Fall: Einen 28-jährigen Fußballer quälen Bauchschmerzen, Durchfall und Abgeschlagenheit – warum fühlt er sich so krank?  

Thomas D. Pinkney, Simon F. Hobbs, Timothy D. Stone, Tim C.F. Sykes

Interessenkonflikte

12. August 2021

Sowohl bei der Osteomyelitis als auch bei der Osteitis pubis stellen sich die Patienten in der Regel mit diffusen ein- oder beidseitigen Becken-, Leisten- oder Unterbauchschmerzen vor. Die Schmerzen verschlimmern sich im Allgemeinen bei körperlicher Betätigung.

Patienten können auch über Schwierigkeiten beim Gehen klagen. Beim Stehen oder Gehen neigen sie dazu, sich nach vorn zu beugen. Dies geht auf einen Spasmus der Adduktoren- oder Rektusmuskulatur zurück. Bei der körperlichen Untersuchung führt die Hüftabduktion zu einer erheblichen Schmerzprovokation. Auch der Bewegungsumfang der Hüfte kann eingeschränkt sein.

Der schleichende Beginn und die unspezifische Natur dieser Symptome sowie die Unerfahrenheit vieler Ärzte mit diesen Erkrankungen führen dazu, dass die Diagnose vielfach sehr spät gestellt wird. Häufige Fehldiagnosen sind ein subklinischer Leistenbruch, eine Coxarthrose oder ein Adduktorenspasmus [3]. In einer Studie zu 18 Fällen von Osteomyelitis pubis wurde eine durchschnittliche Verzögerung von 13 Tagen (1-30 Tage) zwischen den ersten Symptomen und der korrekten Diagnose festgestellt [7].

Bei Osteomyelitis pubis entwickeln sich die Beschwerden oft progredient, während die Osteitis pubis meist einen selbstlimitierenden Verlauf nimmt. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen beiden Erkrankungen ist der klinische Hinweis auf eine systemische Infektion mit z.B. Fieber, Tachykardie, Erbrechen und erhöhten Entzündungsmarkern, der jedoch durch den Erregernachweis über Blutkulturen (in schweren Fällen) oder durch Aspiration oder Biopsie aus der Schambeinfuge bestätigt werden muss.

Die Röntgenleeraufnahme hat in den Anfangsstadien beider Erkrankungen keinen großen Wert, da die Veränderungen sich erst Wochen später im Röntgenbild bemerkbar machen. In den frühen Krankheitsstadien ist ein MRT wesentlich aussagekräftiger. Bei beiden Erkrankungen entwickelt sich ein gewisses Knochenmarködem, doch in Kombination mit einer ausgedehnten Weichteilreaktion fällt der Verdacht eher auf eine Osteomyelitis [4]. In der Mehr-Phasen-Skelettszintigrafie zeigt sich bei der Osteomyelitis pubis normalerweise in allen 3 Phasen eine vermehrte Anreicherung, bei der Osteitis pubis ist die Anreicherung jedoch nur in der Mineralisierungs- oder verzögerten Phase erhöht [3].

Die Beschwerden und Symptome einer manifesten Osteomyelitis pubis mit Unterbauchschmerzen, Fieber, Erbrechen, Tachykardie und erhöhten Entzündungsparametern ähneln auch denen der häufigeren Unterbauchpathologien Appendizitis und Divertikulitis. Daher ist leider die Rate negativer Laparotomien und Laparoskopien bei den Betroffenen recht hoch [4,6,8].

Kommentar

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