Fall: Einen 28-jährigen Fußballer quälen Bauchschmerzen, Durchfall und Abgeschlagenheit – warum fühlt er sich so krank?  

Thomas D. Pinkney, Simon F. Hobbs, Timothy D. Stone, Tim C.F. Sykes

Interessenkonflikte

12. August 2021

Diskussion

Die MRT (s. Abb.) lässt ein abnormes Knochenmarkssignal im Schambein mit Periostanhebung und deutlicher Weichteilreaktion erkennen. Diese Merkmale sprechen für eine deutliche Entzündung der Schambeinfuge. Der MRT-Befund stützt mit der nachgewiesenen Bakteriämie und den erhöhten Entzündungsmarkern die Diagnose einer Osteomyelitis pubis.

Eine Entzündung der fibrokartilaginösen Schambeinfuge ist selten. Man unterscheidet zwischen infektiösen und nicht infektiösen Formen. Die nicht infektiöse Osteitis pubis wurde erstmals 1924 von Beer beschrieben [1]. Dabei handelt es sich um eine selbstlimitierende Entzündung des Gelenks und seiner Umgebung. Im Gegensatz dazu ist die Osteomyelitis pubis eine infektiöse Knochenentzündung, die 2% aller gemeldeten Fälle von hämatogener Osteomyelitis ausmacht [2]. Die Klinik ist bei beiden Erkrankungen sehr ähnlich und eine Unterscheidung mitunter schwierig.

Die Ätiologie sowohl der Osteitis als auch der Osteomyelitis pubis ist nicht vollständig geklärt. Für beide Erkrankungen werden ähnliche Ursachen postuliert, etwa sportliche Überlastung, Schwangerschaft und Geburt, urologische oder gynäkologische Eingriffe, I.v.-Drogenmissbrauch und chirurgische Eingriffe [3,4].

Obwohl der Pathomechanismus einer Osteomyelitis pubis nach chirurgischen Eingriffen, Niederkunft oder I.v.-Injektionen leicht mit einer hämatogenen Aussaat oder über eine Ausweitung einer lokalen Infektion erklärt werden kann, ist der eigentliche Grund bei sportlichen Überlastungen unklar. Bestimmte Sportarten prädisponieren für Verletzungen der Leiste und der Schambeinfuge. Dies gilt besonders, wenn mit der Aktivität wiederholte Drehbewegungen des Beckens verbunden sind, wie etwa bei Fußball, Hockey, Rugby und Tennis [4].

Eine Theorie besagt, dass es in der Region zu einem geringfügigen lokalen Trauma kommt (das vom Patienten möglicherweise gar nicht bemerkt wird), gefolgt von einer vorübergehenden Bakteriämie, die sich opportunistisch im verletzten Bereich ansiedelt [5]. Diese vorübergehende Bakteriämie kann vielfältige und auch eher banale Gründe haben, wie etwa eine leichte Hautverletzung oder auch eine Zahnextraktion [6,7].

Der häufigste Erreger, der bei Patienten mit Osteomyelitis pubis gefunden wird, ist Staphylococcus aureus. Erfolgt die Infektion in Zusammenhang mit einem I.v.-Drogenkonsum, handelt es sich häufiger um Pseudomonas aeruginosa. In postoperativen Fällen findet man häufig ein gemischtes gramnegatives Erregerbild [7,8,9]. Zahlreiche andere Organismen wie Streptococcus viridans, Staphylococcus epidermidis und Salmonella-Arten wurden in Einzelfällen nachgewiesen [6,7,8].

Kommentar

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