Fallserie aus USA: Myokarditis nach COVID-19-Impfung von Jugendlichen verläuft meist mild – Nutzen überwiegt

Megan Brooks

Interessenkonflikte

19. August 2021

Jugendliche können als seltene Komplikation nach einer COVID-19-Impfung eine leichte Herzmuskelentzündung entwickeln, wie dies auch bei Erwachsenen beobachtet wurde – das bestätigt jetzt eine Fallserie aus Boston. Sie wurde in JAMA Cardiology veröffentlicht [1].

Die Jugendlichen, die nach der Impfung eine Myokarditis entwickelten, hatten in der Regel einen gutartigen Verlauf mit Symptomen, die ohne Behandlung abklangen. Allerdings wies ein Patient eine anhaltende, grenzwertig niedrige linksventrikuläre (LV) Funktion auf, berichten Dr. Audrey Dionne und ihre Kollegen vom Boston Children's Hospital.

 
Trotz des Risikos einer Myokarditis im Zusammenhang mit der Impfung überwiegen die Vorteile bei Kindern und Jugendlichen wahrscheinlich die Risiken. Dr. Audrey Dionne und Kollegen
 

„Trotz des Risikos einer Myokarditis im Zusammenhang mit der Impfung überwiegen die Vorteile bei Kindern und Jugendlichen wahrscheinlich die Risiken“, so die Autoren. Sie schätzen, dass die COVID-19-Impfung bei männlichen Geimpften im Alter von 12 bis 29 Jahren 11.000 COVID-19-Fälle, 560 Krankenhausaufenthalte, 138 Einweisungen in die Intensivstation und 6 Todesfälle verhindert hat – verglichen mit 39 bis 47 erwarteten Fällen von Myokarditis.

Die langfristigen Risiken sind unbekannt

Dionne und ihre Kollegen hatten die Ergebnisse einer detaillierten Bildgebung des Herzens bei 14 Jungen und einem Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren (Median, 15 Jahre) untersucht, die nach der Verabreichung des COVID-19-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer mit Myokarditis ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Die Symptome begannen 1 bis 6 Tage nach der Verabreichung des Impfstoffs (in den meisten Fällen nach der 2. Dosis) und schlossen Brustschmerzen bei allen 15 Patienten, Fieber bei 10 (67%), Myalgie bei 8 (53%) und Kopfschmerzen bei 6 (40%) Patienten ein.

Bei der Klinikaufnahme wiesen alle Patienten erhöhte Troponinwerte auf (Median: 0,25 ng/ml; Bereich, 0,08-3,15 ng/ml). Die Troponinwerte erreichten 0,1 bis 2,3 Tage nach der Aufnahme ihren Höhepunkt.

Die Echokardiografie ergab bei 3 Patienten (20%) eine verminderte LV-Ejektionsfraktion (EF) und bei 5 Patienten (33%) Abweichungen des Global Longitudinal Strains (GLS) und des zirkumferenziellen Strains. Der GLS ist der am häufigsten eingesetzte Parameter in der Deformationsanalyse des Myokards; er gibt die Funktion aller subendokardial gelegenen, longitudinal orientierten Herzmuskelfasern wieder.

Die kardialen MRT-Befunde stimmten bei 13 Patienten (87%) mit einer Myokarditis überein, einschließlich einer späten Gadolinium-Anreicherung bei 12 Patienten (80%), einer regionalen Hyperintensität in der T2-gewichteten Bildgebung bei 2 Patienten (13%), einer erhöhten extrazellulären Volumenfraktion bei 3 Patienten (20%) und einer erhöhten globalen nativen LV-T1 bei 2 Patienten (20%).

Die Patienten blieben zwischen 1 und 5 Tagen im Krankenhaus (Median 2 Tage) und wurden dann entlassen. Kein Patient musste auf die Intensivstation verlegt werden. Bei Nachuntersuchungen, die 1 bis 13 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus durchgeführt wurden, waren die Symptome der Myokarditis bei 11 Patienten (73%) abgeklungen.

Ein Patient (7%) wies im Echokardiogramm eine anhaltend niedrige systolische LV-Funktion (LVEF, 54%) auf. Bei 3 Patienten (20%) blieben die Troponinwerte leicht erhöht. Bei einem Patienten (7%) wurde auf dem ambulanten Monitor eine nicht anhaltende ventrikuläre Tachykardie festgestellt.

Die Autoren sagen, dass Längsschnittstudien an Patienten mit Myokarditis nach der COVID-19-Impfung „wichtig sein werden, um die langfristigen Risiken besser zu verstehen“.

Myokarditis tritt auch nach anderen Impfungen auf

In einer Erklärung des britischen Science Media Centers (SMC) sagt Prof. Dr. Peter Openshaw, Direktor des Zentrums für respiratorische Infektionen am Imperial College London: „Das Problem bei Fallserien dieser Art ist das Fehlen von Vergleichsgruppen. Wie viele Fälle von Myokarditis könnten bei normalen Kindern auftreten oder bei Kindern, die andere Impfstoffe erhalten haben (auch solche, die nicht für COVID sind), oder bei Jugendlichen, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind?“

 
Das Problem bei Fallserien dieser Art ist das Fehlen von Vergleichsgruppen. Prof. Dr. Peter Openshaw
 

„Wie die Autoren anmerken, tritt Myokarditis auch nach anderen Impfungen auf. Die geschätzte Rate (62,8 Fälle pro Million) macht dies zu einem seltenen Ereignis“, sagte Openshaw. „Meine Meinung, dass Jugendliche für eine Impfung in Betracht gezogen werden sollten, hat sich durch diese neue Veröffentlichung nicht geändert“, fügte er hinzu.

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

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