Wie essen bei nicht-alkoholischer Fettleber – intermittierende Diät, kohlenhydratarm/fettreich oder normale Kost?

Laird Harrison

Interessenkonflikte

19. Juli 2021

Zur Behandlung der nicht alkoholischen Fettleber (NAFLD) bietet eine intermittierende Kalorienrestriktion nur geringe Vorteile gegenüber einer kohlenhydratarmen, fettreichen Kost (LCHF).

Die intermittierende Diät nützt mehr hinsichtlich der Lebersteifigkeit und des LDL-Wertes und ist möglicherweise leichter durchzuhalten, sagte Dr. Magnus Holmer, Leiter der Hepatology Unit am Karolinska Institut in Stockholm, gegenüber Medscape. Doch diese Kostform habe auch Nachteile, und die Unterschiede zwischen beiden Kostformen seien letztlich gering.

 
Die Zusammensetzung der Makronährstoffe Fett oder Zucker ist scheinbar weniger wichtig als die Anzahl der Kalorien, die man aufnimmt. Dr. Magnus Holmer
 

„Beide Formen wirkten mehr oder weniger gleich auf die Lebersteatose bei der NAFLD und auf die Gewichtsreduktion“, sagte er weiter. „Daraus können wir ableiten, dass die Zusammensetzung der Makronährstoffe Fett oder Zucker scheinbar weniger wichtig ist als die Anzahl der Kalorien, die man aufnimmt.“

Holmer und sein Team präsentierten ihre Ergebnisse auf dem virtuellen International Liver Congress (ILC) 2021 [1] und veröffentlichten sie gleichzeitig in JHEP Reports[2].

Während in früheren Untersuchungen gezeigt wurde, dass sich eine NAFLD diätetisch wirksam behandeln lässt, wird jetzt darüber debattiert, ob die populären kohlenhydratarmen und fettreichen Diäten mehr Schaden anrichten als nutzen.

Gleichzeitig erfreuen sich auch Diäten mit intermittierender Kalorienrestriktion einer wachsenden Beliebtheit, insbesondere die 5:2-Diät, bei der man 5 Tage pro Woche normal isst und die Kalorienzufuhr an den anderen 2 Tagen einschränkt.

Vergleich der Diäten

Um herauszufinden, ob die eine Diät effektiver ist als die andere, wurden 74 NAFLD-Patienten rekrutiert. Einschlusskriterium war entweder eine radiologische Beurteilung, ein kontrollierter Dämpfungsparameter (CAP) >280 dB/m plus Adipositas oder ein CAP >280 dB/m, erhöhte ALT-Werte plus Übergewicht. 16 der Patienten wurden mit Statinen behandelt.

Die Untersucher verteilten die Patienten zufällig auf 3 Gruppen:

  • 25 Patienten erhielten eine LCHF-Diät,

  • 25 eine 5:2-Diät und

  • 24 eine Standardbehandlung.

Die Gruppen ähnelten sich zu Beginn der Studie in Bezug auf Ernährung, Alter, Body-Mass-Index (BMI), Lebersteifigkeit und die meisten anderen Kriterien, obwohl es in der Standardgruppe mehr Frauen gab.

  • Die Teilnehmer aus der Standardgruppe wurden am Anfang einem Hepatologen zugeführt, der ihnen empfahl, Süßigkeiten und gesättigte Fette zu meiden, 3 Mahlzeiten am Tag einzunehmen und große Portionen zu vermeiden.

  • Die Frauen in der 5:2-Diät-Gruppe sollten an 2 Tagen pro Woche jeweils bis zu 500 kcal und an den anderen 5 Tagen jeweils bis zu 2.000 kcal essen, die Männer 600 kcal bzw. 2.400 kcal. Sie stellten allen 5:2-Teilnehmern Rezepte der nordischen Diät zur Verfügung. Diese Spielart der mediterranen Kost (oder Mittelmeerdiät) legt den Schwerpunkt auf Lebensmittel, die üblicherweise in den nordischen Ländern verzehrt werden: Getreide wie Roggen, Hafer und Gerste, Obst wie Äpfel, Birnen, Beeren und Pflaumen, Wurzelgemüse, Kohl, Zwiebeln, Erbsen, Bohnen, Fisch, gekochte Kartoffeln und Milchprodukte sowie Rapsöl. Die in den Rezepten angegebenen Kalorien setzten sich aus 45–60% Kohlenhydraten, 25% Fett und 10–20% Eiweiß zusammen.

  • Bei der LCHF-Diät sollten Frauen durchschnittlich 1.600 kcal pro Tag zu sich nehmen und Männer 1900 kcal. Alle Teilnehmer nutzten Rezepte, die auf Fleisch, Fisch, Eiern, kohlenhydratarmem Gemüse und Milchfett basierten. Die Teilnehmer mieden Zucker, Brot, Nudeln, Reis, Kuchen, Kartoffeln und Obst. Die Kalorien in den Rezepten setzten sich aus 5–10% Kohlenhydraten, 50–80% Fett und 15–40% Eiweiß zusammen.

Alle Teilnehmer berichteten sowohl zu Beginn der Studie als auch nach 12 Wochen, was sie in den jeweils letzten 3 Tagen gegessen hatten. Die Teilnehmer der 5:2- und der LCHF-Gruppe wurden außerdem nach 2, 4, 8 und 12 Wochen sowie nach einem Termin bei einem Ernährungsberater in der 6. Woche angerufen, um über ihre Ernährung in den letzten 24 Stunden zu berichten.

