Geschwollene Lymphknoten in der Axilla nach Corona-Impfung: Was bedeutet das für eine Mammografie?

Dr. Nicola Siegmund-Schultze

Interessenkonflikte

18. August 2021

Nach der Injektion eines COVID-19-Impfstoffs hat zirka jede 20. Frau (5,3%) bis zu 2 Wochen nach der Impfung geschwollene Lymphknoten in der Axilla und 3% der Frauen im Zeitrahmen bis zu 28 Tage. Danach werden keine axillären Adenopathien mehr gefunden. Das berichten US-amerikanische Forscher in JAMA Oncology  [1].

Eine Mammografie sollte daher möglichst mindestens 28 Tage nach Injektion einer SARS-CoV-2-Vakzine erfolgen oder vor der Impfung, um Fehlinterpretationen der Bildgebung zu vermeiden, so die Schlussfolgerung aus der Studie.

Retrospektive Analyse an mammografierten Frauen

Laut den US Centers for Disease Control (CDC) berichten zirka 16% der amerikanischen Frauen, die Angaben zu potenziellen Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe machen, über symptomatische axilläre Lymphadenopathien. Vakzine-induzierte Schwellungen der Lymphknoten könnten die Befundung mammografischer Aufnahmen stören. In einem großen US-amerikanischen Zentrum für Mammografie haben daher Forscher der Mayo Clinic, Jacksonville, die Inzidenz axillärer Adenopathien bei Frauen vor einer geplanten Mammografie untersucht.

In der Studie wurde retrospektiv die axillären Lymphadenopathie bei Frauen analysiert, die maximal 90 Tage nach einer COVID-19-Impfung (1. oder 2. Dosis) mammografiert wurden, und zwar als Diagnostik bei konkretem Verdacht auf Mammakarzinom oder als Früherkennungsuntersuchung

Zur Diagnose der axillären Adenopathie haben die Forscher die Frauen zur Symptomatik (Schwellungen, eventuell schmerzhafte Schwellungen) befragt, radiologisch befundet und bei einem positiven Befund (Adenopathie) nochmals untersucht, meist auch mit Ultraschall.

„Cut-off“ für Lymphknotenschwellung zirka 3 Wochen

Von 750 untersuchten Frauen wurde bei 3% eine axilläre Adenopathie in der mammografischen Untersuchung festgestellt. 16% hatten über entsprechende Symptome berichtet.

Waren Symptome vorhanden, so war eine Anomalität in der Mammografie häufiger als bei symptomlosen Frauen. Der Unterschied war nicht signifikant (p = 0,29). Das Alter, die Art des Impfstoffs oder die Applikation als 1. oder 2. Dosis hatten keinen Einfluss. Bei Frauen mit axillärer Adenopathie waren median 10 Tage nach Impfung vergangen und bei Frauen ohne Adenopathie median 18 Tage.

Die Inzidenz einer Lymphknotenschwellung nahm mit zunehmendem Abstand zur Impfung ab: 5,3% der Frauen hatten im Zeitraum 1 bis 14 Tage nach Impfung eine axilläre Adenopathie, 2,9 % waren es im Zeitraum 15 bis 28 Tage nach Impfung. Nach 28 Tagen wurden keine Lymphknotenschwellungen mehr festgestellt. Der „Cut-off“ wird auf 22,5 Tage geschätzt.

Empfohlener Mindestabstand zu einer Mammografie 28 Tage

Vorübergehende Adenopathien sind nach Impfungen keine Seltenheit, sie werden zum Beispiel auch nach Influenza- oder HPV-Impfungen beobachtet. Die Rate selbstberichteter Lymphknotenschwellungen bei SARS-Corona-Impfung war in dieser Studie den Autoren zufolge mit 16% höher als in der Mammografie (3-5%). Es werden generell aber nur bei 0,02-0,04 % der nicht pathologischen Mammografien (Befund: kein Malignom) axilläre Lymphadenopathien festgestellt.

Daher empfehlen die Experten der Mayo Clinic, einen Abstand von mindestens 28 Tagen zu einer Mammografie. Auch Angaben zur Seite der Impfung (links, rechts) seien hilfreich.

Die Studienergebnisse einschränkend, bemerken die Autoren, dass die Zahl der Patientinnen klein gewesen sei und die Untersuchungen an lediglich einem Zentrum erfolgten. Es würden mehr Daten aus größeren Studien zu dieser Fragestellung benötigt.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.
 

Kommentar

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