Tage nach der 1. Dosis zu infizieren. Das Chancenverhältnis (OR) betrug 1,93 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,50-2,48; p < 0,001. Ebenfalls erhöht war das Risiko für Individuen aus sozial benachteiligten Gegenden Großbritanniens (OR 1,11, 95%-KI 1,01-1,23, p = 0,039).

Teilnehmer, die nicht adipös waren (BMI < 30 kg/m2), hatten ein niedrigeres Infektionsrisiko nach der 1. Impfdosis (OR 0,85, 95%-KI 0,75-0,94; p = 0,0030).

Für die Krankheitsprofilanalyse standen Daten von 3.825 Personen nach Erstimpfung und von 906 Personen nach vollständiger Impfung zu Verfügung, die mit nicht geimpften Nutzern verglichen wurden. Dabei hatten geimpfte Personen eine geringere Wahrscheinlichkeit für Krankenhauseinweisungen, für mehr als 5 Symptome in der 1. Krankheitswoche oder für eine Symptomdauer von mindestens 28 Tagen.

Fast alle Symptome traten bei infizierten Geimpften seltener auf als bei infizierten Ungeimpften. Zudem hatten Geimpfte eine höhere Wahrscheinlichkeit, vollständig asymptomatisch zu sein, besonders jene, die 60 Jahre oder älter waren.

Menschen mit höherem Risiko gezielt ansprechen

Das Phänomen der Durchbruchinfektionen unter Geimpften wird in dieser großen britischen Studie quantifiziert. Die Zahlen widerlegten Zweifel am Nutzen von Impfungen, schreiben Antonelli und Kollegen. Sie fordern, Personen mit hohem Risiko gezielt anzusprechen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Nicht zuletzt sei Vorsicht gegenüber einer Verringerung von Schutzmaßnahmen wie Abstandsregeln und Masken bei geimpften älteren, gebrechlichen oder unterprivilegierten Personen angebracht, warnen die Forscher.

Dieser Artikel ist im Original bei Univadis.de erschienen.

 

Kommentar

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