Fall: Diese Patientin ist erst 51, hat aber bereits starke kognitive Einschränkungen und braucht Hilfe. Ihre Vermutung? 

Lisa C. Silbert, Deniz Erten-Lyons

Interessenkonflikte

19. Juli 2021

Bei der klinischen Alzheimer-Diagnostik unterscheidet man 3 Kategorien:

  1. wahrscheinliche Alzheimer-Krankheit

  2. mögliche Alzheimer-Krankheit

  3. wahrscheinliche oder mögliche Alzheimer-Demenz mit charakteristischen pathophysiologischen Merkmalen [4].

In der Forschung wird der Begriff Alzheimer-Krankheit zunehmend durch den Begriff „klinisches Alzheimer-Syndrom“ ersetzt [6].

Eine wahrscheinliche Alzheimer-Krankheit diagnostizieren Ärzte, wenn ihr Patient Kriterien einer Demenz erfüllt und die folgenden Merkmale aufweist:

  • schleichender, allmählicher Beginn über Monate bis Jahre

  • eindeutige Vorgeschichte der Verschlechterung der Kognition durch Bericht oder Beobachtung

  • erste und deutliche kognitive Defizite, die sich bei der Anamnese und Untersuchung in einer der folgenden Kategorien zeigen:

  • amnestische Variante: Die häufigste Präsentation der Alzheimer-Krankheit ist eine frühe und ausgeprägte Beeinträchtigung des Lernens und des Abrufs kürzlich gelernter Informationen. Anzeichen für eine kognitive Dysfunktion sollten sich auch in mindestens einem anderen Bereich finden.

  • nicht amnestische Variante: Dies kann auffällige Defizite in den Bereichen Sprache, visuell-räumliche Fähigkeiten und exekutive Funktionen beinhalten.

Eine wahrscheinliche Alzheimer-Krankheit sollte nicht diagnostiziert werden, wenn folgende Punkte vorliegen:

  • Hinweise auf eine ausgeprägte zerebrovaskuläre Erkrankung in der Anamnese oder in der Bildgebung

  • Merkmale einer Lewy-Körper-Demenz

  • ausgeprägte Merkmale einer frontotemporalen lobären Degeneration

  • Hinweise auf eine andere aktive neurologische Erkrankung oder eine nicht neurologische medizinische Komorbidität oder die Einnahme von Medikamenten, die einen wesentlichen Einfluss auf die Kognition haben könnten.

Eine mögliche Alzheimer-Demenz wird diagnostiziert, wenn der Patient einen atypischen Verlauf (d.h. abruptes Auftreten) oder eine ätiologisch gemischte Präsentation mit typischer Symptomausprägung, aber bei zugleich zerebrovaskulärer Erkrankung oder zusätzlich deutlichen Symptomen der Lewy-Körper-Demenz oder weiteren Hinweisen auf andere Erkrankungen oder Medikamenteneinnahmen mit erheblichen Effekten auf die Kognition aufweist.

Die Diagnose einer wahrscheinlichen oder möglichen Alzheimer-Krankheit kann durch den Nachweis entsprechender biologischer Marker gestützt werden. Es gibt Marker für Amyloid-Ablagerungen und für Neurodegeneration. Zu der ersten Gruppe gehören die Verringerung von Beta-Amyloid-42 im Liquor und der Amyloid-Nachweis mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Hinweise auf eine neuronale Schädigung liefern die Erhöhung von Tau und/oder von phosphoryliertem Tau im Liquor, eine Atrophie des medialen Temporallappens im MRT sowie Anzeichen eines parietotemporalen Hypometabolismus in der Fluorodeoxyglukose-Positronen-Emissions-Tomografie (FDG-PET).

In diesem Fall wies die Patientin sowohl Biomarker für ZNS-Amyloid-Beta-Ablagerungen (niedriger Beta-Amyloid-(1-42)-Tau-Index) als auch für eine neuronale Schädigung auf (hohe Liquor-Phospho-Tau-Werte und Hippocampus-Atrophie im MRT), die mit der Diagnose einer wahrscheinlichen Alzheimer-Krankheit übereinstimmen.

Kommentar

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