Vorhofflimmern mit Herzinsuffizienz: Frühe Rhythmuskontrolle kann Leben retten

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

6. August 2021

Patienten mit Symptomen einer Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern profitieren von einer Therapie zur Rhythmuskontrolle, wenn diese innerhalb eines Jahres nach der Diagnose der Herzrhythmusstörung begonnen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die auf dem Kongress Heart Rhythm 2021 präsentiert wurde [1].

 
Diese Ergebnisse haben das Potential, die klinische Praxis grundlegend zu verändern, hin zum frühen Rhythmuserhalt zeitnah nach der Diagnosestellung Vorhofflimmern. Prof. Dr. Paulus Kirchhof
 

Das Hauptergebnis der Studie kommentiert der wissenschaftliche Leiter der Studie Prof. Dr. Paulus Kirchhof, Universitäres Herzzentrum Hamburg und Universität Birmingham, so: „Diese Ergebnisse haben das Potential, die klinische Praxis grundlegend zu verändern, hin zum frühen Rhythmuserhalt zeitnah nach der Diagnosestellung Vorhofflimmern.“

Hohes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen

Patienten mit Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern haben ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen wie Tod, Schlaganfall oder Zunahme der Herzinsuffizienz, die selbst bei optimaler Therapie können auftreten können. Da das Komplikationsrisiko bei Patienten mit Vorhofflimmern im ersten Jahr nach der Diagnose am höchsten ist, haben Kardiologen in der EAST–AFNET-4-Studie untersucht, ob eine frühe rhythmuserhaltende Therapie die Prognose verbessert. 

AFNET 4 ist eine europaweite prospektive und offene Studie, die vom Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) in Kooperation mit der Europäischen Rhythmologen-Vereinigung (EHRA) durchgeführt wurde. EAST steht für Early treatment of Atrial fibrillation for Stroke prevention.

Wie berichtet, lautete das Hauptergebnis der 2020 publizierten Studie: Eine frühzeitige rhythmuserhaltende Therapie mit Medikamenten und/oder Ablation führte im Vergleich zur üblichen Behandlung zu weniger Todesfällen, Schlaganfällen und Krankenhausaufenthalten wegen progredienter Herzinsuffizienz oder akutem Koronarsyndrom.

Subgruppenanalyse bei Vorhofflimmern und Herzschwäche

Jetzt gingen die Studienautoren der Frage nach, ob auch die Subgruppe der Patienten mit Vorhofflimmern und gleichzeitiger Herzschwäche von der frühen rhythmuserhaltenden Behandlung profitieren.

Diese präspezifizierte Subanalyse der EAST-AFNET-4-Studie untersuchte die Wirkung einer frühzeitigen rhythmuserhaltenden Therapie (Antiarrhythmika oder Katheterablation) im Vergleich zur üblichen Versorgung auf primäre und auf sekundäre Endpunkte bei Patienten mit Herzinsuffizienz (NYHA II-III oder linksventrikuläre Ejektionsfraktion < 50%).

Die Analyse umfasste 798 Patienten (37,6% weiblich, mittleres Alter 71 Jahre, 785 mit bekannter LVEF). Die Mehrheit der Patienten (n = 442) hatte eine HFpEF (LVEF ≥ 50%; mittlere LVEF 61%). Die übrigen hatten eine Herzinsuffizienz mit mittlerer Auswurffraktion (n = 211; LVEF 40-49%; mittlere LVEF 44%) oder eine Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion (n = 132; LVEF<40%; mittlere LVEF 31%). 

Der kombinierte primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus den Einzelendpunkten kardiovaskulärer Tod, Schlaganfall oder Krankenhausaufenthalt wegen Zunahme der Herzinsuffizienz oder wegen eines akuten Koronarsyndroms. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 5,1 Jahre.

Frühe Rhythmuskontrolle lebensrettend

Während der Nachbeobachtungszeit trat der kombinierte Endpunkt bei Patienten mit früher Rhythmuskontrolle seltener auf als bei Patienten mit der Standardtherapie: 94/396; 5,7 pro 100 Patientenjahre versus 130/402; 7,9 pro 100 Patientenjahre. 

Die relative Risikoreduktion betrug 26% (Hazard Ratio: 0,74; 95%-Konfidenzintervall: 0,56-0,97; p = 0,03). Der Status der Herzinsuffizienz spielte dabei keine Rolle (Interaktion p-Wert = 0,63). 

Der kombinierte primäre Sicherheitsendpunkt (Tod, Schlaganfall oder schwerwiegende unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der Rhythmuskontrolle) trat bei 17,9% der Patienten mit früher Rhythmuskontrolle auf. In der Vergleichsgruppe betrug dieser Anteil 21,6% (HR: 0,85; 95%-KI: 0,62-1,17; p = 0,33). Die LV-Ejektionsfraktion verbesserte sich in beiden Gruppen (5,3% und 4,9%, p = 0,43). 

Laut Erstautor Dr. Andreas Rillig vom Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg verdeutlichen „die Ergebnisse dieser Analyse den Nutzen einer frühen rhythmuserhaltenden Behandlung für alle Patienten mit Herzschwäche der EAST–AFNET-4-Studie. Früher Rhythmuserhalt, entweder mit antiarrhythmischen Medikamenten oder durch Katheterablation, sollte allen Patienten mit Vorhofflimmern angeboten werden, die Symptome einer Herzschwäche oder eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion haben.“

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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