Metaanalyse: Sind psychologische Interventionen eine Alternative zu Antidepressiva bei der Rezidiv-Prophylaxe?

Michael Simm

Interessenkonflikte

15. Juli 2021

Psychologische Intervention während des Ausschleichens von Antidepressiva könnten eine Alternative zur Langzeit-Psychopharmakotherapie sein. Das vermuten Dr. Josefien J. F. Breedvelt von der University of Amsterdam und Kollegen, auf Grundlage einer Metaanalyse. Sie fanden keine signifikanten Unterschiede zwischen der Wirksamkeit beider Strategien zur Intervention [1].

Welche Strategien führen bei rezidivierenden Depressionen zum Erfolg?

Bekanntlich treten Rückfälle sind nach einer Depression häufig auf. Ärzte verordnen antidepressive Medikationen auch nach Abklingen der Symptome langfristig weiter.  Alternativ könnten auch psychologische Interventionen erfolgen, während die Medikamente ausgeschlichen werden. Dazu, welche Patienten von den beiden alternativen Vorgehensweisen profitieren, gab es bislang nur wenig Evidenz.

Deshalb haben Breedvelt und Kollegen in der Literatur nach geeigneten Studien gesucht. Eingeschlossen wurden Arbeiten mit Verhaltenstherapie bzw. Achtsamkeits-basierter Therapie während oder nach ausschleichender Gabe von Antidepressiva im Vergleich zur weiteren Monotherapie mit Antidepressiva. Endpunkte waren sowohl die Zeit bis zum Rezidiv als auch der Status nach 15 Monaten.

Daten von rund 700 Patienten ausgewertet

Von 15.792 gescreenten Studien wurden 236 Volltextartikel ausgewählt, und 4 erfüllten alle Einschlusskriterien. Letztendlich standen Angaben von 714 Teilnehmern (73,1% weiblich) im durchschnittlichen Alter von 49,2 Jahren zur Verfügung

Bei der Zeit bis zum Rückfall gab es zwischen den beiden Behandlungsarten keinen signifikanten Unterschied. Das Chancenverhältnis (HR) betrug 0,86 zugunsten der psychologischen Intervention (95%-Konfidenzintervall: 0,60-1,23).

Faktoren, die mit einem höheren Rückfallrisiko assoziiert waren, waren:

  • Ein jüngeres Alter bei Krankheitsbeginn (HR: 0,98, 95%-KI: 0,97-0,99),

  • eine kürzere Dauer der Remission (HR: 0,99, 95%-KI: 0,98-1,00),

  • stärker ausgeprägte residuale depressive Symptome zu Beginn der Intervention (HR: 1,07; 95%-KI: 1,04-1,10).

Geringe Datenbasis

Bleibt als Fazit: Die Metaanalyse legt nahe, dass Verhaltenstherapien bei Patienten, die sich nach einer Depression in Remission befinden, Rückfälle ähnlich wirksam verhindern könnten wie die Fortsetzung von Psychopharmakotherapien mit Antidepressiva.  Allerdings ist die Datenbasis mit nur 4 Studien (davon 1 negativ) und 714 Patienten recht schmal. Leitlinien empfehlen für Patienten mit hohem Rückfallrisiko, Medikationen mit Antidepressiva fortzuführen. Lithiumsalze werden als Zweitlinientherapie genannt.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de .

 

Kommentar

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