Die Untersucher bestimmten zudem bei allen die Aufnahme von Linolsäure und α-Linolensäure, um zu überprüfen, ob sich die Ernährung der Teilnehmer in den Gruppen unterschied.

Nach 12 Wochen hatten alle 3 Gruppen eine signifikante Menge an Leberfett verloren, die LCHF- und die 5:2-Diät-Gruppe jedoch mehr als die Standardbehandlungsgruppe. Die Lebersteifigkeit verringerte sich unter der 5:2-Diät und der Standardbehandlung signifikant, aber nicht in der LCHF-Gruppe.

Tab. 1: Diätabhängige Veränderungen

Diät

Mittlere Veränderung des Leberfettanteils in %

Mittlere Veränderung der Lebersteife in kPa

Mittlere Veränderung des Körpergewichts in kg

Standardbehandlung

-3,6

-1,5

-2,5

LCHF-Diät

-7,2

-0,3

-7,3

5:2-Diät

-6,1

-1,8

-7,4

 

Die Unterschiede beim Leberfett waren zwischen der Standardbehandlung und der LCHF-Gruppe statistisch signifikant (p=0,001), ebenso zwischen der Standardbehandlung und der 5:2-Gruppe (p=0,029). Zwischen der LCHF- und der 5:2-Gruppe hingegen erreichten die Daten beim Körpergewicht oder dem Leberfettanteil kein statistisches Signifikanzniveau, dafür allerdings bei der Lebersteifigkeit.

Ferner sanken in der 5:2-Gruppe die Werte für das Gesamtcholesterin und für LDL, nicht hingegen unter der Standardbehandlung. In der LCHF-Gruppe stiegen die Werte für LDL, HDL und Gesamtcholesterin an.

Die langfristigen Auswirkungen der Cholesterin-Befunde seien unklar, sagte Holmer. Er hoffe auf die Follow-up-Daten nach 18 bis 24 Monaten. Die initialen Cholesterin-Befunde könnten jedoch Anlass genug für eine Red Flag bei kardiovaskulären Erkrankungen in der Vorgeschichte sein, sagte Holmer.

Diät-Adhärenz

Nur eine Person aus der 5:2-Gruppe brach die Diät ab, während es in der LCHF-Gruppe 5 und in der Standardbehandlungsgruppe 4 waren. Aus der LCHF-Gruppe kamen zudem mehr Berichte über unerwünschte Nebenwirkungen, wie z.B. Magen-Darm-Beschwerden.

„Die LCHF bedeutet für die meisten Menschen eine drastische Umstellung“, sagte Holmer. „Viele Patienten sind ein wenig geschockt, wenn sie merken, wie viel Fett sie zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen essen sollen. Jeden Tag Eier und Speck zum Frühstück ist nicht jedermanns Sache.“ Die Diät könnte auch problematisch für Menschen sein, die ihren Fleischkonsum aus ökologischen Gründen reduzieren wollen, fügte er hinzu.

 
Die LCHF bedeutet für die meisten Menschen eine drastische Umstellung. Dr. Magnus Holmer
 

Die 5:2-Diät biete den Vorteil, dass die Menschen wählen könnten, was sie äßen, solange sie sich an die Kaloriengrenzwerte hielten, betonte er. Dennoch warnte er Personen mit einem insulinabhängigen Diabetes vor dieser Kostform, da die Anpassung des Insulinspiegels an Fastentagen schwierig sei. Auch bei der Leberzirrhose sei diese Diät ungeeignet, weil hier häufige Mahlzeiten gefragt seien.

LCHF- und 5:2-Diät können funktionieren

Die gute Nachricht sei aber, so Holmer, dass für die meisten Menschen viele Diäten bei der NAFLD funktionieren, sagte Holmer.

„Ich sage meinen Patienten gleich zu Anfang, dass sie vollständig geheilt werden können, wenn sie es schaffen abzunehmen“, sagte er. „Dann folgt die Frage, wie sie diese Aufgabe angehen wollen. Und wenn sie dann bereits an einer bestimmten Diät interessiert sind, kann ich das, basierend auf diesen Erkenntnissen, kommentieren und wenn möglich unterstützen.“

 
Ich sage meinen Patienten gleich zu Anfang, dass sie vollständig geheilt werden können, wenn sie es schaffen abzunehmen. Dr. Magnus Holmer
 

Für Dr. Stephen Harrison, Hepatologe am Radcliffe Department of Medicine der britischen Oxford-Universität, sind Langzeitresultate wichtig. So sei es etwa interessant, ob die Diäten auch Auswirkungen auf das Anschwellen der Hepatozyten (Ballonbildung) oder Entzündungen hätten, sagte er gegenüber Medscape. Ein weiterer Nachteil der Studie sei ihre geringe Teilnehmerzahl.

Harrison wies darauf hin, dass Menschen mit NAFLD nicht nur weniger essen sollten, sondern auch körperlich aktiver werden müssten. Dennoch zeigte er sich über die Ergebnisse sehr erfreut: „Es ist trotzdem eine wichtige Studie.“ Es sei hilfreich, 2 populäre Diäten direkt miteinander zu vergleichen und zudem auch ermutigend zu sehen, dass beide funktionieren können, fügte er hinzu.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

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