Langfristig enttäuschend: Candesartan und Metoprolol schützen nicht vor kardiotoxischem Effekt einer Brustkrebstherapie

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

25. Juni 2021

Eine Kardioprotektion mit Candesartan und/oder Metoprolol schützt Frauen mit Brustkrebs im frühen Stadium nicht gegen die durch eine adjuvante Krebstherapie bedingte Abnahme der kardialen Funktion. Dies zeigten Langzeitdaten der PRADA-Studie, die Dr. Siri Lagethon Heck, Radiologin am Akershus Universitäts-Hospital, Lørenskog, Norwegen, beim virtuellen Jahreskongress des American College of Cardiology (ACC 21) vorgestellt und parallel in Circulation publiziert hat [1,2].

Ihre Schlussfolgerung: „Eine breit angewendete kardioprotektive Therapie ist während der adjuvanten Behandlung einer Brustkrebs-Erkrankung nicht erforderlich.“

Diskutantin Prof. Dr. Bonny Ky, Penn Heart & Vascular Center, Philadelphia, Pennsylvania, ist der Meinung, dass die kardioprotektive Therapie personalisiert in Abhängigkeit vom Risiko des Patienten durchgeführt werden muss. Die Frauen, die in der PRADA-Studie eingeschlossen waren, hatten nur ein niedriges Risiko für kardiotoxische Wirkungen. Patientinnen mit höherem Risiko könnten möglicherweise doch von einer kardioprotektiven Behandlung profitieren.

Candesartan senkt LVEF kurzfristig

Verschiedene, bei der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzte Substanzen haben kardiotoxische Wirkungen, z.B. Anthracycline oder Trastuzumab. Eine Reihe von Studien zum Schutz vor kardiotoxischen Wirkungen mit einer neurohormonalen Blockade bei Frauen mit Brustkrebs ergab wenig ausgeprägte und inkonsistente Effekte.

In der randomisierten, doppelblind durchgeführten PRADA-Studie war im 2x2 faktoriellen Design die Wirkung von Candesartan und Metoprolol jeweils allein oder in Kombination im Vergleich zu Placebo untersucht worden. In die Studie waren 120 herzgesunde Frauen mit frühem Mammakarzinom aufgenommen worden, die sich einer adjuvanten Therapie unterzogen.

Primärer Endpunkt war die Änderung der linksventrikulären Auswurffraktion (LEVF) vom Studienbeginn bis zum Ende der adjuvanten Krebsbehandlung. Die 2016 im European Heart Journal publizierten Ergebnisse ließen noch hoffen – Candesartan verminderte den Abfall der LVEF signifikant. Metoprolol hatte jedoch keinen signifikanten Effekt.

Langfristig kein Effekt nachweisbar

Die nach 2 Jahren erhobenen Langzeitdaten zeigen jedoch, dass dieser protektive Effekt nicht aufrechterhalten werden konnte. Die LVEF nahm in der Candesartan-Gruppe bis zum Ende der Nachbeobachtungszeit im Schnitt um 1,7% ab, ohne um 1,8%. Mit Metoprolol verringerte sich die LVEF um 1,6%, ohne um 1,9%.

In der Candesartan-Gruppe war nach 2 Jahren das linksventrikuläre enddiastolische Volumen signifikant reduziert (p = 0,021) und der Abfall des Global Longitudinal Strain (GLS) fiel signifikant geringer aus (p = 0,046). Diese Effekte waren jedoch gering. Unklar bleibt, ob dies langfristig irgendwelche Folgen hat.

Als Stärken der Studie bezeichnete Lagethon-Heck das Design, die Erfassung der LVEF mit serieller MRT sowie die Nachbeobachtungszeit über 2 Jahre. Andererseits handelte es sich um eine Einzentrums-Studie und von 18% der Teilnehmerinnen lag kein MRT nach 2 Jahren vor. Zudem fiel die LVEF weniger stark ab, als ursprünglich angenommen.
 

Kommentar

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