1,7 Millionen Opfer 2019: Extreme Kälte oder Hitze erhöhen die Mortalität durch mindestens 17 Todesursachen

Michael Simm

Interessenkonflikte

25. August 2021

Wenn Menschen extremer Kälte oder Hitze ausgesetzt sind, erhöht sich die Mortalität durch mindestens 17 Todesursachen. Für das Jahr 2019 wurde die Zahl der Opfer auf 1,69 Millionen weltweit geschätzt. Weitaus mehr gingen dabei auf das Konto großer Kälte und nicht Hitze.

Zusammenhang von Temperatur und 64,9 Mio. Todesfällen analysiert

Assoziation zwischen hohen und niedrigen Temperaturen einerseits und Morbidität sowie Mortalität andererseits wurden zwar bereits mehrfach berichtet, allerdings habe es bislang noch keine umfassende Erhebung zur Krankheitslast gegeben, erklären die Autoren um Dr. Katrin G. Burkhart, University of Washington, Seattle, USA.

In Teil 1 der Studie wurden 64,9 Millionen Todesfälle in 9 Ländern für die Jahre 1980–2016 in 176 unterschiedliche Kategorien eingeteilt und mit den Tagestemperaturen von 23 Zonen verlinkt, die im gleichen Zeitraum im Rahmen des ERA5-Datensatzes global mit einer Auflösung von 30 Kilometern verfügbar sind. Daraus wurde die fallspezifische und die gesamte, den Temperaturen zuzuschreibende, Krankheitslast ermittelt.

In Teil 2 der Studie wurden dann die fallspezifischen relativen Risiken unter Nutzung der Daten der Burden-of-Diseases-Studiengruppe auf die gesamte Weltbevölkerung extrapoliert.

Mortalität durch Kälte höher als durch Hitze

17 der 176 Todesursachen zeigten eine Temperaturabhängigkeit. Ischämische Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Kardiomyopathien und Myokarditis, Bluthochdruck, Diabetes, chronische Nierenerkrankungen, Infektionen der unteren Atemwege und COPD zeigten einen J-förmigen Zusammenhang mit der Tagestemperatur.

Externe Todesursachen wie Tötungsdelikte, Suizide, Ertrinken, Katastrophen, (Verkehrs-)Unfälle und andere unbeabsichtigte Verletzungen nahmen gleichmäßig mit der Temperatur zu.

Die Schätzungen für Todesfälle durch „nicht-optimale“ Temperaturen reichten von 7,98 Toten / 100.000 und einem Anteil der Bevölkerung (PAF) von 1,2% in Brasilien bis zu 35,1 Toten / 100.000 und einem Bevölkerungsanteil von 4,7% in China.

Die Mortalität durch Kälte war im Jahr 2019 in allen Ländern mit verfügbaren Daten höher als durch Hitze, beispielsweise in China mit einem PAF von 4,3% und in Neuseeland mit einem PAF von 3,4%. Der Hitzeeffekt machte dagegen in den am stärksten betroffenen Ländern China und Brasilien nur 0,4% aus.

Insgesamt starben global im Jahr 2019 geschätzt 1,69 Millionen Menschen (95%-Konfidenzintervall: 1,52-1,83) infolge nicht optimaler Temperaturen. Von Hitze waren dabei vorwiegend Süd- und Südostasien, Afrika und der Mittlere Osten betroffen, von Kälte das östliche und zentrale Europa sowie Zentralasien.

Die Studie stärkt die Datengrundlage, auf der über die möglichen klinischen Folgen des Klimawandels und der globalen Erwärmung diskutiert werden kann. Überraschend dürfte das Studien-Ergebnis sein, dass gegenwärtig weitaus mehr Menschen vorzeitig infolge von Kälte sterben als infolge von Hitze.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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